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Thomas-Cook-Insolvenz - Pleite mit dramatischen Folgen

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Die Thomas-Cook-Pleite trifft vor allem Reisende und die Mitarbeiter des britischen Reisekonzerns. Doch die Insolvenz hat darüber hinaus Auswirkungen auf die Urlaubsregionen.

Der Reisekonzern Thomas Cook ist pleite. Davon betroffen sind viele Menschen: Urlauber, die Reisen gebucht haben; Reisende, die am Urlaubsort auf ihre Rückkehr warten, und Mitarbeiter der Konzerntöchter. Die Pleite könnte sich aber auch spürbar auf viele Urlaubsregionen auswirken.

Auswirkungen auf die Kunden

Von der Insolvenz des Touristikkonzerns sind zunächst natürlich die Reisenden betroffen. Rund 600.000 Menschen stecken mitten im Urlaub, gebucht über Thomas Cook oder eine der Tochtergesellschaften. Unter diesen Touristen befinden sich auch rund 140.000 Deutsche.
Davon abgesehen müssen auch viele mit Konsequenzen rechnen, die noch nicht verreist sind, aber bei Thomas Cook bereits gebucht haben: In Deutschland zählen etwa 340.000 Menschen zu den Kunden der Pleitegesellschaft. Weltweit dürfte die Zahl bei über einer Million liegen, denn zuletzt hatte Thomas Cook noch 19 Millionen Kunden im Jahr - das sind im Schnitt gut 1,5 Millionen Kunden pro Monat.

Ungewisse Zukunft für Tausende Mitarbeiter

Etwa 21.000 Arbeitnehmer weltweit sind von der Pleite betroffen, in Deutschland sind es rund 3.000. Allerdings kommen auch noch Mitarbeiter von Condor hinzu, die Fluggesellschaft beschäftigt noch einmal rund 4.000 Menschen. Während für Condor noch versucht wird, eine Lösung zu finden, befürchten Beobachter der Branche in Zukunft noch mehr Schwierigkeiten.

"Nach unseren Beobachtungen steht die Branche unter Druck, denn der Trend geht immer mehr zu Individualreisen", sagte der Vorsitzende des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands, Christoph Niering. Zudem könnte die Pleite bewirken, dass Kunden sich auch bei anderen Veranstaltern mit Pauschalreisen zurückhalten – weil sie die Insolvenz von Thomas Cook verunsichert.

Unruhe in Urlaubsregionen

In vielen Urlaubsregionen sind Hoteliers und Tourismusorganisationen beunruhigt. Rund 50.000 Urlauber stecken in Griechenland fest, allein auf der Insel Kreta hatten 22.000 Kunden über Thomas Cook gebucht. Dort erwartet man ein Beben im Tourismussektor. "Das ist ein Erdbeben der Stärke sieben, und der Tsunami kommt erst noch", sagte etwa der Präsident des kretischen Tourismusverbands, Michalis Vlatakis, gegenüber griechischen Medien.

So hätten auf Kreta rund 70 Prozent aller Tourismusunternehmen Verträge mit Thomas Cook. Über Kreta hinaus ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Griechenlands überhaupt. Direkt oder indirekt trägt die Branche knapp ein Viertel zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.

Auch in Zypern betrachtet man die Pleite als schweren Schlag für den Tourismus. Denn jährlich flogen über den Reiseriesen laut Staatsrundfunk RIK rund 250.000 Besucher auf die Mittelmeerinsel.

In der Türkei will die Regierung umgehend Hilfsmaßnahmen einleiten: Das türkische Kultur- und Tourismusministerium hat als Reaktion auf die Insolvenz von Thomas Cook angekündigt, mit dem Finanzministerium "so bald wie möglich" ein Kreditprogramm für betroffene Firmen aufzulegen. Denn ein Problem für die Hotellerie in den Reiseregionen ist, dass im Zuge der Insolvenz auch die Zahlungen für bereits gebuchte Zimmer und Kontingente auf Eis gelegt sind.

Condor-Zukunft noch offen

Condor nimmt eine Sonderstellung innerhalb des Thomas-Cook-Konzerns ein. Die Fluggesellschaft sucht noch nach einer Lösung und hat die Bundesregierung um einen Überbrückungskredit gebeten. Der Vorteil von Condor: Die Fluglinie befördert auch Gäste von Reiseveranstaltern außerhalb von Thomas Cook. Auch können Kunden direkt Flüge bei der Fluglinie buchen - dieses Geschäft ist nicht direkt betroffen.

Allerdings schätzen Experten, dass rund ein Drittel bis zur Hälfte des Geschäftes von Condor auf den Mutterkonzern Thomas Cook und seine Reiseveranstalter zurückgeht. Zudem werden zumindest die kommenden Wochen schwierig. Denn Kunden werden wohl in diesen Tagen einen großen Bogen um die Fluglinie machen, weil deren Zukunft eben nicht sicher ist.

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