Sie sind hier:

Frontal21-Dokumentation - Teurer Wohnen - Kampf um bezahlbare Mieten

Datum:

Lützowstraße, Berlin-Tiergarten: Für die Mieter wird es dramatisch. Manche leben dort seit 40 Jahren, viele müssen ihr Zuhause verlassen. Grund: Drohende drastische Mieterhöhungen.

Viele Mieter, besonders in Ballungsräumen wie Berlin, müssen um ihren Wohnraum bangen. Ihre einst vom Staat geförderten Wohnungen werden häufig modernisiert und zu lukrativen Eigentumswohnungen - bei Mieterhöhungen von über 70 Prozent.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Der Gebäudekomplex mit knapp hundert Wohnungen in der Berliner Lützowstraße ist in den 70er Jahren als sozialer Wohnungsbau gebaut worden. Dort leben Menschen mit kleinem Einkommen: Rentner, Familien, Bezieher von Hartz IV oder der Grundsicherung.

Investmentgesellschaft will Rendite

Jetzt hat eine Investmentgesellschaft das Gebäude gekauft. Die will die einstmals vom Staat geförderten Wohnungen modernisieren und in Eigentum umwandeln, verspricht ihren Anlegern Renditen bis zu 18 Prozent - jährlich. "Leben heißt Veränderung", schreibt die Hausverwaltung an die Altmieter und kündigt schon einmal Mieterhöhungen von mehr als 70 Prozent an. Die Modernisierungsumlage macht es möglich. Demnach kann der Eigentümer einen Teil der Modernisierungskosten auf die Mieter abwälzen - alles ganz legal.

Das ZDF-Magazin Frontal21 hat für seine Dokumentation über ein Jahr lang den Kampf der Mieter in der Lützowstraße begleitet. Die wollen sich nicht so einfach aus ihren Wohnungen und aus ihrem Kiez vertreiben lassen. Defekte Heizungen, kaputte Aufzüge, Baulärm - all das empfinden sie als Einschüchterung und Schikane. Von der Politik fühlen sie sich im Stich gelassen. Viele Nachbarn haben inzwischen aufgegeben, sind ausgezogen, doch ein harter Kern kämpft weiter.

Politik sieht Handlungsbedarf

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, besuchte am Montag die Mieter in dem Haus in der Lützowstraße und sprach mit ihnen über die Auswirkungen der Modernisierung. "Was wir hier erleben in diesem Haus ist symptomatisch für viele Häuser vor allen Dingen in Großstädten." Göring-Eckardt kritisierte, dass die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen zur Begrenzung von Modernisierungen nicht ausreichten. "All das, was in diesem Haus passiert, kann man nach Recht und Gesetz in Deutschland heute machen. Es führt dazu, dass die Mietfrage zu einer sozialen Bedrohung wird."

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat unterdessen angekündigt, härter gegen Investoren auf dem Wohnungsmarkt vorzugehen. "Diejenigen, die eine Modernisierung eines Hauses dazu benutzen, um Mieter zu drangsalieren und heraus zu drängen, denen werden wir das Handwerk legen", sagte Barley in einem Interview mit dem ZDF. Barley will das sogenannte Herausmodernisieren mit einer Geldbuße von 100.000 Euro belegen.

"Wir wollen natürlich, dass Vermieter modernisieren, das ist gut für die Mieter. Der Lebensstandard steigt dann auch", sagt die Justizministerin. "Aber es muss Grenzen haben, und es muss für die Menschen bezahlbar sein." Barley hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Anstieg der Mieten begrenzen soll.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.