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6.000 Jobs in Gefahr - Thyssenkrupp zieht die Notbremse

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Thyssenkrupp hat die geplante Fusion der Stahlsparte abgeblasen und will seine Aufzugssparte an die Börse bringen. Im Zuge der neuen Strategie sollen 6.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Das geplante Joint Venture der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem europäischen Ableger von Tata Steel ist abgeblasen. Als Grund für die Absage der Stahlfusion nennt der Konzern die Bedenken der EU-Kommission. "Nach einem Gespräch mit der Wettbewerbskommission gehen Thyssenkrupp und Tata Steel davon aus, dass das geplante Joint Venture ihrer europäischen Stahlaktivitäten nicht zustande kommen wird", teilte der Konzern mit.

Zu viele Zugeständnisse für Fusion

Im Zuge der Fusionspläne musste der Konzern bereits Zugeständnisse wegen Bedenken der EU-Wettbewerbshüter machen. Weitere Zusagen würden die mit der Fusion beabsichtigten Synergien und Einsparungen schmälern, sodass dies die wirtschaftliche Logik des Zusammenschlusses ausgehebelt hätte.

Ziel der Fusion waren jährliche Einsparungen von 400 bis 500 Millionen Euro. Mit dem Zusammenschluss, an dem Thyssenkrupp die Hälfte gehalten hätte, wollte man sich vom konjunkturell stark schwankenden Strahlgeschäft unabhängig machen.

Aufzugsparte soll an die Börse kommen

Thyssenkrupp will 6.000 Stellen streichen.
Thyssenkrupp will insgesamt 6.000 Stellen streichen.
Quelle: Oliver Berg/dpa

Zudem sei nun auch die geplante Konzernaufspaltung nicht mehr möglich, weil die Konjunktur sich eingetrübt habe und die Geschäfte deswegen schlechter laufen. Auch das aktuelle Kapitalmarktumfeld führe dazu, dass die Teilung nun nicht mehr erfolgen soll. Geplant war, dass nach der Fusion des Stahlgeschäftes dieser Teil unter dem Dach eines Werkstoffkonzerns mit dem Bereich Marineschiffbau firmieren sollte. Im zweiten Unternehmen sollten die Industriesparten Thyssenkrupps gebündelt werden - also etwa die Zulieferungen für die Automobilindustrie und das Geschäft mit Aufzügen.

Stattdessen wird der Vorstand dem Aufsichtsrat nun vorschlagen, die Aufzugsparte an die Börse zu bringen. Zwar gehen die meisten Beobachter davon aus, dass die Einnahmen durch einen Börsengang des lukrativen Aufzuggeschäfts dabei helfen könnten, die finanzielle Situation von Thyssenkrupp zu verbessern. Allerdings sind die Voraussetzungen dafür nicht mehr die besten - eben weil der konjunkturelle Gegenwind zugenommen hat und die Unsicherheit an den Kapitalmärkten gestiegen ist. "Dieser Schritt kommt spät und unter dem Druck der sich zunehmend eintrübenden Konjunktur“, sagt Branchenanalyst Michael Ott von der Commerzbank. "Der Preis für das Aufzugsgeschäft wird darunter leiden, ein Börsengang erschwert“.

Seit Jahren im Krisenmodus

Insgesamt sollen durch die neuen Pläne die verschiedenen Bereiche des Konzerns flexibler agieren können. "Das wäre in jedem Fall eine Verbesserung, weil sie sich dann schneller den Marktgegebenheiten anpassen können“, sagt David Varga, Branchenexperte beim privaten Bankhaus Metzler.

Guido Kerkhoff
Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat nun die Notbremse gezogen. Archivbild.
Quelle: imago

Dass Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff nun die Notbremse ziehen muss, ist ein herber Rückschlag. Denn das Stahl-Joint-Venture und die Teilung des Konzerns waren seine wichtigsten Projekte, nachdem er vor rund einem Jahr das Ruder bei Thyssenkrupp übernommen hat.

Seit Jahren operiert Thyssenkrupp im Krisenmodus. Bei der Frage nach der richtigen Strategie spielen verschiedene und teils mächtige Interessengruppen eine Rolle. Der Finanzinvestor Cevian zum Beispiel, der einen Anteil von rund 18 Prozent an Thyssenkrupp hält, die Krupp-Stiftung mit 20 Prozent aber auch die Arbeitnehmervertreter spielen wichtige Rollen - und ziehen nicht immer am gleichen Strang.

Arbeitnehmer fordern Zukunftsplan

Das Lavieren um die künftige Strategie jedenfalls hat den Börsenkurs von Thyssenkrupp in den Keller rauschen lassen. In dieser Woche sank der Kurs der Aktien auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren. Anleger reagierten nun offenbar erleichtert: In den drei Stunden nach Bekanntgabe der neuen Pläne stiegen die Aktien kontinuierlich - um zeitweise über 20 Prozent. "Die Frage der langfristigen Ausrichtung dieses Unternehmens dauert nun schon sehr lange“, meint David Varga. "Das schafft Unsicherheit - beim Unternehmen selbst, aber auch bei Investoren. Deswegen ist es wichtig, dass der Konzern mit diesem Schritt versucht, ein Stück weit mehr Klarheit zu schaffen“.

Thyssenkrupp will 6.000 Arbeitsplätze abbauen

Das alles ist eine unsägliche Belastung für die Beschäftigten.
Markus Grolms, Vizechef des Aufsichtsrats und IG Metall-Sekretär

Der Plan, die Stahlsparte mit Tata Steel zu vermählen, hatte bereits Kerkhoffs Vorgänger, Heinrich Hiesinger, angestoßen und geplant. Mit der Absage sind nun auch die Bemühungen der vergangenen drei Jahre umsonst gewesen. Nach der Ankündigung forderten die Arbeitnehmervertreter des Konzerns daher mehr Informationen über die Zukunftsstrategie ihres Konzernchefs. "Das alles ist eine unsägliche Belastung für die Beschäftigten", sagte der Vizechef des Aufsichtsrats und IG Metall-Sekretär Markus Grolms. "Das muss jetzt aufhören. Der Vorstand muss sagen, wie es ist und Vorschläge machen, wie es besser werden soll."

Einer der Vorschläge wird Gewerkschaften und Betriebsrat alarmieren: In einer Telefonkonferenz hat Konzernchef Guido Kerkhoff angekündigt, dass er im Zuge der Neuausrichtung des Konzerns 6.000 Stellen abbauen will. Es stehen also noch weiter unruhige Zeiten bevor bei der einstigen Industrie-Ikone. Das zeigt auch quasi ein Nebensatz der Mitteilung der Fusionsabsage: In diesem Jahr rechnet der Konzern nicht mehr mit einem Gewinn, sondern einem Verlust in seiner Bilanz. Wie hoch der ausfallen könnte, will der Konzern am 14. Mai mit der Präsentation seiner Halbjahresbilanz beziffern.

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