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"Kramp-Karrenbauer geht volles Risiko"

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Neue Verteidigungsministerin - "Kramp-Karrenbauer geht volles Risiko"

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Für viele Beobachter kam die Entscheidung überraschend: Annegret Kramp-Karrenbauer wird neue Verteidigungsministerin. "Damit geht sie volles Risiko", erklärt ZDF-Studioleiter Koll.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer soll nach der Wahl von Ursula von der Leyen (CDU) zur neuen EU-Kommissionspräsidentin deren Nachfolgerin als Bundesverteidigungsministerin werden. Diese Entscheidung hatte die CDU am Dienstagabend nach der Bestätigung von der Leyens durch das Europaparlament bekanntgegeben. Sie gilt als große Überraschung. CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer hatte noch vor zwei Wochen den Posten des Verteidigungsministerium per Interview abgelehnt und auf ihre Arbeit als Parteivorsitzende verwiesen.

"Das haben alle als Absage an ein Ministerium gewertet, aber so ganz eindeutig ist es nicht", sagt Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios. Kramp-Karrenbauer wolle raus aus der Defensive in der CDU. Da sei vieles schiefgelaufen. "Das ist eine Art Vorwärtsverteidigung", so Koll. Kramp-Karrenbauer wolle jetzt mit diesem Ministerium die große Bühne haben. Als Verteidigungsministerin wird sie Reden im Bundestag halten und in der Außenpolitik agieren. "Das heißt: Sie hat viel mehr Fläche, um sich zu präsentieren", sagt der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios.

Volles Risiko

Das Verteidigungsministerium zählt allerdings zu den heikelsten Posten der Bundesregierung. Seit Gründung des Ministeriums 1955 gab es 17 Ressortchefs, die durchschnittliche Amtszeit betrug nur etwas mehr als dreieinhalb Jahre. Ein Sprungbrett für die weitere Karriere war das Ministerium in den meisten Fällen nicht. "Ich glaube, sie geht jetzt volles Risiko – wahrscheinlich auch mit Blick auf die Situation in der CDU, dass es nicht gut gelaufen ist", so Koll. "Ihre Umfragewerte sind wirklich schlecht."

Wenn man davon ausginge, sie wolle Kanzlerin werden, dann sei dieser Schritt nun ein Risiko, so Koll. "Das Verteidigungsministerium ist - wenn man ehrlich ist - ein Schleudersitz." Dort gebe es viele, viele Probleme, die auf einen zukommen können.

Als Kandidat wurde zuvor auch Gesundheitsminister Jens Spahn gehandelt. Theo Koll sagt, es könne zumindest ein Nebeneffekt sein, dass Kramp-Karrenbauer Spahn zuvorkommen wollte. "Aber im Wesentlichen geht es um sie." Koll schildert eine Situation, die sich in der gestrigen Präsidiumssitzung der CDU zugetragen haben soll: Die Kanzlerin habe Jens Spahn sehr gelobt, aber auf eine Art, als ob sie ihm zu verstehen geben wollte: Halt mal die Füße still. Nicht, dass du jetzt auch noch in höhere Ämter willst.

CDU-Vorsitzende muss sich der Kanzlerin unterordnen

Als Verteidigungsministerin ist die CDU-Vorsitzende nun Teil von Kanzlerin Merkels Kabinett. Kramp-Karrenbauer ist damit Ministerin unter Angela Merkel. "Die beiden verstehen sich noch immer gut, insofern könnte es gar nicht so problematisch werden", sagt Koll. Kramp-Karrenbauer nehme morgens ohnehin bereits schon an kleineren Runden mit der Kanzlerin teil. "Das hat so ein bisschen was von einer Lehrzeit: Wie wird man Kanzlerin", analysiert der Chef des ZDF-Hauptstadtstudios.

Gleichwohl sei die Situation schwierig. Es werde für Kramp-Karrenbauer im neuen Amt auch schwierig, die CDU eigenständiger zu positionieren. Im Grunde müsse sie sehen, wie die CDU in einer Zeit nach Angela Merkel aussehen könnte. Damit einhergehend muss sie sich vom Kurs der Kanzlerin absetzen, gleichzeitig ist sie aber auch unter der Kanzlerin im Kabinett.

Die künftige Verteidigungsministerin wird bereits nächste Woche vereidigt. Der Bundestag kommt dazu am Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammen, teilte ein Sprecher der Bundestagsverwaltung mit.

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