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Theresa May auf dem Parteitag - Kein Husten, keine Pannen: Die Rede lief glatt

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Brexit hin, Boris Johnson her: Auf dem Parteitag der Tories hat sich Theresa May so gut geschlagen, wie man es von einer steifen älteren Dame erwarten kann.

Tänzelnd zu Abbas "Dancing Queen" kam sie auf die Bühne: Die britische Premierministerin Theresa May hat sich bei ihrer Rede am Parteitag der Konservativen selbstbewusst gezeigt.

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Erst spielen sie "Let's stick together" (Bryan Ferry) im Saal. Es klingt wie eine flehentliche Bitte. Zusammenhalten unter Konservativen in Großbritannien, das wäre mal was. In den vergangenen vier Tagen galt einmal mehr: drei Konservative, vier Meinungen zum Brexit. Von einem zweiten Referendum über das Abblasen des Brexit, den weichen Chequers Plan von Theresa May, zu einem harten Schnitt und einem simplen Freihandelsdeal mit der EU bis zu gar keinem Deal - alles wurde auf dem Parteitag diskutiert als müsste der Deal nicht in den nächsten zwei Wochen finalisiert werden.

Heute war Theresa Mays großer Tag, ängstlich erwartet. Letztes Jahr konnte sie die Rede kaum halten, so sehr rang sie zwischen Hustenanfällen um Luft. Am Schluss fielen die Buchstaben des Mottos von der Wand hinter ihr, es war ein Fiasko. Schlimmer konnte es also nicht werden - und gemessen am letzten Jahr war es ein überragender Erfolg.

Selbstironisch mit "Dancing Queen"

Sie tanzte in den Saal. Zu "Dancing Queen" von Abba. Die Delegierten konnten es nicht fassen. Als sie kürzlich in Kenia war, hatte sie dort aus Höflichkeit mitgetanzt und zuhause nichts als Spott geerntet für ihre steifen Bewegungen. Selbstironie funktioniert in Großbritannien immer. Weiter ging es mit Witzen über Hustenbonbons und dass sie persönlich die Buchstaben Opportunity auf der Bühne festgeklebt habe.

Und dann wurde es ernst. Eine Stunde lang sprach sie. Positiv über die Werte der Konservativen, die glorreiche Geschichte, den Gesundheitsdienst, die Offenheit der Partei im Umgang mit Minderheiten. Negativ über die Opposition, die sie "Jeremy-Corbyn-Partei" nannte. Was mit Labour geschehe, sei eine "Katastrophe".

Und dann, nach über einer halben Stunde, geht sie zum Brexit über. "Was wir vorschlagen, ist eine Herausforderung für die EU, aber wenn wir zusammenhalten und die Nerven bewahren, dann weiß ich, dass wir einen Deal bekommen, der gut für Großbritannien ist."

Der schlaue Kniff

Der Kniff der Premierministerin war schlau. Nicht einmal hat sie das Wort "Chequers" fallen lassen, ihr ungeliebter Plan, im Juli auf dem Landsitz Chequers geschmiedet, sieht vor, dass Großbritannien im EU-Binnenmarkt für Waren verbleibt, so kann eine harte Grenze zwischen Nordirland und Irland vermieden werden.

Dass die EU letzten Monat in Salzburg diese Aufspaltung des Binnenmarktes abgelehnt hat, hat Mays Leben in den letzten zwei Wochen noch einmal schwerer gemacht. Die EU-Freunde haben neue Hoffnung geschöpft, das Land könnte auf Druck der EU doch noch in der Zollunion bleiben, ihnen ist die Trennung von der EU zu harsch. Die EU-Feinde finden, dass Chequers mit Brexit nichts zu tun hat, weil der Schnitt nicht klar genug, die Veränderung nicht groß genug sei.

Sie fänden es sogar besser, Großbritannien verließe die EU ganz ohne Deal. Auch wenn sozusagen jede einzelne Automobilhersteller in den letzten Tagen einmal mehr vor den katastrophalen ökonomischen Konsequenzen gewarnt hat, die das bedeuten würde.

So gut, wie man es erwarten konnte

Und doch, nach der Aufregung, die Boris Johnson mit seinem Auftritt am Dienstag verursacht hatte - Hunderte leidenschaftlicher Boris-Groupies hatten zu seiner Aufforderung "Weg mit Chequers" gejubelt - , hat sie es heute so gut gemacht, wie man es von einer steifen älteren Dame erwarten kann. Die besten Tage Großbritanniens lägen noch vor dem Land, hat sie gesagt und versprochen, dass die Sparpolitik nach dem Brexit ein Ende haben wird. Beides sehr gewagte Aussagen.

Doch die Rede lief glatt, kein Husten, keine Pannen. Sie konnte sich staatsmännisch geben und an die nationale Verantwortung appellieren. Ihre Rede hat nicht um Einheit gebeten, sondern sie vorausgesetzt. Ihre Unterstützung erwächst nicht aus Begeisterung für ihren Plan oder ihre Person. Angst hält die Partei zusammen. Angst vor einem No-Deal-Brexit, der das Land in wirtschaftliches Chaos zu stürzen droht und Angst vor einer Labour-Regierung.

Aus Angst haben sie Theresa May noch nicht gestürzt, und jetzt ist es eindeutig zu spät dafür. Zu spät ist es auch, die Brexit-Strategie zu ändern. Und so geht es auf die Zielgeraden. Die Premierministerin ist leicht gestärkt, doch die richtige Herausforderung wartet noch auf sie. Sollte es ihr gelingen, einen Deal mit Brüssel nach Hause zu bringen, so sind nach der heutigen Rede ihre Chancen gestiegen, dass sie diesen auch durch das Parlament bekommt.

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