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USA und Nordkorea - Tillerson: Amerikaner "sollten nachts gut schlafen"

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US-Präsident Trump schickt eine feurige Warnung an Nordkorea – sein Außenminister schlägt moderatere Töne an und versucht zu beruhigen. An eine unmittelbare Bedrohung durch Nordkorea glaube er nicht. Trump habe eine starke Botschaft in einer Sprache geäußert, "die Kim Jong Un verstehen kann".

Nordkorea prüft nach eigenen Angaben Pläne für einen militärischen Schlag gegen die Insel Guam im Westpazifik, ein US-Außengebiet. Die Armee erklärte in einer Stellungnahme durch die staatliche Nachrichtenagentur KCNA, sie erwäge, Gebiete rund um Guam …

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Nordkoreas Staats- und Parteichef Kim Jong Un scheine für diplomatische Formulierungen unempfänglich zu sein, erklärte Rex Tillerson am Mittwoch. Trump hatte Nordkorea am Dienstag gesagt, es solle den USA nicht weiter drohen, sonst werde sein Land mit "Feuer und Wut" reagieren, "wie es die Welt noch nicht gesehen hat".

Kurz nach Trumps Drohung erklärte Nordkoreas Armee, sie erwäge, den US-Pazifikstützpunkt Guam anzugreifen. Die Streitkräfte zögen eine solche Attacke "auf Guam ernsthaft in Erwägung", berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch.

Tillerson will Landsleute beruhigen

Tillerson betonte, Trump habe klar machen wollen, dass sich die USA verteidigen können. Nordkorea solle das nicht falsch einschätzen. Zugleich versuchte Tillerson, seine Landsleute zu beruhigen. Er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung durch Nordkorea gebe. Amerikaner "sollten nachts gut schlafen". Der Austausch von Drohungen bedeute nicht, dass die USA einem Militäreinsatz näher gekommen seien.

Die Strategie der USA gegenüber Pjöngjang funktioniere, sagte Tillerson. Dies hätten auch die jüngst im UN-Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen gegen das Land gezeigt, die von den USA eingefädelt worden seien. "Der Druck beginnt, sich zu bewähren", sagte Tillerson. Das sei auch der Grund, weshalb sich Nordkorea lautstark und bedrohlich äußere.

ZDF-Reporter Eric Marr sagte in Peking, auf dem diplomatischen Parkett habe es in den letzten Tagen tatsächlich so etwas wie Geschlossenheit gegeben. Der Sicherheitsrat habe am Wochenende einstimmig für neue Sanktionen gegen Nordkorea plädiert. China habe versprochen, die Sanktionen umzusetzen, gleichzeitig aber die USA zur Mäßigung aufgerufen. "Aber mit Donald Trump und Kim Jong Un schaukeln sich zwei Machtmenschen derzeit immer weiter unkontrolliert hoch. Für Diplomatie scheint immer weniger Raum zu sein", erklärte Marr.

Sorge vor Eskalation

Die Kriegsrhetorik wecke Ängste vor einer unkalkulierbaren Eskalation oder gefährlichen Fehleinschätzung, die einen gewaltsamen Konflikt mit Hundertausenden Toten auf der koreanischen Halbinsel auslösen könnte.

Während sich Nordkoreas Propaganda gewöhnlich drastischer Formulierungen bedient, kennen derart streitlustige Äußerungen durch einen amerikanischen Präsidenten kaum Präzedenzfälle. Ähnlich hatte sich nur US-Präsident Harry Truman 1945 bei der Mitteilung über den Abwurf der Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima geäußert, als er die Kapitulation der Japaner forderte, wie US-Medien hervorhoben. Er drohte ihnen sonst mit "einem Regen der Zerstörung aus der Luft, wie ihn die Erde noch nicht gesehen hat".

In den USA hagelte es Kritik an Trumps feuriger Wortwahl. Der außenpolitisch profilierte, republikanische US-Senator John McCain mahnte Trump zur Zurückhaltung. "Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht bereit zum Handeln sind", sagte der Republikaner dem US-Radiosender KTAR. "Und ich bin nicht sicher, dass Präsident Trump bereit zum Handeln ist." Trump bringe die USA damit nur näher an eine ernste Konfrontation. Andere Kritiker warnten, Trump setze die Glaubwürdigkeit der USA aufs Spiel.

Historiker wiesen darauf hin, dass US-Präsidenten gewöhnlich behutsam mit ihrer Sprache umgehen, um eine Krise nicht unnötig anzufachen. Auch sinke Trump auf das Niveau des nordkoreanischen Machthabers, wenn er sich im Ton an die Nordkoreaner anlehne. Während einige aber auch eine "Botschaft der Abschreckung" sahen, fürchteten andere einen "gefährlichen Pfad", den Trump beschreite. Unklar blieb, ob Trump spontan geredet hatte - oder seine Formulierung geplant hatte.

Berlin verlangt Mäßigung

Die Bundesregierung verlangte von den USA und Nordkorea Mäßigung. "Die Lage ist wirklich ernst. Ein weiteres Säbelrasseln wird uns hier sicher nicht weiterhelfen", sagte der Sprecher von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), Martin Schäfer, am Mittwoch in Berlin. Ein militärischer Weg könne in dem Konflikt keine Lösung bringen. "Wir rufen deshalb alle Beteiligten zur Mäßigung auf." Gemeinsam müssten die diplomatischen Bemühungen fortgesetzt werden. "Nur so kann die Bedrohung durch das völkerrechtswidrige nordkoreanische Atomprogramm eingedämmt werden."

Der verbale Schlagabtausch ist der vorläufige Höhepunkt der Krise, die durch Nordkoreas Tests mit Interkontinentalraketen eskalierte. Die Sorge über Pjöngjangs Fortschritte mit Nuklearsprengköpfen wächst. Die USA und Japan gehen davon aus, dass Nordkorea inzwischen in der Lage ist, Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken - auch Interkontinentalraketen, die die USA erreichen könnten. Allerdings wiesen Experten darauf hin, dass es nicht allein um die Verkleinerung der Sprengköpfe geht, sondern auch darum, dass sie auch den Wiedereintritt der Rakete in die Erdatmosphäre überstehen.

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