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Grenze zwischen USA und Mexiko - Tod im Grenzfluss - Foto löst Bestürzung aus

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Ein Mann und ein kleines Kind treiben im Rio Grande - nahe der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Dass sie dort ertrunken sind, hat mit der harten US-Einwanderungspolitik zu tun.

Rettungskräfte an der Grenze zwischen Mexiko und den USA am 24.06.2019
Rettungskräfte in Matamoros im mexikanischen Bundesstaat. Hier wurden die Leichen eines Flüchtlings und seiner kleinen Tochter gefunden.
Quelle: ap

Die knapp zweijährige Valeria wusste wohl nicht, dass sie schon auf der von ihren Eltern ersehnten richtigen Seite des Rio Grande stand. Sie sah, dass ihr Vater wieder in den an dieser Stelle zwischen Brownswille, Texas, und Matamoros schmal wirkenden Fluss ging. Dann tat sie etwas, was der Alptraum vieler Eltern von kleinen Kindern in einer brenzligen Situation ist: Sie machte das Falsche, sie folgte dem Vater in den Fluss.

Óscar Alberto Martínez Ramírez, 25, wollte noch einmal zurück, um seine auf der mexikanischen Seite wartende Frau zu holen. Die Mutter, Tania Vanessa Ávalos, wurde nun zur hilflosen Zeugin der Tragödie, wie ihr Mann und ihre Tochter vor ihren Augen ertranken. Sie schilderte es der Polizei und der Journalistin Julia Le Duc "unter Tränen und Schreien". Julia Le Duc machte ein erschütterndes Foto von Vater und Tochter und veröffentlichte es in der mexikanischen Zeitung "La Jornada" .

Vater und Tochter von Strömungen mitgerissen

Ramírez sah, wie seine Tochter ihm hinterher kam. Er kehrte um und schaffte es, die 23 Monate alte Valeria zu packen, schob das kleine Mädchen unter sein T-Shirt. Doch der Rio Grande mag von außen beschaulich aussehen, er hat aber gefährliche Unterströmungen - zur Zeit verstärkt, weil die Schleusen an Staudämmen oberhalb geöffnet worden waren, um mehr Wasser zur Bewässerung von Feldern flussabwärts zu bringen. Vater und Tochter wurden mitgerissen. Mehrere hundert Meter flussabwärts der Stelle, an der sie am Sonntag in den Fluss stiegen, wurden sie am Montag gefunden, einen Kilometer vor einer Grenzbrücke.

Ein mexikanischer Behördensprecher bestätigte am Montag Le Ducs Bericht. Die Mutter von Ramírez in El Salvador, Rosa, konnte sich vorstellen, was in ihrem Sohn in der Situation vor sich ging: "Als das Mächen hineinsprang, versuchte er, sie zu erreichen. Als er versuchte, sie zu packen, geriet er weiter (in die Strömung) hinein - und konnte da nicht mehr herauskommen. Er hat sie in sein Hemd genommen, und ich stelle mir vor, er sagte sich: 'Ich bin so weit gekommen...' und entschied sich, mit ihr zu gehen."

Illegaler Grenzübertritt: Etliche Tote

Über seine mehr als 3.200 Kilometer Länge ist der Rio Grande zugleich Grenze zwischen den USA und Mexiko. Es hat schon etliche Tote bei dem Versuch gegeben, irgendwo zwischen den offiziellen Grenzübergängen auf die andere Seite zu gelangen. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 283 Migranten beim Versuch des illegalen Grenzübertritts ums Leben, entweder im Rio Grande oder in der Wüste. Für dieses Jahr gibt es noch keine offiziellen Zahlen. Aber am Sonntag wurden zwei Babys, ein Kleinkind und eine Frau gefunden, die an einem Hitzschlag starben. Im April ertranken drei Kinder und ein Erwachsener aus Honduras, als ihr Floß auf dem Rio Grande kenterte; ein sechsjähriger Junge aus Indien wurde in diesem Monat in Arizona tot gefunden, wo in dieser Jahreszeit Temperaturen um 38 Grad Celsius normal sind.

Beamte des mexikanischen Staats Tamaulipas, der an der Mündung des Rio Grande in den Golf von Mexiko liegt, waren dieser Tage in Flüchtlingsunterkünften unterwegs, um vor den gefährlichen Strömungen des Flusses zu warnen. Sie befürchteten wohl, dass etliche Migranten sich zum illegalen Grenzübertritt entscheiden, weil die US-Behörden unter der von Präsident Donald Trump verschärften Einwanderungspolitik die Bearbeitung von Asylanträgen verlangsamt haben. Ein Leiter eines mexikanischen Migrantencamps berichtete vergangene Woche, dass in Matamoros wöchentlich 40 bis 45 Asylanhörungen stattfinden. Auf Wartelisten stünden 800 bis 1.700 Namen.

"Es ist ein furchtbares Bild"

Auch Óscar Ramírez ging mit seiner Familie zum US-Konsulat. Es ist nicht bekannt, was dort geschah. Aber sie trafen danach die Entscheidung, den Fluss zu überqueren. Die Journalistin Le Duc sagte, es habe sie zutiefst bewegt, wie das Mädchen seinen Arm auf ihren Vater gelegt habe. "Es zeigt, dass sie bis zu ihrem letzten Atemzug mit ihm verbunden war, nicht nur durch das Hemd, sondern auch in der Umarmung, in der sie starben."

"Es ist ein furchtbares Bild", sagt Maureen Meyer, eine Einwanderungsexpertin der Menschenrechtsgruppe Washington Office on Latin America. "Und ich denke, es sagt so viel über die Gefahren dieser US-Programme, die entweder Asyl suchende Menschen zurück nach Mexiko schicken oder in diesem Fall begrenzen, wie viele am Tag in die USA kommen können." 

Das Foto erinnert an das des zweijährigen syrischen Jungen Alan Kurdi, der 2015 im Mittelmeer ertrank und an der türkischen Küste gefunden wurde. Ob es auch eine ähnliche Wirkung entfaltet, bleibt abzuwarten. Das Weiße Haus äußerte sich zunächst nicht zu dem Geschehen. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador sprach von einem sehr bedauerlichen Ereignis. "Wir haben immer angeprangert, dass, da es mehr Ablehnung in den Vereinigten Staaten gibt, Menschen ihr Leben verlieren in der Wüste oder bei der Überquerung des Flusses", sagte er.

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