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Die Queen, D-Day, Demos und viel Fremdschämen

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Bilanz: Trump in Großbritannien - Die Queen, D-Day, Demos und viel Fremdschämen

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Der US-Präsident auf Staatsbesuch: Das war Royal Pomp, Protest, D-Day-Gedenken, und viel Flegel-Alarm. Fazit: Nichts Neues - aber schöne Bilder für den heimischen US-Wahlkampf.

Donald Trump und Queen Elizabeth II. am 03.06.2019 in London
Perfekte Gastgeberin: Queen Elizabeth II. und Donald Trump
Quelle: reuters

Es war einmal vor langer Zeit - so hätte Theresa May sagen können. Die britische Premierministerin zeigte Donald Trump am Dienstag das Papier, das einst den Bruch Amerikas mit England besiegelte. Die Unabhängigkeitserklärung in Kopie. Doch bei diesem dreitägigen Staatsbesuch schien es so, als wollten alle nun das Gegenteil. Ein Bündnis so eng, dass nicht mal das Blatt in der Vitrine noch dazwischen passt.

Royaler Glamour für den US-Präsidenten

Mit Blick auf die Zukunft bin ich zuversichtlich, dass unsere gemeinsamen Werte und Interessen uns weiter vereinen werden.
Queen Elizabeth II.

Genau so hatte sich der US-Präsident das vorgestellt. Sein persönliches Highlight vermutlich das Staatsbankett am Montagabend. Royaler Glamour, der das Bild eines US-Präsidenten in die Heimat liefert, der in der Welt hofiert wird. Auch deshalb vermied er in diesen Tagen - trotz kleiner Provokationen - den wirklichen Eklat.

Stattdessen Freundschaftsbekenntnisse aller Orte. "Mit Blick auf die Zukunft," so die Queen bei ihrem Toast am Montagabend, "bin ich zuversichtlich, dass unsere gemeinsamen Werte und Interessen uns weiter vereinen werden." Trump erinnerte im Gegenzug an die gemeinsamen Opfer im zweiten Weltkrieg und rief aus: "Auf die ewige Freundschaft unserer Völker und die Lebenskraft unserer Nationen."

In echter Würde größer

Dabei könnte man so viel spannende Symbolik in den Bildern dieser Tage lesen: Der etwas seltsame Hand- oder, ja, Faustschlag zur Begrüßung mit der Queen. Oder die Lehrstunde, wie diese kleine Frau mit echter Würde doch größer schien als Herr und Frau Trump an ihrer Seite. Ob es wohl Zufall war, dass Elizabeth II. dem Gast aus Amerika in ihrer Sammlung den größten US-Präsidenten aller Zeiten zeigte - ein Porträt von George Washington? Und dass sie Trump an die bescheidenen, schottischen Wurzeln seiner Mutter erinnerte, mit der Urkunde und Schottenkaro des Clan McCleod? Nur die Kutschfahrt durch die Stadt verweigerte ihm die Königin.

Symbolik auch in Westminster Abbey, da, wo Demut nicht nur bei der Kranzniederlegung entstand, sondern Trump auch sonst ein Stückchen kleiner schien angesichts der Aufreihung historischer Persönlichkeiten, die wahre Größe einst erlangten. Der Ort, an dem Könige gekrönt werden, soll dem Präsidenten sehr gefallen haben.

Politische Gespräche waren Nebensache

Wie wohl auch die politischen Gespräche in seltsamer Harmonieseligkeit verliefen. Der Streit um Iran, der Einfluss Chinas - alles Nebensache. Stattdessen wollen Premierministerin May und der US-Präsident eine Art Supervertrag, viel schöner und größer als Großbritanniens bisherige Mitgliedschaft in der EU. "Ein phänomenaler Handelsdeal", so Trump vollmundig, "mit herausragendem Potential. Zwei oder dreimal so umfangreich wie der bisherige Handel."

Das heftige Nicken von Theresa May, ein Augenblick zum Fremdschämen oder doch der Mahnung, welche Folgen der Brexit für die EU haben könnte? "Sobald wir raus sind", so die Britin, "können wir das machen - nicht nur ein Freihandelsabkommen, sondern eine breite Wirtschaftspartnerschaft für die Zukunft."

Lieblingsnachfolger gesucht

Aber in dieser Zukunft ist Theresa May ja nicht mehr da, und Trump will doch unbedingt einen harten Brexit, also sucht er schon mal nach möglichen Lieblingsnachfolgern. Ein Telefonat mit Boris Johnson. Und dann noch dieses Auto an der Zufahrt zur US-Botschaft. Drinnen Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Brexit Partei. Trump empfing ihn, ebenso wie Jeremy Hunt und Michael Gove, die auch Pemierminister werden wollen. Es hatte was von Castingshow.

Ein Handelsdeal könnte sehr gefährlich für uns sein. Trump ist ein Rumschubser, der die Bedingungen diktiert. Deshalb sind wir hier, wir mögen ihn nicht.
Graham Watson, Anti-Trump-Demonstrant

Am Trafalgar Square stieß besonders die Love-Affair mit Nigel Farage, die politische natürlich, auf große Wut bei den Demonstranten, weil Farage und Trump hier als Rassisten gelten, Spalter, die dem Königreich schaden. Gemessen daran waren die Proteste sehr überschaubar. Tausende, die allerdings nichts davon halten, dass Großritannien aus der EU austritt, um sich dann in Amerikas Arme zu werfen. "Ein Handelsdeal", meint Graham Watson, "könnte sehr gefährlich für uns sein. Trump ist ein Rumschubser, der die Bedingungen diktiert. Deshalb sind wir hier, wir mögen ihn nicht."

Ich hab‘ keine Demonstranten gesehen," so Trump bei seiner Pressekonferenz, "nur so'n kleines Grüppchen, das jemand aus politischen Gründen dahingestellt hat.
Donald Trump zu den Anti-Trump-Protesten

Von all dem will der Staatsgast selbst überhaupt nichts mitbekommen haben. Also gab’s das auch gar nicht. "Ich hab‘ keine Demonstranten gesehen," so Trump bei seiner Pressekonferenz, "nur so'n kleines Grüppchen, das jemand aus politischen Gründen dahingestellt hat. Also Fake News." Ein wenig mehr Demut wäre schön gewesen, auch angeichts des historischen Anlasses an diesem Mittwoch in Portsmouth.

Vor 75 Jahren waren Briten, Amerikaner und Verbündete von der Südküste des Königreiches aufgebrochen, um Europa zu befreien und zu einen, nicht um es heute wieder aufzuspalten. So sehen es auch viele Veteranen. Und so ist die Bilanz dieses Staatsbesuchs in erster Linie nur für einen ausschließlich positiv - vollmundige Versprechen, all der königliche Pomp und dann noch das würdevolle Kriegsgedenken. Das sind Bilder, die Donald Trump wohl helfen werden im Wahlkampf in den USA.

Elmar Theveßen ist Leiter des ZDF-Studios in Washington.

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