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"The Circle" im Kino - "Etwas zu wissen ist gut, alles zu wissen ist besser"

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Von der Datensammlung zur Überwachung und schließlich zur Kontrolle der Politik: "The Circle", die Verfilmung des Bestsellers von Dave Eggers, malt den Teufel in Gestalt eines Social-Media-Unternehmens an die Wand. Doch das Drehbuch zeigt Schwächen.

Big Data: Rettung oder Überwachung? Dave Eggers Bestseller als Film

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Mae, gespielt von Emma Watson, kann ihr Glück kaum fassen: Eben noch saß die junge Frau in einem miefigen Großraumbüro und hörte sich die Beschwerden unzufriedener Kunden an, da reißt ein Anruf sie schlagartig in eine andere Welt. Eine Freundin hat ihr ein Vorsprechen beim "Circle" verschafft, der coolsten Firma der Welt. Der Social-Media-Gigant vereint die strahlendsten Seiten von Facebook, Google oder Apple und residiert auf einem runden Areal von erstaunlichen Ausmaßen.

Die Architektur ist luftig mit viel Glas und Grünflächen, weiten Plätzen, Restaurants, Kindergärten, Bibliotheken und jeder Menge Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Hier sind alle Mitarbeiter Freunde, und die Firma nimmt sich ihrer liebevoll an, wie sie sich auch ihrer Kunden annimmt. Um die Welt zu verbessern, versteht sich.

"The Circle" bietet Stoff für eine Satire

Die dystopischen Projektionen von Dave Eggers' Roman "The Circle" und dessen Verfilmung in James Ponsoldts Regie gehen nicht weit über den heutigen Stand der Dinge hinaus. Sie denken lediglich die technischen Möglichkeiten einen Dreh weiter und stellen sie sich in der Hand eines populären und gänzlich hemmungslosen Monopolisten vor.

Das ist wunderbarer Stoff für eine Satire, und einzelne Szenen des Films treffen die entsprechende Tonlage. Beispielsweise wenn Mae - sie hat den Job erhalten - von zwei Kollegen mit gnadenloser Freundlichkeit angehalten wird, in den Firmennetzwerken doch endlich auch Privates mitzuteilen. Das sei absolut wichtig für die Gemeinschaft - und selbstverständlich vollkommen freiwillig. Hinter dem warmherzigen "Sharing is Caring" scheint da bereits der totalitäre Slogan "Secrets are Lies" auf.

Verfilmung ist weder Fisch noch Fleisch

Obwohl "The Circle" anfangs glaubwürdig die Verführungskraft des Circle und seiner Ideologie vermittelt, wird schnell fraglich, ob Ponsoldt mehr die Gesellschaftssatire oder die Science-Fiction-Elemente des Romans herausarbeiten wollte. Oder ging es ihm um einen Thriller? Um das Psychodrama einer beeinflussbaren jungen Frau in den Fängen einer Hightech-Sekte? "The Circle" ist all das und dabei weder Fisch noch Fleisch.

Ponsoldt, der mit Filmen wie "The Spectacular Now" eine Hand für anrührend lebensnahes Erzählen bewiesen hat, scheint für diesen Stoff keinen Fokus gefunden zu haben. Das offensichtliche Bestreben, möglichst viele Aspekte des Romans im Film unterzubringen, macht diesen noch plakativer und vorhersehbarer. Und die Warnung vor der schönen neuen Welt des Informationstotalitarismus trägt der Film so behäbig vor sich her, dass kaum Spannung aufkommt. Auch formal entwickelt "The Circle" trotz Visualisierung von Chats und Kommentaren in Bildüberlagerungen nur wenig Dynamik.

Tom Hanks als Firmenchef in Steve-Jobs-Manier

Die Besetzung des charismatischen Circle-Chefs Bailey mit Publikumsliebling Tom Hanks ist zwar im Ansatz keine schlechte Idee, auch seine Auftritte vor dem Mitarbeiterplenum entbehren nicht der Schärfe - ganz in Steve-Jobs-Manier, als Prophet und Messias in Personalunion, aber immer sympathisch lässig, mit Kaffeebecher in der Hand und Selbstironie auf den Lippen.

Doch das Böse hinter der Fassade steht von Anfang an außer Frage, und wenn er sein Projekt "SeeChange" verkündet, mit diskreten Minikameras für die ganze Welt und dem Motto "Etwas zu wissen ist gut, alles zu wissen ist besser", dann kann man sich den Jubel der Circler tatsächlich nur mit der Verblendung von Sektenmitgliedern erklären.

Emma Watson kann überzeugen

Wie Hanks sind die meisten Schauspieler schlicht unterfordert von ihren eindimensionalen Rollen. Am ehesten kann noch Emma Watson ein paar auch widersprüchliche Facetten zwischen Begeisterung, Betäubung und Zweifeln zeigen. Doch Ellar Coltrane ("Boyhood") ist als Maes Exfreund und analoger Bedenkenträger Mercer schlicht uninteressant, John Boyega ("Star Wars") als geheimnisvoller Circle-Insider völlig geheimnislos.

So lässt sich nur erahnen, was "The Circle" hätte werden sollen: eine abgründige Fabel über die Leichtfertigkeit, mit der wir Stück für Stück Freiheit und Selbstbestimmung aufgeben.

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