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Vorgang zu anspruchsvoll - Tierärzte kritisieren Ferkelkastrations-Pläne

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Die Bundesregierung will in der Diskussion um Ferkelkastration den Landwirten einen Weg eröffnen, ohne teure Tierärzte die Ferkel betäuben zu können. Veterinäre sind skeptisch.

Archiv: Ein Schweinezüchter legt ein junges Ferkel zur Kastration in eine Narkoseanlage in seinem Zuchtbetrieb am 08.10.2018 in Rodewald
Ein Schweinezüchter legt ein junges Ferkel zur Kastration in eine Narkoseanlage
Quelle: dpa

Der Plan der Bundesregierung, bei der Ferkelkastration den Landwirten die Betäubung auch ohne Arzt zu erlauben, stößt auf Kritik der Bundestierärztekammer. "Von veterinärmedizinisch fachlicher Seite ist die Durchführung der Isofluran-Narkose durch den tierärztlichen Laien kritisch zu beurteilen", sagte Karl-Heinz Waldmann, Professor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Nebenwirkungen und Zwischenfälle nicht ausgeschlossen

Isofluran ist ein Narkosemittel. Der Vorgang der Narkose sei sehr anspruchsvoll; es könne zu Nebenwirkungen und Zwischenfällen bis zum Tod des Ferkels kommen, sagte Waldmann. Außerdem sei die Betäubung mit den derzeit verfügbaren Geräten häufig unzureichend. Der Bauernverband hatte auch angesichts der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter für eine Verschiebung geworben und argumentiert, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Das Verbot ab 2019 war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

Grünen-Chef Robert Habeck warf den Verantwortlichen der Großen Koalition vor, seit Jahren gültige Gesetze auszusetzen. Es habe fünf Jahre Vorbereitungszeit für Alternativen zur Kastration ohne Betäubung gegeben. "Jetzt müsste die Koalition zu dem stehen, was längst beschlossen ist, und sich um die Umsetzung kümmern", sagte Habeck. "Offenkundig hat Tierschutz keinen Stellenwert in dieser Koalition."

Schulung für Landwirte geplant

Als Alternativen zur betäubungslosen Kastration sind derzeit die Vollnarkose mit Isofluran, die Mast der Eber ohne Kastration und eine Impfung der Eber gegen den Ebergeruch im Gespräch. In Dänemark wurde auch die Variante entwickelt, dass die Landwirte ohne Tierarzt die Ferkel lokal betäuben dürfen. Die Fleischindustrie fordert, diese Methode auch in Deutschland zuzulassen. Bundestierärztekammer und Tierschutzverbände lehnen das aber strikt ab.

Die Isofluran-Methode wird derzeit in der Biolandwirtschaft und von Neuland-Landwirten angewandt, allerdings vom Tierarzt durchgeführt. Eine reguläre Zulassung hat der Betäubungsstoff derzeit noch nicht, es handelt sich um Ausnahmegenehmigungen. Die Bundesregierung will den Wirkstoff regulär zulassen. Landwirte sollen eine Schulung bekommen, um nach einem Sachkundenachweis ihre Ferkel ohne Tierarzt betäuben zu können. In der Schweiz wird das schon seit 2010 praktiziert.

Tierschützer gespalten

Hintergrund für den Verzicht auf den Tierarzt bei der Kastration sind die deutlich höheren Kosten, die dem Ferkelerzüchter entstehen. Tierschützer sind in der Beurteilung der Isofluran-Betäubung ohne Tierarzt gespalten. Unter der Voraussetzung, dass die Landwirte fachgerecht geschult, regelmäßig kontrolliert, die Betäubungsgeräte regelmäßig gewartet werden und den Tieren noch ein Schmerzmittel verabreicht werde, trage der Deutsche Tierschutzbund diese Lösung mit, sagte eine Sprecherin.

Der kleinere Verein ProVieh hingegen lehnt die Kastration komplett ab und fordert, wie viele Tierärzte auch, auf die Ebermast oder die Impfung gegen den Ebergeruch zu setzen. "Ein chirurgischer Eingriff bleibt ein chirurgischer Eingriff", sagte ProVieh-Expertin Angela Dinter. Die Schweine müssten so gehalten werden, dass die Tiere unversehrt bleiben.

Auch die Bundesärztekammer bevorzugt Methoden, bei denen die Tiere unversehrt bleiben. Gerade gegen die Impfung gegen Ebergeruch gebe es keine wissenschaftlich begründbaren Argumente. "Die Fleischbranche und der Lebensmitteleinzelhandel müssen es nur wollen", insistierte Karl-Heinz Waldmann. Am Ende müssten mehrere Möglichkeiten stehen; darunter die, Ferkel kastrieren zu können, ohne ihnen Schmerzen zufügen zu müssen.

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