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Moorbrand bei Meppen - Teure Rechnung für die Bundeswehr

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Das Emsland fordert nach dem Moorbrand bei Meppen 760.000 Euro von der Bundeswehr. Das ist deutlich mehr als eine Absage des Schießtests gekostet hätte - und es kommt noch mehr.

Nach dem Moorbrand im September nahe Meppen wird die Bundeswehr nun zur Kasse gebeten.

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Es bleibt bis heute ein schwelendes Geheimnis, warum die Bundeswehr am 3. September zu der folgenschweren Fehleinschätzung kam, auf dem seit Monaten ausgedörrten Moor in der Nähe des niedersächsischen Meppen Raketen testen zu können. Diese Fehleinschätzung führte zu einem Inferno auf einer Fläche von rund acht Quadratkilometern. 31 Tage lang kämpften nicht nur die Bundeswehr, sondern Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz sowie zahlreiche freiwillige Helfer gegen Flammen und Glutnester.

Die Frage nach dem "Warum" trieb im Oktober auch die Grünen im Bundestag um. In einer "Kleinen Anfrage" an die Bundesregierung wollten sie wissen, wie viel es die Bundeswehr gekostet hätte, die Schießübung im Moor bei Meppen abzusagen. Die Antwort: Eine Verschiebung hätte rund 550.000 Euro gekostet. Zu teuer für eine Notbremse - trotz Gefährdung der Sicherheit von Soldaten und der umliegenden Gemeinden? "Die Kosten für Schießvorhaben spielen keine Rolle bei der Beachtung von Sicherheitsvorschriften. Dieses schließt den Schutz von Personen, Brandschutz und den Umweltschutz mit ein", betonte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums gegenüber heute.de. Fakt ist: Eine Verschiebung des Raketentests hätte der Bundeswehr aus heutiger Sicht nicht annähernd so viel gekostet wie der entstandene Schaden. Schätzungen gehen in mehrere Millionen Euro.

Teures Nachspiel für die Bundeswehr

Allein beim Landkreis Emsland sind Rechnungen in Höhe von rund 760.000 Euro eingegangen. 375.000 Euro für Material und Verbrauchsgüter, Aufwendungen für Verdienstausfälle sowie Luftmessungen, heißt es in einer Vorlage für die Kreistagssitzung diesen Montag. Dazu kommen Rechnungen der Kommunen im Emsland über 315.000 Euro sowie zusätzliche Verwaltungskosten in Höhe von rund 69.000 Euro.
Der Landkreis wird das Geld zunächst auslegen, er will aber "sämtliche Kosten" der Bundeswehr in Rechnung stellen, bestätigte eine Sprecherin heute.de. Etwa 2.000 Frauen und Männer kämpften gegen die Flammen, unter ihnen viele ehrenamtliche Helfer von der Freiwilligen Feuerwehr. Diese Helfer hatten teilweise erhebliche Verdienstausfälle. Hier haben die Kommunen zurzeit den erheblichsten Schaden. Denn sie müssen die Verdienstausfälle ihrer Feuerwehrleute vorstrecken.

Bleibt der Landkreis auf den Kosten sitzen?

Unklar ist bislang, ob die Bundeswehr die Kosten übernimmt, die während des zwischenzeitlich ausgerufenen Katastrophenfalls entstanden sind. Das Land Niedersachsen ist formell zuständig für die Kosten der Helfer aus der unmittelbaren Umgebung. "Für die Kosten, die dem Landkreis Emsland durch den Einsatz eigener Einsatzkräfte der Feuerwehren, des Katastrophenstabes, der Hilfsorganisationen und durch Verbrauch, Verlust oder Beschädigung von Material im Katastrophenfall entstanden sind, sieht das Katastrophenschutzgesetz grundsätzlich keine Regelung vor", heißt es in der Vorlage des Kreisausschusses Emsland.

Der Bund hat zugesagt, die Kosten im Rahmen der geleisteten Amtshilfe zu übernehmen. Die Bundeswehr habe signalisiert, auch für die während des Katastrophenfalls entstandenen Kosten aufzukommen, heißt es aus dem niedersächsischen Innenministerium. Klar ist: Diese Rechnung wird teuer. Der benachbarte Landkreis Leer rechnet noch, ebenso das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz.

Schaden für die Umwelt

Kaum zu beziffern ist der Schaden, der für die Umwelt entstanden ist. Das Moor bei Meppen, genauer gesagt das Naturschutzgebiet "Tinner Dose-Sprakeler Heide", ist Lebensraum für vom Aussterben bedrohte Vogelarten: Wiesen- und Kornweihen, Rotschenkel oder Bekassine. Und es kommen hochmoortypische Amphibien, Reptilien und Insekten vor. Viele Tiere verendeten in den Flammen. Laut NABU Niedersachsen hat der Moorbrand rund 1,2 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. Die genauen Auswirkungen auf Flora und Fauna wird erst das kommende Jahr zeigen. Das Bundesverteidigungsministerium ist noch dabei, den Moorbrand aufzuarbeiten. Fest steht aber: Die Bundeswehr will die Schießübungen im Moor bei Meppen im Januar wieder aufnehmen.

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