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Tourismus auf der Krim - Sommer, Sanktionen und Hoffen auf Normalität

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Fünf Jahre nach der russischen Annexion der Krim geht es innerhalb der Tourismus-Branche aufwärts, doch es herrscht auch ein Klima der Angst.

Vor 5 Jahren annektierte Russland die Halbinsel Krim. Der Tourismus brach zusammen. Nun erholt er sich wieder, auch weil Moskau viel in die Krim investiert hat.

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Im Norden der Krim sind die Straßen staubig, das Land flach und das Wasser tiefblau. Gleich geht die Sonne unter, das wollen wir filmen und fahren zum Strand. Dort fällt uns ein Auto mit ukrainischem Kennzeichen auf, denn auch Ukrainer fahren noch immer auf die Krim, trotz aller Schwierigkeiten.

Michail und seine Familie kommen gerade vom Baden. Er ist auf der Krim geboren, lebt aber seit einigen Jahren auf dem ukrainischen Festland. Wenn er wie heute seine Eltern und Freunde sehen will, braucht er viel Geduld. "Am Anfang wurden wir von den Nachbarn und Bekannten beschimpft", erzählt Michail. "Sie haben uns Separatisten genannt, als sie erfahren haben, dass wir auf die Krim fahren, aber dann hatten sie doch Verständnis, dass man Familie und Freunde nicht einfach hinter sich lassen kann." Tochter Jenja ist einfach nur froh, wenn sie ihre Großeltern besuchen kann. "Es dauert manchmal bis zu sechs Stunden, alles dauert sehr lange. Aber ich nehme das in Kauf, weil ich meine Oma und meinen Opa sehr liebe."

Der "Joker" und sein Campingplatz

Reporter Christian Semm und der "Joker" am Laptop.
Reporter Christian Semm (links) und Juri, der "Joker" (rechts).

Nicht weit entfernt von diesem Strand herrscht der "Joker". Eigentlich heißt er Juri und betreibt einen Campingplatz. Der Ort, ein altes Pionierlager aus Sowjetzeiten. Juri hat es zufällig entdeckt und wiederbelebt. Und auch heute gelten hier noch eiserne Regeln. "Erhole Dich selbst und störe dabei nicht die anderen", so Jokers Gesetz. Wer das nicht akzeptiert, fliegt raus, oder darf erst gar nicht rein. "Nach 22 Uhr darf nicht mehr gesprochen werden, die Zelte sind ja nah beieinander und das stört die Nachbarn. Wenn die Leute reden, können die Kinder nicht schlafen. Auch Musik ist verboten. Am Tag und in der Nacht. Die Leute genießen die Stille, deshalb kommen sie hierher", erzählt uns der Joker. All das mag auf den ersten Blick etwas hart wirken, doch seine Gäste lieben das. Campen. Strand. Ruhe. Für umgerechnet acht Euro am Tag.

Natalija und Oleg fahren schon seit 25 Jahren auf die Krim, am liebsten zu Joker. Sie laden mich ein in ihr deutsches Wohnmobil, auf das sie ganz stolz sind und schwärmen von den Modernisierungen auf der Krim. Über Politik wollen sie nicht so gerne reden. Viele wollen hier nichts Falsches sagen, aus Angst vor möglichen Konsequenzen. "Sergej ist Ukrainer, seine Eltern sind auch Ukrainer. Wir lieben die Ukraine sehr. Wir glauben, das sind alles politische Spielchen, das betrifft uns einfache Leute nicht", sagt Natalija. 

Brücke über die Meerenge von Kertsch
Brücke an der Meerenge von Kertsch.
Quelle: ap

Fünf Jahre ist die Annexion der Krim jetzt her. Weder die umstrittene Volksabstimmung noch die Annexion werden bis heute international anerkannt. Und die Ukraine will die Krim zurück. Doch Russland hat hier schnell Fakten geschaffen. Die neue Brücke an der Meerenge von Kertsch zum Beispiel. Sie verbindet das russische Festland mit der Krim und ist zum Symbol der Annexion geworden. Dazu eine neue Eisenbahnverbindung und Bundesstraße quer über die Krim. Nach offiziellen Zahlen werden in diesem Jahr rund sieben Millionen Touristen auf der Krim erwartet, die meisten sind Russen.

Kuscheln mit Raubkatzen

Reporter Christian Semm mit einer weißen Tiergin im Safari-Park.
ZDF-Reporter Semm im Safari-Park.

Im Safari-Park von Oleg Zubkov in der Nähe von Simferopol haben die Raubkatzen gerade zu Mittag gegessen. Vielleicht ganz gut so, denn Oleg will mit ihnen kuscheln. Auch ich soll ruhig ein Foto mit der Löwin machen, sagt Oleg. Sicher? Naja, Gerda hat ja gerade gegessen. Hoffentlich genug.

Der Safari-Park von Oleg Zubkov in der Nähe von Simferopol.
Der Safari-Park von Oleg Zubkov in der Nähe von Simferopol.

Als Russland die Krim 2014 annektierte, war Oleg Zubkov völlig aus dem Häuschen. Er wollte Putin sogar ein Denkmal bauen. Doch heute ist Zubkov von der neuen russischen Führung auf der Krim nur noch enttäuscht. Über 400 Gerichtsverfahren habe er in den letzten Jahren schon geführt, unter anderem wegen der riesigen Buchstaben, die für seinen Tierpark werben. Früher alles kein Problem, sagt Oleg, heute schon. Eine Rückkehr der Krim in die Ukraine hält er nicht für unmöglich. "Der nächste Präsident, der nach Wladimir Putin kommt, muss das Ansehen Russlands international wiederherstellen, um die Sanktionen zu beenden, die schlimme Folgen für die russische Wirtschaft haben."

"Joker" und seine Frau am Strand im Norden der Krim.
"Joker" und seine Frau am Strand im Norden der Krim.

Zum Schluss treffen wir noch einmal den "Joker" und seine Frau im Norden der Krim. Er zeigt uns seinen Lieblingsort am Meer. Ein Naturschutzgebiet. Die Frage nach der Zukunft der Krim, ist für ihn keine. "Die Krim wird nie wieder zur Ukraine zurückkommen. Weder wird die Regierung das zulassen, noch wollen das die Leute hier. Ich bin mir sicher, dass die Krim nie wieder ukrainisch sein wird."

Krimbewohner wünschen sich Normalität

Ein Sommer auf der Krim, fünf Jahre nach der Annexion. Kritiker haben die Halbinsel mittlerweile verlassen, oder sich mit der neuen Situation arrangiert. Die meisten Krimbewohner, die wir getroffen haben, sagen: Die Krim wird nie wieder zur Ukraine zurückgehen. Wenn ich hingegen mit Ukrainern spreche, höre ich immer wieder: Die Ukraine muss die Krim zurückholen. Doch ein Kompromiss ist nicht in Sicht. In einem aber sind sich beide Seiten auf der Krim einig: Die Krimbewohner wollen auf dieser wunderschönen Halbinsel im Schwarzen Meer einfach in Ruhe leben.

Wie schwierig es ist, auf die Krim zu reisen, darüber berichtet ZDF-Reporter Christian Semm:

Ein Schlagbaum an der Grenze zwischen der Ukraine und der Krim.

Eine Reise auf die Krim - "Haben Sie Waffen dabei?"

Wer als Journalist offiziell auf die Krim reisen will, braucht eine offizielle Genehmigung der Ukraine, sonst droht eine dreijährige Einreisesperre.

von Christian Semm
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