Sie sind hier:

Thailand - Prinzessin gegen General

Datum:

Premiere in Thailand: Prinzessin Ubolratana tritt bei der Parlamentswahl an - und fordert damit einen Junta-General heraus. Der König hält nichts von den Plänen seiner Schwester.

Archiv: Die thailändischen Prinzessin Ubolratana, aufgenommen am 27.10.2017 in Bangkok, Thailand
Die thailändischen Prinzessin Ubolratana tritt gegen die Militärs an. (Archivbild)
Quelle: dpa

Im politischen Thailand werden die Karten neu gemischt: Prinzessin Ubolratana Mahidol will im kommenden Monat Ministerpräsidentin werden. Mit ihrer Kandidatur beendete sie die seit Jahrzehnten bestehende Tradition des Palastes, sich nicht in die Politik einzubringen. Das Rennen gegen den vom Militär unterstützen Regierungschef Prayut Chan-o-Cha dürfte spannend werden.

Turbulenter Lebenslauf

Für Ubolratana ist es nicht der erste unerwartete Schritt in ihrem mehr oder weniger turbulenten Leben. Die heute 67-Jährige wurde zwar als erste Tochter von König Bhumibol Adulyadej geboren, zu Thailands Royals gehört sie offiziell aber nicht mehr. Der Grund dafür ist die Liebe: Als Studentin an der US-Eliteuniversität MIT verliebte Ubolratana sich vor mehr als 40 Jahren in den Amerikaner Peter Jensen. Ihre Heirat mit dem Bürgerlichen im Jahr 1972 kann als Akt der Rebellion gesehen werden.

Bhumibol erkannte ihr die höchsten königlichen Titel ab, fast zehn Jahre lang verschwand sie aus dem Rampenlicht. Während ihre Geschwister, der heutige König Maha Vajiralongkorn (66), Prinzessin Sirindhorn (63) und Prinzessin Chulabhorn (61) Leben führten, die vor allem von Palastprotokollen bestimmt waren, lebte Ubolratana in den USA das typische amerikanische Leben. Sie nannte sich "Mrs. Julie Jensen" - den Spitznamen Julie hatte sie Berichten zufolge schon in ihrer Jugend wegen der Sängerin Julie London - und brachte drei Kinder zur Welt.

Großer Palast in Bangkok als Wohnsitz

Die Beziehungen zu der königlichen Familie erholten sich danach wieder. Ihre Mutter, Königin Sirikit, und andere Mitglieder besuchten sie in den Staaten. Nach der Scheidung 1998 entschied Ubolratana drei Jahre später, wieder zurück nach Thailand zu ziehen. Heute genießt sie praktisch die gleichen Vorteile wie ihre Geschwister. Bei der Nominierung zur Kandidatin für das Ministerpräsidentenamt wurde der Große Palast in Bangkok als ihr Wohnsitz angegeben.

Da Thailand eine konstitutionelle Monarchie ist, dürfen sich Vajiralongkorn und sein innerer Zirkel nicht direkt in die Politik einbringen. Die Prinzessin engagiert sich gegen Drogenmissbrauch durch Jugendliche. Wenn sie mit hilfsbedürftigen Kindern unterwegs ist, setzt sie kaum auf Prunk und Protz - bei offiziellen Anlässen darf es mehr Glamour sein.

Zwischen Wohltätigkeit und Glamour

Auf der internationalen Bühne hat sie zudem wiederholt für Thailand als Urlaubsland und für thailändische Filme geworben. Selbst stand sie auch schon für Filme und TV-Dramen vor der Kamera. Außerdem hat sie einen Instagram-Account. Sie war bislang allerdings nicht dafür bekannt, sich besonders für die Parteipolitik in ihrer Heimat zu interessieren.

Mit der Nominierung durch die Partei Thai Raksa Chart stellt sich Ubolratana auf die Seite des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Royalistische Hardliner haben diesen bislang als Gegner der Monarchie verstanden. Beobachter der thailändischen Politik haben aber bereits länger Thaksins Bemühen bemerkt, gute Beziehungen zu König Vajiralongkorn und eine Freundschaft zur Prinzessin aufzubauen.

Als Maha Vajiralongkorn vor mehr als zwei Jahren die Thronfolge antrat, glaubten viele, er werde seine Position als konstitutioneller Monarch über eine enge Bindung ans Militär stärken. Das scheint sich nun zu bestätigen: In einer Erklärung des Palastes kritisiert der König den überraschenden Einstieg seiner Schwester in die Politik als "unangemessen". Die Kandidatur von Prinzessin Ubolratana stehe auch im Widerspruch zur Verfassung. Eine solche Stellungnahme des Königs zu aktuellen Fragen der Politik ist äußerst ungewöhnlich.

Strenges Gesetz zur Majestätsbeleidigung

Generell dürfte es für Ubolratanas politische Gegner schwer werden, ihr auch nur Kritik entgegenzusetzen. In der Gesellschaft wird sie als Vertreterin der Monarchie angesehen und damit als Teil der am meisten respektierten Institution des Landes.

Außerdem hat Thailand ein strenges Gesetz zur Majestätsbeleidigung: Entsprechende Vergehen können mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft werden. In den vergangenen Jahren sind die Regeln dazu stark ausgebaut worden, daher dürfte Kritik an Ubolratana - auch ohne höchste Adelstitel - problematisch werden.

Die Prinzessin selbst gibt sich allerdings demütig. Im Vergleich zu den thailändischen Bürgern habe sie laut der Verfassung keine besonderen Privilegien, ließ sie mitteilen. Sie habe sich aufrichtig für die Kandidatur als Ministerpräsidentin entschieden und die Absicht, das Land zu Wohlstand zu führen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.