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Abschied von König Bhumibol - Thailand beerdigt seinen ewigen Monarchen

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Wie nimmt man Abschied von einem Gottgleichen? Thailand versucht nichts weniger als das und stellt fest: Es ist schmerzhaft. König Bhumibol wird am Donnerstag eingeäschert.

25 Millionen Euro für ein Grab – 100 Millionen für eine Trauerfeier. Klingt verrückt – für die Menschen in Thailand aber ein würdiger Rahmen für das Begräbnis ihres geliebten Königs Bhumibol.

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Die Thailänder betrauern den Verlust ihres geliebten königlichen Vaters und fragen sich zugleich: was soll nun werden? "Er hat so viel für uns getan. Ich will nicht daran denken, dass der Tag kommt, an dem er endgültig von uns geht. Ich will, dass unser Vater immer unter uns bleibt.“ Sompit Kanthawong spricht wohl allen hier aus der Seele, allen, die mit ihr in der endlos langen Schlange warten. Der Sanam-Luang-Platz, auf dem die Trauerfeierlichkeiten stattfinden, bietet nur 20.000 Menschen Raum. Millionen wären gern dabei gewesen. Sompit ist seit vier Tagen und Nächten hier, um sich eine gute Position zu sichern, wenn die Tore geöffnet werden.

Für Thailand ist es die größte Trauerzeremonie

Es soll die größte Trauerzeremonie werden, die Thailand je gesehen hat. Etwas anderes schiene auch unangemessen für den König, den sie hier als gottgleich verehren. Viele Thais haben nie einen anderen Monarchen gekannt. Bhumibol hat 70 Jahre auf dem Thron gesessen. Länger als jeder andere zuvor. Als er starb - vor mehr als einem Jahr - war er der dienstälteste Monarch der Welt.

Das vergangene Jahr bot den Thais die Zeit um zu trauern. Mehr als 13 Millionen, so heißt es, seien zum Großen Palast, der alten Königsresidenz im Herzen der Hauptstadt gepilgert,  um Abschied zu nehmen.

Goldfarbenes Krematorium

Das vergangene Jahr bot aber auch die Zeit, um zu bauen. Der Sanam-Luang-Platz, unmittelbar vor dem Palast gelegen, war eine große Rasenfläche. Der Rasen ist verschwunden, alles ist betoniert. Darauf errichtet wurde ein gold-farbenes Krematorium. Reich verziert und üppig geschmückt ragt es wie ein Pavillon 53 Meter gen Himmel, mit einem neunstufigen Dach. Bhumibol ist der neunte König der Chakri-Dynastie. Angeblich soll das alles hier an die 100 Millionen Euro gekostet haben, selbst für eines der reichsten Königshäuser der Welt keine Kleinigkeit. Aber Kosten spielen in diesem Fall schlichtweg keine Rolle. Der Bau ist dem im Buddhismus und Hinduismus heiligen Berg Meru nachempfunden, der als Mittelpunkt des Universums gilt. Von hier aus soll die Seele des verstorbenen in den Himmel aufsteigen. So will es die Tradition. Und doch ist es diesmal anders als sonst.

Denn Bhumibol wird der erste thailändische König sein, der seinen letzten Weg im Liegen zurücklegt. Das hat er zu Lebzeiten so entschieden. Seine Vorgänger dagegen wurden sitzend zum Krematorium transportiert, in einem 13 Tonnen schweren Holzwagen. Der Wagen, den Hunderte Soldaten am Donnerstag über die 800 Meter lange Strecke vom Palast zum Krematorium schieben, wird diesmal leer sein. Bhumibols Leichnam, in einem Sarg, wird dann wohl bereits am Krematorium sein – so munkelt man zumindest.

Bhumibol ...

Bhumibol Adulyadej
Bhumibol Adulyadej Quelle: dpa
  • ... Adulyadej Borommanathbobitra amtierte sieben Jahrzehnte - so lange wie noch kein Thai-König zuvor. Als er im Oktober 2016 mit 88 Jahren starb, war er auch dienstältester Monarch der Welt. Zuhause wurde und wird er wie ein Halbgott verehrt. Unabhängig davon galt er als Mann von tadellosem Ruf - wichtig in einem Land mit so vielen Krisen und Putschen. Mit überlebensgroßen Porträts und einem strengen Gesetz gegen Majestätsbeleidigung wird dieses Bild auch gepflegt. (Quelle: dpa)

Liebe gilt der Person, nicht der Monarchie

Es gibt kein anderes Thema, das die Menschen in Bangkok beschäftigt. Leben und Tod des Königs bestimmen alles in diesen Tagen. Die Trauer, die im ganzen Land zu spüren ist, kann nicht allein auf Angst oder Heuchelei beruhen, auch wenn manche Kritiker das behaupten. Die Verehrung Bhumibols ist vielen Menschen eine echte  Herzensangelegenheit. Aber diese Liebe gilt tatsächlich der Person Bhumibols, weniger wohl der Monarchie an sich. Und noch weniger vermutlich dem Nachfolger auf dem Thron, König Vajiralongkorn, Bhumibols Sohn. Er gilt als nicht sonderlich beliebt, Skandale und Skandälchen haben dazu beigetragen, das viele heute denken: Bhumibols Fußstapfen sind für den Sohn zu groß.

Denken mag das mancher, aussprechen kaum einer. Der berüchtigte Paragraf zur Majestätsbeleidigung wird streng ausgelegt. Immer wieder landen manche deswegen im Gefängnis. Für den neuen König und vor allem auch für Thailands mächtiges Militär ist es entscheidend, die Situation stets im Griff zu haben. Das gilt auch rund um die Trauerfeier. Überall im Land werden deshalb eigene Zeremonien organisiert, damit der Strom in die Hauptstadt nicht unbeherrschbar wird. Dort, in Bangkok, sind die Sicherheitsvorkehrungen enorm, Kontrollen überall. Auch die Medien bekommen das zu spüren. Von freier Berichterstattung kann keine Rede sein.

Das ganze Land trägt Trauer

Das Regime will die Macht behalten - auch über Bilder, auch über Emotionen. Was nicht einfach ist, weil eben viele Thailänder tief getroffen und ehrlich bewegt sind. Bei sengender Hitze und gelegentlichem tropischen Regen harren sie aus. Viele Geschäfte haben geschlossen, an Alltag ist nicht zu denken. Viele tragen Amulette und Bilder des Verstorbenen bei sich, alle sind schwarz gekleidet. Noch mehr als sonst fallen die Touristen auf, die in kurzen Hosen oder bunten Hemden auf den Straßen unterwegs sind. Mancher von ihnen folgt dem freundlichen Hinweis doch bitte schwarze Tücher oder Armbinden anzulegen. Es ist keine Übertreibung: Die ganze Stadt, das ganze Land trägt Trauer.

Einäscherungszeremonie in Bangkok

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