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Tiefsee-Roboter "Tramper" - Rückkehr aus der arktischen Tiefsee

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Er ist wieder da und fast wohlauf: Nach einem Jahr am Boden der arktischen Tiefsee ist der Mini-Roboter "Tramper" wieder aufgetaucht. Unter extremen Bedingungen hat er neue Technologien getestet. Nebenbei hoffen die Forscher nun auf Erkenntnisse über den Wandel des Ökosystems der Tiefsee.

Es ist eine Expedition unter Extrembedingungen. Neuartige Tauchroboter suchen in der eisigen Tiefsee nach lange vermuteten vulkanischen Quellen. Diese wurden bisher nur in wärmeren Gebieten gefunden.

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28 min
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Erleichterung an Bord der "Polarstern". Das Forschungsschiff des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) war Anfang letzter Woche vom norwegischen Tromsø aus gestartet, um einen ihrer verwegensten Forscher einzusammeln: den eineinhalb Meter langen Roboter "Tramper". Mehr als ein Jahr lang hatte er in 2.435 Metern Tiefe seinen Dienst verrichtet - bei Dunkelheit und etwa minus einem Grad Kälte. Jetzt ist er wieder da. Ganz selbstverständlich ist das nicht.

Denn eine Robotermission in der arktischen Tiefsee über fast 60 Wochen hinweg hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Ende letzter Woche haben die Forscher daher erst einmal das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug "ROV Kiel 6000" vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung zu Wasser gelassen, um "Tramper" zu finden und nach dem Rechten zu sehen.

Kette blockiert

Das klappte zwar, allerdings gab es beim Blick auf den Monitor dann doch ein kleine Überraschung: "Wir konnten sehen, dass er gefahren war und auch sein Zustand sah noch einwandfrei aus", so der AWI-Biogeochemiker Dr. Frank Wenzhöfer. Allerdings: "Tramper" stand quer zur Fahrtrichtung, hatte sich sogar ein Stück weit in den Meeresboden eingegraben. Wie sich bald herausstellte, hat nach den ersten 24 Wochen eine Kette blockiert. Statt autonom nach geeigneten Stellen für Bodenproben zu suchen, drehte sich "Tramper" von da an nur noch um sich selbst. Die Sediment-Proben entnahm er zwar trotzdem, allerdings immer nur da, wo er war. Wenzhöfer: "Alle programmierten Zyklen haben funktioniert, leider nach der Hälfte der Mission immer an der gleiche Stelle."

Dennoch: "Die ersten 24 Wochen zeigen spannende Daten, die wir nun weiter auswerten werden", erklärt der AWI-Forscher weiter. Immerhin 360 Meter hat der Roboter in dieser Zeit zurückgelegt. "Wir können also jetzt etwas über die Variation der Sauerstoffzehrung im arktischen Meeresboden über ein halbes Jahr aussagen." Die Sauerstoffzehrung ist ein wichtiger Marker für die Veränderungen im Ökosystem der Tiefsee - etwa durch den Klimawandel. Bakterien zersetzen am Boden der Tiefsee tote Algen und Tiere. Dabei verbrauchen sie den dort gespeicherten Sauerstoff. Am Ausmaß der Zehrung kann also abgelesen werden, wie viel organisches Material am Boden ankommt und wie aktiv die Bakterien sind. "Tramper" war der erste überhaupt, der das über einen langen Zeitraum hinweg beobachtet hat.

Vom Schlauchboot eingesammelt

Keine Pannen gab es übrigens bei der Bergung. Nach zwei Tagen Zwangspause wegen zu starken Windes gab die "Polarstern" dem Roboter mit einem akustischen Signal das Kommando, Ballast abzuwerfen und aufzutauchen. Zwei Stunden später erschien "Tramper" an der Oberfläche, wurde vom Schlauchboot eingesammelt und mit einem Kran auf das Schiff gehievt. Nicht nur Wenzhöfer und sein Team, sondern erstmals auch eine Gruppe von Weltraumforschern werden "Tramper" jetzt genau unter die Lupe nehmen.

Dass sie an Bord der "Polarstern" sind, hat einen guten Grund: Sowohl im All als auch in der Tiefsee herrschen extreme Bedingungen und niemand ist in der Nähe, der schnell eingreifen könnte. Die Roboter müssen also in beiden Fällen weitgehend autonom sein, ihre Aufgaben möglichst selbstständig erfüllen. Um die Forschung auf diesem Gebiet voranzubringen, hat sich vor ein paar Jahren die ROBEX-Allianz gegründet.

Roboter mit Garage

ROBEX steht für "Robotische Exploration unter Extrembedingungen"“. Raumfahrt- und Tiefseeforscher von insgesamt 16 Institutionen entwickeln gemeinsam neue Technologien. Und sie testen sie. Auf die "Polarstern" haben sie deshalb gleich mehrere Tiefseeroboter mitgebracht. "Viator" ist einer davon. Das Besondere an ihm: Er hat eine eigene kleine Garage, in die er nach seinen Forschungstouren am Meeresboden immer wieder zurückkehren kann und in der er neuen Strom und neue Jobs bekommt.

So viel Luxus hatte "Tramper" im zurückliegenden Jahr nicht. Er war mutterselenallein. Und er wird es wieder sein, wenn es gelingt, die kaputte Kette zu reparieren. Dann bekommt er neue Sensoren und wird für ein weiteres Jahr in die Dunkelheit der arktischen Tiefsee hinabgelassen. Neue Batterien bekommt er außerdem - auch wenn er die zur Überraschung der Forscher gar nicht bräuchte. "Tramper" hat nämlich auf seiner eisigen Mission nur etwa die Hälfte des Stroms verbraucht.

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