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Ungarischer Autor György Konrad gestorben

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Großer Europäer und Instanz - Ungarischer Autor György Konrad gestorben

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Er schuf große ungarische und europäische Literatur und erhob seine Stimme, wenn er die Demokratie in Gefahr sah. Nun ist der Schriftsteller György Konrad gestorben.

Der Schriftsteller und frühere Präsident der Berliner Akademie der Künste, György Konrad, ist tot. Er sei im Alter von 86 Jahren in Budapest gestorben, teilte eine Sprecherin der Akademie unter Berufung auf seine Familie mit.

Der ungarische Autor hatte die Künstlervereinigung von 1997 bis 2003 geleitet. In seiner Amtszeit habe sich die Akademie nach Osteuropa geöffnet, sagte die Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Sie würdigte seine Arbeit als großen Verdienst.

Holocaust-Überlebender und Dissident

Als Kind überlebte Konrad den Holocaust, dem ein Großteil seiner Familie zum Opfer fiel. Als studierter Soziologe arbeitete der Sohn eines Eisenhändlers in der Hauptstadt Budapest in der Jugendfürsorge und als Stadtsoziologe. Sein Romandebüt "Der Besucher" veröffentlichte er 1969. Der schonungslose Blick auf die offiziell verleugneten Zonen des sozialen Elends im Realsozialismus brachte ihn zunehmend in Opposition zum Regime.

Nach und nach wurde er zum Dissidenten, der nur im Untergrund - in den Zeitschriften und Publikationen der sogenannten Samisdat-Literatur - zu veröffentlichen vermochte. Reise- und Berufsverbote waren die Folge seines regimekritischen Wirkens. Die demokratische Wende, das Ende des Kommunismus erlebte er, als er bereits jenseits des 55. Lebensjahrs war.

Porträts, Anekdoten und Abhandlungen

Seine Romane und essayhaften Erzählungen - darunter sind "Geisterfest" (1986), "Melinda und Dragoman" (1991), "Glück" (2003), "Sonnenfinsternis auf dem Berg" (2005), "Das Buch Kalligaro" (2007), "Gästebuch - Nachsinnen über die Freiheit" (2016) und "Baumblätter im Wind. Ausgrabung I." (2017) - sind große Erinnerungsliteratur. Mit spielerischem Gestus schafft sich der Autor seine eigenen erzählerischen Gesetze, fügt Porträts, Anekdoten und Abhandlungen in den Erzählfluss ein.

Dabei entstanden Sittenbilder von den gesellschaftlichen und moralischen Zuständen im ungarischen Gulasch-Kommunismus und der darauffolgenden Transformationszeit. Ebenso präzise wie sinnlich anschaulich künden diese von verratenen Idealen, zynischer Anpassung und resigniertem Außenseitertum.

Moralische Instanz für Menschenrechte

Seine Rolle als Citoyen, als moralische Instanz, die den Finger auf die wunden Punkte der Gesellschaft legte, streifte Konrad aber auch nach der Wende nicht ab. Mit Elan setzte er sich für die europäische Einigung ein. Von 1997 bis 2003 war er Präsident der Berliner Akademie der Künste, 2001 erhielt er den Aachener Karlspreis.

Immer wieder erhob er seine Stimme, wenn er die Menschenrechte und Grundfreiheiten gefährdet sah. Im eigenen Land, wo der markant rechtsorientierte Ministerpräsident Viktor Orban seit 2010 mit autoritären Methoden und populistischer Rhetorik regiert, vermochten seine Einwürfe mit den Entwicklungen kaum mehr Schritt zu halten.

EU hat mehr Anziehungskraft als Diktatoren

Dennoch beruhige ihn, meinte er in einem Interview im Vorjahr, dass die EU auf die Ungarn am Ende des Tages eine weitaus stärkere Anziehung ausüben würde als Diktatoren.

Der Parade-Intellektuelle aus Ungarn wurde längst schon als gesamteuropäische Instanz wahrgenommen. Der Essayist Karl-Markus Gauß meinte einmal halb-ironisch, Konrad wäre geeignet für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Europa, wenn es dieses gäbe.

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