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Tote und Verletzte - Was bringt ein Tempolimit auf der Straße?

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In der Debatte um ein Tempolimit auf 130 Stundenkilometer auf Autobahnen wird auch mit den Verkehrstoten argumentiert. Doch würde die Zahl mit einer Begrenzung wirklich sinken?

Straßenwärter montiert ein Tempolimit-Schild an einer Autobahn
130 Kilometer pro Stunde - das soll nach Ansicht der Befürworter das Limit auf Autobahnen sein.
Quelle: dpa

Die Debatte um ein Tempolimit auf Autobahnen ist in vollem Gange: Mit weniger Stress, weniger Feinstaub und einem geringerem Spritverbrauch argumentieren die einen, mit mangelnden Beweisen argumentieren die anderen.

Nun meldet sich auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu Wort und bringt die gleichbleibende Zahl der Verkehrstoten ins Spiel. "Wenn wir uns nicht damit abfinden wollen, dass jedes Jahr rund 3.200 Menschen im Straßenverkehr ums Leben kommen, müssen wir uns etwas einfallen lassen", sagt der stellvertretende GdP-Vorsitzende Michael Mertens gegenüber der dpa.

Polizeigewerkschaft sieht Handlungsbedarf

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Vor zehn Jahre lag die Zahl der Verkehrstoten noch bei knapp 5.000 Menschen. Seit 2013 pendelt sie sich zwischen 3.200 und 3.400 ein. 2017 waren 3.180 Menschen in Deutschland bei Verkehrsunfällen getötet worden. Für 2018 wird ein Anstieg auf rund 3.220 Menschen erwartet.

Die Gewerkschaft der Polizei sieht deshalb Handlungsbedarf auf Autobahnen: "Wenn jemand mit Tempo 180 unterwegs ist und vor ihm schert ein Fahrzeug mit Tempo 90 auf die Überholspur aus, geht das schnell schief", sagt der GdP-Vize Mertens. Auch die Unfallforscher der Versicherer fordern eine Diskussion über ein Tempolimit auf Autobahnen: "Die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Fahrspuren nehmen immer mehr zu", sagt Leiter Siegfried Brockmann der dpa.

Kritik von ADAC und AvD

Der ADAC hingegen zweifelt den Sinn eines Tempolimits auf Autobahnen an. Länder mit einer generellen Geschwindigkeitsbeschränkung wie Österreich, Belgien oder die USA schnitten bezüglich des Sicherheitsniveaus auf Autobahnen nicht besser ab als Deutschland.

Auch der Automobilclub AvD sieht das anders – und hält einen Einfluss von generellen Tempobegrenzungen auf die Unfallzahlen für nicht erwiesen. Stattdessen plädiert er für Geschwindigkeitsbegrenzungen an Gefahrenstellen und Unfallschwerpunkten. Auch der ADAC setzt auf andere Vorschläge und setzt auf bauliche Maßnahmen für unfallträchtige Strecken. So sollen gefährliche Kreuzungen auf Landstraßen zu Kreisverkehren ausgebaut werden und mehr Überholstreifen angelegt werden, um Unfälle mit dem Gegenverkehr zu vermeiden.

Was würde ein Tempolimit bringen?

Aber würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 130 etwas bringen? Die Zahlen des Statistischen Bundesamts legen das zumindest nahe. Denn Unfälle durch nicht angepasste Geschwindigkeit - also zu hohe oder dem Wetter nicht entsprechende Geschwindigkeit - haben nach wie vor die schlimmsten Folgen, schreiben die Statistiker. Im Jahr 2017 kamen 1.077 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen ums Leben, 60.079 wurden verletzt. Damit starb mehr als jeder Dritte (34 Prozent) bei Unfällen aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit.

Grafik zu den Verkehrstoten in Deutschland inklusive Ereignisse

Zwei Beispiele aus Deutschland zeigen, dass Tempolimits wirkungsvoll sein können. Als 2003 auf einem Abschnitt der A 24 in Brandenburg ein Tempolimit von 130 eingeführt wurde, sank dort die Zahl der Toten auf null. Auch die Zahl der Unfälle insgesamt nahm deutlich ab. Ebenso war auf einem Abschnitt der A 4 ein Tempolimit eingeführt worden, nachdem dort nach Eröffnung neun Menschen ums Leben gekommen waren. In den ersten neun Monaten war dort kein schwerer Unfall mehr verzeichnet worden.

Debatte auch über Landstraßen angestoßen

Doch die Debatte dreht sich längst nicht mehr nur um Limits auf Autobahnen, es geht auch um Begrenzungen auf Landstraßen und innerhalb von Ortschaften. Denn betrachtet man die Statistik, fallen die Autobahnen zahlenmäßig kaum ins Gewicht. Von den Unfällen mit Todesfolge passierten 2017 knapp 13 Prozent auf Autobahnen - obwohl fast ein Drittel (31 Prozent) der gefahrenen Kilometer auf Autobahnen zurückgelegt wurden.

Vor allem außerhalb von Ortschaften, fernab von Autobahnen passieren die schwerwiegendsten Unfälle – mehr als 56 Prozent. 31 Prozent der Unfälle mit Getöteten geschehen innerorts. Die Gewerkschaft der Polizei fordert deshalb eine Begrenzung auf Tempo 30 in Ortschaften. "Je schneller Fahrzeuge bei einem Zusammenstoß sind, desto größer sind auch die Kräfte, die auf die Insassen wirken", sagte GdP-Vize Mertens.

ADFC: Tempo 70 auf Landstraßen ohne Radweg

Viele innerörtliche Straßen seien für Tempo 50 deshalb objektiv ungeeignet. Nur für ausgebaute Hauptverkehrsstraßen sollte aus Sicht des GdP-Vize weiter Tempo 50 gelten. Auch der Allgemeine Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) unterstützt die Idee, ebenso wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, der schon seit Jahren eine Begrenzung auf 80 Kilometer pro Stunde bei schmalen Landstraßen und 100 Stundenkilometer bei entsprechend ausgebauten Landstraßen fordert.

Der Automobilclub ACE ist ebenfalls für diesen Vorschlag. Aus Sicht des Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sollte auf Landstraßen ohne gut befahrbaren Radweg sogar nur Tempo 70 gelten.

Die Debatte über eine gesetzliche Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 Stundenkilometer war durch Vorschläge einer Arbeitsgruppe der Regierungskommission zur Zukunft der Mobilität ausgelöst worden.

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