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Digitalkonferenz startet - re:publica im Zeichen des Facebook-Skandals

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Google, Amazon, Facebook: Sie alle sammeln Daten ihrer Nutzer, analysieren sie mit Hilfe von Algorithmen. Diese Praxis steht im Zentrum der re:publica, die heute in Berlin startet.

re:publica in Berlin
Die re:publica ist eine der wichtigsten Digitalkonferenzen der Welt.
Quelle: dpa

Eigentlich müsste es keine große Sache sein. Kein Skandal. Nicht der Aufregung wert. Dass Facebook die Daten seiner Nutzer sammelt, das weiß doch jeder - könnte man meinen. Und es ist freiwillig - könnte man meinen. Niemand wird gezwungen, sich bei Facebook anzumelden, Bilder von Freunden zu liken. Doch ganz so einfach ist es nicht, sagt Markus Beckedahl, Mitbegründer der Digitalkonferenz re:publica. "Facebook hat inzwischen eine Größe erreicht, dass viele nicht mehr freiwillig da sind, weil es keine Wahlfreiheit mehr gibt." Facebook, ein Monopol. Alternativlos.

Welche Macht in den Daten von Facebook liegt - das dürfte spätestens seit dem Skandal um Cambridge Analytica einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden sein. Millionen Nutzerdaten hatte die Firma gesammelt. Und damit möglicherweise den US-Wahlkampf beeinflusst. Denn durch die Daten von Facebook ließen sich sehr gezielt Nutzerprofile erstellen. Jedes Like, jeder neue Freund, jeder Klick - Facebook analysiert ihn. Findet raus, was uns gefällt. Und schlägt uns basierend auf diesen Daten neue Freunde vor, neue Turnschuhe, neue Videos von Donald Trump.

Algorithmen: Weiße bevorzugt, schwarze Frauen diskriminiert?

Längst findet die Vermessung der Welt digital statt. Auch bei Google oder Amazon. Die Algorithmen der großen Internetkonzerne wollen zunächst einmal passgenaue Werbung für ihre Kunden erzeugen. Doch längst bestimmen sie auch darüber, wie wir die Welt sehen, warnen sie auf der re:publica. Die drohende Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen diskutiere man schon seit Jahren, sagt Beckedahl. In diesem Jahr aber bestimmt dieses Thema die re:publica wie selten zuvor. "Selbstverständlich wird sich das Thema durch diesen großen Datenskandal auch dieses Jahr durch diverse Vorträge und Debatten ziehen", sagt Beckedahl heute.de.

Gleich in der Eröffnungsrede wird die US-amerikanische Medienwissenschaftlerin Danah Boyd vor einer Welt warnen, in der die Codes der großen Internetkonzerne Nutzer manipulieren könnten. "Algorithmen bestimmen etwa, welche Nachrichten Sie in sozialen Netzwerken angezeigt bekommen", sagt sie - und auch, welche eben nicht. Boyds Kollegin Sofia Noble, die an der University of Southern California über die Auswirkungen digitaler Plattformen auf die Gesellschaft forscht, warnt gar vor Rassismus durch Algorithmen. Vor allem schwarze Frauen würden von den Codes diskriminiert, während Weiße bevorzugt würden.

SPD fordert "Digital-TÜV"

Längst hat auch die Politik das Thema erkannt. Justizministerin Katarina Barley (SPD), die am Freitag die re:publica besucht, kritisiert Diskriminierung im Netz. Dass unser Surfverhalten verrät, ob wir kreditwürdig sind oder nicht. Konzerne wie Facebook müssten deswegen ihre Algorithmen transparent machen. Und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kündigt seitens der Bundesregierung eine Datenethikkommission an. Eine Art Digital-TÜV solle die Algorithmen der großen Konzerne überprüfen. Doch ganz freiwillig dürften die Konzerne da nicht mitmachen.

Facebook etwa reagiert verhalten auf die Idee der völligen Transparenz. "Wir verstehen, dass Transparenz der Algorithmen für die deutschen Bürger wichtig ist", heißt es bei Facebook. Natürlich teile man das Ziel, durch Algorithmen niemanden diskriminieren oder benachteiligen zu wollen. "Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, Rahmenbedingungen zu entwickeln, die auf den Prinzipien Transparenz, Kontrolle und Nichtdiskriminierung basieren." Klingt ziemlich vage. Das eigene Geschäftsgeheimnis zu verraten - welches Unternehmen hat daran schon Interesse. Gut möglich, dass Facebook, Google und Amazon eher unbeeindruckt bleiben von den Worten auf der re:publica.

Muss Facebook seinen Algorithmus transparent machen? Das sei eine naive Forderung, sagt der Journalist und Blogger Richard Gutjahr im ZDF.

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