Sie sind hier:

Ärger mit der Energiewende - Thüringer wollen keine Südlink-Trasse

Datum:

Damit die Energiewende gelingt und Ökostrom vom Norden in den Süden fließen kann, braucht es Trassen - auch durch Thüringen. Der Protest vor Ort ist aber groß.

Beim Bund-Länder-Gipfel soll über die Beschleunigung des Netzausbaus diskutiert werden. Vertreter der Länder und Betroffene wehren sich jedoch gegen die Trassen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

"Wir brauchen die Trasse heut' nicht und morgen nicht, nein. Aus unserem Häuflein wird Masse, bis selbst die Steine dann schreien." Das ist der Refrain ihres Protestsongs, den die "Thüringer gegen den SüdLink" immer dann aufführen, wenn sie wie diesmal in Fambach wieder öffentlich gegen die Trasse unterwegs sind.

Und das tun sie oft und laut, denn sie befürchten durch die 30 Meter breite Erdkabel-Trasse einen erheblichen Einschnitt in die Natur. "Hier wird im Prinzip Umwelt zerstört, was nicht sein muss, um angeblich Umwelt zu schonen. Das geht hinten und vorne nicht auf", meint Protestsänger Heiko Ißleib.

700 Kilometer lange Trasse geplant

Heiko Ißleib
Heiko Ißleib Quelle: ZDF

Die insgesamt 700 Kilometer lange Trasse soll grünen Windstrom aus dem Norden zu Stromabnehmern im Süden bringen. Bei Netzbetreibern und Bundesregierung gilt sie als wichtiges Element für das Gelingen der Energiewende. Das milliardenteure Projekt wird von den Unternehmen Tennet und TransnetBW geplant, die zwei mögliche Korridore, also grobe Verläufe geplant haben. Beide führen durch Thüringen, einer sogar auf weiten Strecken. Seitdem formiert sich hier der Widerstand.

Viele der Widersacher glauben, dass die Trasse für die Energiewende schlicht überflüssig sei. Trassengegner Jürgen Schröder meint: "Wir brauchen keine so teure Trasse. Und das Geld, was in die Trasse gesteckt wird, das kann genauso gut in zukunftsträchtigere, andere Stromerzeugungsprojekte gesteckt werden." Man wolle nicht die Energiewende verhindern, sagt auch Birgit Amonn von der Bürgerinitiative. Sie wünscht sich aber eine andere Art von Energiewende: "Wir müssen endlich in die dezentrale Versorgung hineingehen, also Projekte in der Region für die Region. Und dann kann man im Prinzip mit dem Bürger im Dialog Energielösungen entwickeln."

Thüringer Landesregierung favorisiert Leitung durch Hessen

Auch die Thüringer Landesregierung unterstützt den Protest  gegen die bisherigen Südlink-Planungen. Das Bundesland reichte einen eigenen Korridor-Vorschlag ein - kürzer, geradliniger, wie vom Gesetz gefordert - und durch Hessen. Die Bundesnetzagentur, die letztlich über alle Verläufe entscheidet, hat diesen Vorschlag Anfang des Jahres abgelehnt. Die Begründung von Behördenchef Jochen Homann: "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass auf der Strecke sehr viele Konfliktstellen liegen. Deshalb kommt dieser Thüringer Vorschlag für uns nicht in Frage."

Die Thüringer Landesregierung will das nicht auf sich sitzen lassen und plant jetzt rechtliche Schritte gegen den Trassenverlauf. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne): "Eigentlich müssten ja die Prämissen Bündelung oder Geradlinigkeit genauso berücksichtigt werden wie bei anderen Ausbauprojekten auch. Wir werden an dieser Stelle gerichtlich klären lassen, inwiefern hier auch nochmal nachgebessert werden muss seitens der Bundesnetzagentur."

Ökologischer Nachteil: Zentrale Lage

Was die Thüringer besonders ärgert: Immer wieder ist ihr Bundesland in der Mitte Deutschlands Schauplatz von Infrastrukturgroßprojekten. Teils gewünscht, aber immer mit Einschnitten in Natur und Landschaft verbunden. Seit der Wende wurden Dutzende Brücken und Tunnel für die Autobahn quer durch den Thüringer Wald gebaut, dann die neue ICE-Strecke, zuletzt die Thüringer Strombrücke, eine 380-Kilovolt-Trasse. Derzeit ist auch noch der Südostlink in Planung, noch eine Stromleitung. Jetzt auch noch der Südlink - das sei einfach zu viel, findet auch Kathleen Franke.

Ihr Milchviehbetrieb bewirtschaftet 125 Hektar Acker in der Rhön nahe der bayerischen Grenze. Die Stromtrasse Südlink könnte dann auch durch das Land des kleinen Familienbetriebes im Örtchen Schafhausen führen. "Meine Betriebsfläche ist zu 60 Prozent von diesem Kilometer breiten Streifen betroffen. Das heißt, wenn dieses Kabel hier verlegt wird, auf diesen doch mageren Standorten, dann kann es dazu kommen, dass sich mein Betrieb nicht mehr rechnet", sagt die 39-jährige Landwirtin.

Sorge um Wasserführung auf dem Acker

Erdkabel statt riesiger Stromtrassen
Die geplanten Stromautobahnen von Nord nach Süd werden wohl erst 2025 fertig, drei Jahre später als bisher geplant. Grund ist vor allem die geplante Verlegung der Leitungen unter der Erde. Quelle: ZDF

Die Erdkabeltrasse soll circa 1,80 Meter unter der Oberfläche verbuddelt werden. Bäuerin Kathleen Franke fürchtet, dass ihr kostbarer Ackerboden darüber dann weniger Ertrag bringt. "Wir befürchten, dass es dauerhaft zu Trockenschäden kommt, dass man diesen Streifen, wo das Kabel verlegt ist, dass man den permanent sieht, weil ganz einfach die Wasserführung im Boden gestört ist." Und was die Strahlung eines so gigantischen Stromkabels mit den Bodenlebewesen mache, sei ja auch noch nicht gemessen oder erwiesen.

Auch beim Bauernverband in Thüringen sieht man dieses Risiko und fordert für betroffene Landwirte wenigstens eine angemessene Entschädigung. Derzeit sollen die Bauern nur mit Einmalzahlungen abgefunden werden, der Verband  will eine "dauerhafte (jährliche) Entschädigung".

Ob der Südlink so kommt wie geplant, entscheidet die Bundesnetzagentur. 2019 soll das Ergebnis vorliegen. Aber Thüringen will vorsorglich Hindernisse aufbauen. Das sogenannte Grüne Band, die ehemalige innerdeutsche Grenze, soll im Freistaat per Gesetz als Naturmonument geschützt werden. Erdkabel-Verlegungen über die Landesgrenze wären damit deutlich erschwert.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.