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Satire mischt Medien auf - Titanic-"Politbombe" im Ticker

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Ein Tweet behauptet, Seehofer wolle das Bündnis mit der CDU aufkündigen. Mehrere Medien bemerken zu spät, dass es eine Falschmeldung ist - bis sich das Satireblatt "Titanic" outet.

Satire der Zeitschrift Titanic: CDU kündigt Bündnis mit CSU auf
Satire der Zeitschrift Titanic: CDU kündigt Bündnis mit CSU auf Quelle: hr.de

"+++ Breaking -  Politbombe platzt in Hessen +++ Seehofer kündigt laut interner Bouffier-Mail Unionsbündnis mit CDU auf +++ Merkel informiert, PK gegen 15 Uhr". Um die Mittagszeit, mitten im Asylkrach zwischen CDU und CSU, ereilt ein Tweet mit Sprengkraft die Online-Leser. Urheber soll der Hessische Rundfunk sein, "hr Tagesgeschehen" heißt der Twitter-Account, "Politik-/Kulturnews aus Hessen und Deutschland", beigetreten März 2014.

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Die Nachrichtenagentur Reuters greift den Tweet auf und verschickt die Eilmeldung: "Seehofer kündigt Unionsbündnis mit CDU auf". Die tickende "Politbombe" hat es in den Ticker geschafft. Diverse Medien, darunter die "Bild"-Zeitung, schlucken die News und spucken die dramatische Eskalation aus - um gleich darauf eines Besseren belehrt zu werden. "Der Account 'hr Tagesgeschehen', über den der Tweet gesendet wurde, ist kein Account des Hessischen Rundfunks", schreibt dpa sechs Minuten später. Reuters zieht die Eilmeldung zurück, n-tv, "Focus" und "Bild" eilen Korrekturen.

Satire mischt Bundestag auf

Falschmeldung, Fake? Es war Satire - frei Haus geliefert vom Magazin Titanic. "‘hr Tagesgeschehen‘ empfiehlt allen politikinteressierten Bürgern eine TITANIC-Goldmitgliedschaft" - die Bombe ist geplatzt und der anonyme Autor outet sich selbst: Mit Moritz Hürtgen ergänzt er das Profil von "hr Tagesgeschehen" und seine Twitterline mit "scheise was is pasirt".

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Ein bisschen Aufregung sicherlich. Im Bundestag wird es während einer Rede des SPD-Abgeordneten Helge Lindh so unruhig, dass Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau die Abgeordneten auffordert, "notwendige Gespräche bitte außerhalb zu führen".

AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch transportiert die "Bild"-Meldung via Zwischenfrage ins Plenum und will von Lindh wissen, ob das "irgendwelche Einflüsse" auf das habe, was der Abgeordnete da erzähle. Aber Lindh will sich nicht mit der "Bild"-Zeitung beschäftigen, sondern mit dem Familiennachzug. Als der wahre Urheber der Falschmeldung feststeht, ist die Erleichterung mit Händen zu greifen - mit applaudierenden. Zumindest habe es die Debatte erheitert, sagt Lindhs Nachfolgeredner Marcus Weinberg. Man solle halt nicht alles glauben, was so verbreitet werde über die Auflösung einer Gemeinschaft.

"fuck i wär so gern ein Rapper"

Hätte man auch nicht müssen. Denn der Scherz-Account war nur leidlich gut präpariert. Gestern ließ der "Hessenticker" zwar noch Kommentare über die Frankfurter Börse, Frankfurter Behördenzoff und Eintracht Frankfurt los. Geduldige wären aber schon bald über anderes gescroll-stolpert: Tweets wie "fuck i wär so gern ein Rapper" (9. Juni), oder "Überstunden, damit unsere Satire das Land (Westdeutschland) auch weiterhin zusammenhält" (8. Juni). Der Titanic-Redakteur Hürtgen hatte seinen Twitter-Account in "hr Tagesgeschehen" umbenannt. Der neue Name erweckte den Eindruck, es handele sich um ein seriöses Medium.

Der Hessische Rundfunk forderte Twitter nach dem Vorfall auf, seine Zertifizierungsprozesse zu überprüfen. "Eine Änderung des Klarnamens führt derzeit nicht zum Verlust der Zertifizierung eines Accounts", beklagte Christoph Hammerschmidt, Leiter HR-Kommunikation.

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Satire darf alles, heißt es so schön. Seehofer hingegen kann nicht alles - das stellt zumindest CSU-Vorstandsmitglied Hans Michelbach umgehend klar. Der Innenminister könne nicht im Alleingang das Bündnis mit der CDU aufkündigen. Dazu bräuchte es einen Vorstandsbeschluss. Und: "Ich kann offiziell sagen, dass das Quatsch ist", stellt Michelbach die Fake-Meldung klar.

Ein Quatsch, auf den laut "Süddeutscher Zeitung" sogar die Finanzmärkte reagierten. Der deutsche Aktienindex habe auf einen Schlag ein halbes Prozent verloren, schreibt die Zeitung online. "Das tut mir wiederum leid", twittert Hürtgen. Mehr aber auch nicht.

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