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Tombola soll Ehrenämtler anlocken - Kinobesuche und Zeppelin-Flüge für Wahlhelfer

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In Deutschland organisieren die Bürger selbst die Wahlen, die Behörden unterstützen sie dabei nur. 600.000 Wahlhelfer braucht es für die Bundestagswahl. Weil die Bereitschaft der Menschen dafür nicht überall groß ist, versuchen die Städte es mit einem Trick: etwa mit einer Tombola.

Eine gewisse Wahlmüdigkeit macht sich in NRW breit; es fehlen allerorts noch Wahlhelfer für die Bundestagswahl. Nicht so in Mühlheim an der Ruhr. Neben der üblichen Aufwandsentschädigung, lockt man dort die Helfer mit einer Tombola.

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Die Wahlbenachrichtigungen sind gedruckt, Urnen und Koffer mit Tesafilm und Stiften stehen in Reih und Glied - fehlen nur noch die Wahlhelfer. Einen knappen Monat vor der Bundestagswahl hat die Stadt Köln einen eigenen Raum zum Call-Center umgewandelt. Auf ihrer Homepage wirbt die Stadt um ehrenamtliche Helfer, auch auf Plakaten, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Hier, im Wahlamt, kommen nun die Anrufe der potenziellen Helfer an. 730.000 Menschen in Köln sind wahlberechtigt, 250 Wahllokale gibt es, die Stadt benötigt 6.500 Wahlhelfer, die vor Ort die Wahl organisieren. Noch fehlen mehr als 2.000 - und nur ab und zu klingelt ein Telefon - die Sommerferien machen sich bemerkbar.

"Das ist Demokratie live"

Grundsätzlich kann jeder Wahlhelfer werden, der selbst wahlberechtigt ist. Besondere Fähigkeiten oder Qualifikationen braucht es nicht - schließlich organisiert in Deutschland das Wahlvolk selbst die Wahlen, die städtischen Wahlämter unterstützen dabei nur. "Es ist ein sehr ehrenvolles Amt, bei einer Wahl dabei zu sein und zu unterstützen, das ist Demokratie live", sagt der Leiter des Kölner Wahlamts Wolfgang Heintz.

Tausende von Klassenzimmern werden am 24. September wieder zu Wahllokalen umfunktioniert. Auch das ist Aufgabe der Wahlhelfer: Ab 7:00 Uhr morgens mit Tesafilm Zettel an Wände und Türen zu hängen, um den Wählern den Weg ins richtige Klassenzimmer zu weisen. Die Urnen zurecht rücken, Kugelschreiber auslegen, Sichtschutz rund um die Wahlkabinen aufstellen - dann kann es losgehen. Bei jeder Wählerin und jedem Wähler prüfen die Helfer, ob er oder sie auch tatsächlich in diesem Bezirk wahlberechtigt ist, alle Namen und Daten müssen mit dem Wählerverzeichnis abgeglichen werden.

Auszählung ist öffentlich

Um 18:00 Uhr ist nicht etwa Feierabend - jetzt kommt Teil zwei. Der Wahlvorsteher öffnet die Urne und kippt die Umschläge auf ein paar zusammengeschobene Tische. Die Auszählung ist öffentlich, jeder interessierte Bürger kann dabei sein, wenn die Helfer die Stimmzettel nach Parteien sortiert auf einzelne Stapel verteilen. Die ungültigen Zettel (mehrere Parteien angekreuzt, den ganzen Zettel durchgestrichen, anstelle eines Kreuzes einen Kommentar zur Lage der Nation abgegeben) kommen auf einen Extrastapel. Dann wird mehrmals ausgezählt, Erst- und Zweitstimmen gesondert. Wenn anschließend alle addierten Stimmen und ungültigen Wahlzettel mit der Zahl der Menschen übereinstimmen, die an diesem Tag gewählt haben, ist alles gut - wenn nicht, muss neu gezählt werden, wieder und wieder, bis alles stimmt.

600.000 Helfer bundesweit

Ungefähr 600.000 Helfer werden bundesweit für eine Wahl benötigt. Die Städte haben die Möglichkeit, kommunale Mitarbeiter zwangszuverpflichten, falls sich zu wenige ehrenamtliche Helfer melden, doch machen sie das nicht gerne. Lieber werben sie um motivierte Bürger - meist mit Aufrufen im Internet oder auf Plakaten, wie die Stadt Köln, doch gibt es mittlerweile kreativere Lockmethoden: eine Tombola, wie in Mülheim an der Ruhr.

Normalerweise erhält jeder Helfer für sein Engagement ungefähr 40 Euro Erfrischungsgeld beziehungsweise Aufwandsentschädigung. In Mülheim an der Ruhr hatten sie nun diese Idee: Einerseits könnte man diesen Betrag leicht erhöhen für jeden Helfer, auf 60 Euro zum Beispiel, um die Aufgabe attraktiver zu machen. Doch ließen sich mit 20 Euro mehr tatsächlich so viele Bürger zusätzlich motivieren?

Vom Kinobesuch bis zum Zeppelin-Rundflug - so lockt Mühlheim Wahlhelfer

Zusammen mit dem Oberbürgermeister entwickelten sie eine Wahlhelfer-Tombola: Jeder der 1.100 Unterstützer hat nun die Chance, einen von 35 Gutscheinen zu gewinnen, für Reisen, Kinobesuche, Zeppelin-Rundflüge oder für Einkäufe, im Gesamtwert von 10.000 Euro. Die Stadt hat schon jetzt fast alle Helfer zusammen, die sie benötigt. Bei der letzten Landtagswahl im Mai hat sie bereits eine ähnliche Tombola unter den Wahlhelfern veranstaltet. "Viele haben uns gesagt, dass das schon eine zusätzliche Motivation war, wir hatten auch etliche Helfer aus Nachbarkommunen", sagt Wahlleiter Dirk Klever von der Mülheimer Stadtverwaltung.

Ihr treuester Unterstützer allerdings hat all das nicht nötig - ihn motiviert das Ereignis an sich. Bereits 35 mal war Karl-Hans Heimann Wahlhelfer. Früher nicht nur ehrenamtlich - er war bei einer Kommune beschäftigt - doch mittlerweile, als Rentner, ist er freiwillig dabei. "Das ist die Würze in der Suppe", sagt er, "wenn um 18:00 Uhr die Menschen zu Hause vor dem Fernseher sitzen - und es bei uns, im Wahllokal ans Auszählen geht und richtig stressig wird!"

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