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"Das Internet steht an einem Wendepunkt"

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Tim Berners-Lee - "Das Internet steht an einem Wendepunkt"

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Hass, Falschinformationen, Propaganda: Der Erfinder des Webs, Tim Berners-Lee, macht sich Sorgen: "Wir müssen uns das Netz zurückholen", sagt er auf einer Konferenz in Berlin.

Sir Tim Berners-Lee ist der Erfinder des World Wide Web.
Sir Tim Berners-Lee ist der Erfinder des World Wide Web.
Quelle: Pedro Fiuza/ZUMA Wire/dpa

Ganz am Schluss holt Tim Berners-Lee sein Handy raus. "Ich werde jetzt einen Tweet absetzen und ich bitte Euch, helft mir", sagt er. "Ich unterstütze den Vertrag für das Internet", twittert Sir Tim, Erfinder des Webs. Seine Zuhörer in einem Berliner Hotel schmunzeln, zücken ihre Handys. Zehn Sekunden später hat sein Tweet schon ein paar Dutzend Likes. Den Saal hat Berners-Lee schon einmal gewonnen. Große Gesten kann der Mann.

Pathos auch. "Das Internet steht an einem Wendepunkt", sagt er. "Nie zuvor waren die guten Kräfte des Internets mehr bedroht als heute." Er nennt als Beispiel Falschinformationen - Lügen, die sich im Netz verbreiten. Und die Algorithmen großer Techkonzerne, die dem Hass Vorschub leisten. Facebook oder YouTube nennt er nicht beim Namen. Aber jeder im Raum weiß, dass er die globalen, mächtigen Digitalkonzerne meint. Wenn Online-Plattformen es verfehlten, falsche Informationen oder Hassrede zu entfernen, verstärkten sie die Polarisierung der Welt, sagt er.

Neun Thesen für "das Web, das wir wollen"

Um diesen Bedrohungen zu begegnen, veröffentlicht Berners-Lee im Rahmen der UN-Digitalkonferenz IGF in Berlin ein Manifest: Neun Thesen für ein besseres Internet, er nennt es "das Web, das wir wollen". Drei Thesen richten sich an Regierungen. Drei an Bürger. Drei an Unternehmen. "Respektiert die persönlichen Daten der Menschen", lautet eine der Thesen, die sich vor allem an Facebook richten dürfte. Der durch Datenskandale in Misskredit geratene Konzern ist ebenso wie Google auf Berners-Lee zugekommen, um an seinem Manifest mitzuarbeiten.

Hass, Falschinformationen, Propaganda: Der Gründer des Webs, Tim Berners-Lee, sieht das Netz an einem Scheideweg. In Berlin veröffentlicht er einen Gesellschaftsvertrag fürs Web. Sehen Sie hier seine Rede im englischen Original.

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Von Regierungen fordert Berners-Lee ein freies Netz. "Das gesamte Internet muss immer für alle zugänglich sein", heißt es in dem Manifest. Zensur dürfe es ebenso wenig geben wie die Abkopplung ganzer Nationen vom World Wide Web - wie etwa in Russland oder Iran. "Das Internet wurde ohne Grenzen gegründet", sagt Berners-Lee in seiner Rede in Berlin. Und erinnert daran, dass hier einst eine Mauer ein Land und die Verbreitung von Ideen teilte.

Altmaier unterstützt Berner-Lees Manifest

Ein Jahr lang haben 160 Organisationen an dem Manifest gearbeitet. Auch die Bundesregierung unterstützt es. "Das Internet ist vielleicht die bedeutendste Erfindung der Menschheit", sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). "Wir müssen es vor Kontrolle oder Manipulation schützen." Der freie Zugang zum Internet habe einen ähnlichen Stellenwert wie der Zugang zu Wasser. Altmaier nennt ihn ein Menschenrecht.

Dieses Grundrecht müsse künftig für noch mehr Menschen gelten. Berners-Lee kritisiert in seiner Rede, dass 46 Prozent aller Menschen noch keinen Zugang zum Internet hätten. Auch seien mehr Frauen als Männer vom Internet ausgeschlossen, er spricht vom "Gender Gap", den es zu schließen gelte. Berners-Lee klingt ernst. "Wir müssen jetzt handeln", sagt er. "Wir müssen uns das Netz zurückholen." Es klingt ein wenig, als hätte der Erfinder des World Wide Web Sorge um sein Vermächtnis.

Dem Autoren auf Twitter folgen: @dominikrzepka

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