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Tirol diskutiert über ein Mega-Skiprojekt

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Mensch oder Natur? - Tirol diskutiert über ein Mega-Skiprojekt

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Durch den Klimawandel rücken Skigebiete immer weiter in die Höhe. Ein Grund, warum in Tirol für das größte Skigebiet Europas ein bisher unberührter Gletscher bebaut werden soll.

Linker Fernerkogel
Auf dem Linken Fernerkogel soll eine neue Seilbahnanlage enstehen. Hiefür soll eine Gratspitze um 36 Meter abgetragen werden.
Quelle: ZDF

Es ist Tirols Mega-Skiprojekt: Die sogenannte "Gletscherehe". Österreichs höchstes Skigebiet, der Pitztaler Gletscher, will größer werden und sich mit den Nachbarn im Ötztal zusammenschließen. Für 140 Millionen Euro sollen neue Pisten und ein Skizentrum mit drei Bergbahnen für 1.600 Gäste gebaut werden - auf einem bisher naturbelassenen Gletscher.

Pisten, Party, viel Profit: Das Ötztal ist ein Tourismusmagnet. Direkt nebenan liegt das Pitztal – klein, fein, naturbelassen. Seit Jahren wird darüber gestritten, die beiden Skiregionen zu verbinden. 2020 soll über die "Gletscher-Ehe" entschieden werden.

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"Sehen uns nicht als Zerstörer"

Eberhard Schultes
Eberhard Schultes, Geschäftsführer der Pitztaler Bergbahnen, befürwortet das Projekt.
Quelle: ZDF

Eberhard Schultes ist dafür: Der Geschäftsführer der Pitztaler Bergbahnen meint, die "Gletscherehe" sei für das strukturschwache Gebiet alternativlos. Seit 30 Jahren hätte sich im Pitztal das Angebot für Skifahrer nicht vergrößert. Dabei entscheide vor allem die Größe eines Skigebiets, wie attraktiv es für potenzielle Gäste sei. Die Erweiterung - eine Investition für die Zukunft.

Direkt neben den möglichen neuen Pisten liegt ein streng geschütztes Naturschutzgebiet - das sei riesig im Vergleich zu den gerade mal 64 Hektar, die sie bräuchten, meint Eberhard Schultes. "Wir sehen uns nicht als Naturzerstörer. Wir nutzen die Natur, um hier auch die nächste Generation Tourismus betreiben zu können."

Online-Petition gegen das Projekt

Piste, Party, viel Profit - das ist Sölden im Ötztal. Fast fünf Mal so viele Gäste wie das Pitztal haben sie hier. Auf rund 3.000 Einwohner kommen über 15.000 Gästebetten. Zwar bedroht der Klimawandel den Wintertourismus gleichermaßen wie teils naturbelassene Gletscher, jedoch dürften diese nicht auch noch vom Menschen zerstört werden, mahnen Naturschützer an.

Benjamin Stern
Bergführer Benjamin Stern sieht das Projekt als "falsches Signal in der Klimawandelpolitik".
Quelle: ZDF

Bis 2100 könnte der Großteil der Alpengletscher abgeschmolzen sein. Deshalb müsse man jetzt handeln, findet der Tiroler Benjamin Stern. "Wir sind dafür, dass man die Gletscher beschützt und nicht baut. Das ist in unseren Augen ein falsches Signal in der Klimawandelpolitik", so Stern, der als Bergführer arbeitet und Mitglied im Alpinverein ist. Nicht nur Naturschützer sind gegen das Projekt. Eine Online-Petition haben bisher 150.000 Menschen unterschrieben.

Tirol prüft Umweltverträglichkeit der "Gletscherehe"

Zusammenschlüsse und Erweiterungen von Skigebieten werden an vielen Orten in Tirol heiß diskutiert. Viele Menschen sind auf den Tourismus angewiesen und befürworten Erweiterungsprojekte wie die "Gletscherehe". Andererseits legt der Alpenverein Statistiken vor, nach denen nur noch sieben Prozent Österreichs als komplett naturbelassen gelten können.

Das Land Tirol prüft die Umweltverträglichkeit des Projekts. Eine Entscheidung wird im kommenden Jahr erwartet. Dann können beide Konfliktparteien Beschwerde einreichen. Das Verfahren könnte bis zur höhsten Instanz, dem Verwaltungsgerichtshof in Wien, gelangen und damit Jahre dauern. Es ist kein baldiges Ende des Gletscherstreits in Sicht. Und die Frage, wie viel Mensch die Natur verträgt, wird das Urteil auch nicht beantworten können.

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