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Tierschutz in Rumänien - Rettung durch Hufeisen

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Wie lässt sich das Leben von unzähligen rumänischen Pferden ändern? Wie erreicht man, dass die Besitzer ihre Tiere besser behandeln? Ein deutscher Hufschmied hat einen Plan.

Sie sind Arbeitstiere und Autoersatz, wichtig fürs tägliche Leben: Dennoch sind Pferde in Rumänien oft in erbärmlichem Zustand. Ein deutscher Hufschmied hilft, wo er kann.

Beitragslänge:
4 min
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2008 reist Markus Raabe zum ersten Mal mit seiner Organisation "Schmiede ohne Grenzen" nach Ostrumänien, im Auftrag einer deutschen Tierschutzorganisation soll der Hufschmied Arbeitspferde mit gutem Hufbeschlag ausstatten. Seitdem lässt den 45-Jährigen die Situation vor Ort nicht mehr los. Er gründet die gemeinnützige Hilfsorganisation "Equiwent" und ist seit elf Jahren mit Tierärzten, Hufschmieden und einem Sozialarbeiter in dem Gebiet rund um die rumänischen Großstädte Iasi und Suceava im Einsatz. Rund 250.000 Arbeitspferde leben in dieser Region, die so groß ist wie Nordrhein-Westfalen.

Hufeisen als Belohnung

Es hat sich rumgesprochen: die Tierschützer von Equiwent kommen ins Dorf. Im Gepäck Medikamente für die Pferde und deutsche Hufeisen. Die Behandlung beginnt meist mit Wurmkuren gegen Parasiten, denn alle Pferde sind zu dünn, viele regelrecht ausgemergelt. Man sieht den Tieren an, dass sie zu viel arbeiten müssen.

Markus Raabe begutachtet ein Pferd
Markus Raabe verhilft mit seiner Organsiation "Equiwent" den Arbeitspferden in Rumänien zu einem würdigeren Leben.
Quelle: ZDF

Die Pferde bekommen passende Halfter und Trensengebisse. Als Gegenleistung verlangt Markus Raabe, dass die Menschen ihre Pferde besser behandeln. Dann erhalten die Pferde künftig einen Beschlag mit seinen mitgebrachten Hufeisen aus Deutschland. Die sind heiß begehrt, da es hier nur amateurhafte Eisen gibt.

"Die Hufbeschläge sind elementar und der Hufbeschlag ist hier der Schlüssel zum Erfolg", erklärt Raabe. "Wenn ich sage, wenn du dein Pferd gut behandelst und unsere Ärzte kontrollieren das dann, dann bekommst du kostenlose Hufbeschläge, dann kümmern sie sich besser um ihre Tiere."

Die rumänischen Tierärzte im Team versorgen Wunden und erklären ihren Landsleuten, wie die Pferde gehalten werden müssen. Das reicht von Futtervorräten über den geeigneten Stall bis hin zur Ausrüstung der Tiere. "Ich glaube, es ist ein Mentalitätsproblem", sagt Dr. Alendru Hortolumei von Equiwent. "Wir erklären den Menschen, dass ein Pferd keine Maschine ist. Ein Pferd hat eine Seele, hat Schmerzen, hat ein Leben. Wir helfen, aber es gibt Bedingungen dafür: Sie müssen verstehen, dass die Pferde gut behandelt werden müssen."

Pferderetter helfen auch Familien

Wer in dieser Region Pferde hat, der braucht sie für den Lebensunterhalt. Die Landbevölkerung ist arm, lebt zum Großteil vom Brennholzsammeln, oft gibt es noch nicht einmal fließendes Wasser. Vielen Familien hat die Pferdehilfsorganisation bereits auf die Beine geholfen. Bei Familie Amariei baute Equiwent erst einen Brunnen, dann ein Badezimmer.

Hufschmied Markus Raabe
Hufschmied Markus Raabe
Quelle: ZDF

"Mann und Frau fielen durch extreme Tierliebe auf", erinnert sich Markus Raabe. "Die kannten uns nicht und die wussten nicht, wer wir sind, das war nicht gespielt und der Zufall hat ergeben, dass wir an diese Familie rankamen, und ihnen helfen konnten." Fließendes Wasser und Kleiderspenden ermöglichen den sieben Kindern nun den Schulbesuch.

"Vor ein paar Monaten hatten sie nicht die Kleidung und die Schuhe, um zur Schule zu gehen", erzählt Ciprian Iacobat, der Sozialarbeiter von Equiwent. "Wenn sie die nicht haben, dann gehen sie einfach nicht, aus Scham. Nun haben sie saubere Sachen, das alles ist möglich durch Equiwent. Damit haben sie alle Chancen eine gute Schulbildung zu bekommen."

Der Ort bekommt eine Schmiede

Markus Raabe will diese Menschen auf eigene Beine stellen. Der Familienvater soll eine Dorfschmiede aufmachen und die Pferde aus der Umgebung künftig mit guten Hufeisen ausstatten. Das sichert der Familie ein regelmäßiges Einkommen und den Arbeitspferden optimalen Hufbeschlag. "Die Pferde traben mal eben 80/90 km pro Tag über Schotterpisten. Mit so 'ner Karre, das sind unglaubliche Distanzen", weiß Raabe. "Ohne passenden Hufschutz ist das unmöglich, die Pferde würden verrecken."

Zunächst zeigt Markus Raabe, worauf man beim Bearbeiten des Hufs achten muss, damit das Tier gut laufen kann. Dann ist Ion dran. Der Schmiedelehrling macht seine ersten Schritte in die Selbstständigkeit. "Ich mag diese Arbeit sehr", freut sich Ion Amariei. "Wenn ich das bald jeden Tag mache, werde ich durch die Erfahrung natürlich immer besser werden. Dann weiß ich mehr über Pferde und kann das anderen Menschen beibringen."

Hufschmied Markus Raabe beschlägt ein Pferd
Markus Raabe bringt anderen Schmieden das Beschlagen eines Pferdes bei.
Quelle: ZDF

Hoffnung für eine Region

Angetreten, um das Leben der Pferde zu verbessern, hat die Hilfsorganisation schon viel darüber hinaus erreicht. Auch bei den Menschen in den Dörfern am Rande Europas. "Das Urproblem war im Grunde, dass die Menschen A keine Mittel hatten und B kein Wissen, wie man mit den Tieren umgeht", blickt Raabe zurück. "Und die ausgeprägte Mangelernährung, die überall war, wandelnde Skelette. Dieses Bild haben wir wirklich abgeschafft, in gewissen Regionen, noch nicht überall." Aus den Pferderettern sind Hoffnungsträger geworden, für eine ganze Region in Europa.

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