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Beisetzung des Altkanzlers - Jetzt live: Trauergottesdienst für Kohl in Speyer

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Nach einem europäischen Trauerakt zu Ehren Helmut Kohls (CDU) in Straßburg hat am Samstagabend im Dom von Speyer ein Requiem für den verstorbenen Altkanzler begonnen. Zu dem Gottesdienst kamen zahlreiche aktive und frühere Staats- und Regierungschefs.  Sehen Sie den Trauergottesdienst jetzt im Livestream.

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Unter den Trauergästen sind unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter, saß zwischen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Kohls Söhne wurden dagegen nicht im Dom gesehen. Vor allem Kohls älterer Sohn Walter hatte sich kritisch über die Trauerfeierlichkeiten geäußert, weil es keinen nationalen Staatsakt für seinen Vater gab und dieser nicht im Familiengrab in Ludwigshafen beigesetzt wird.

Beisetzung im engsten Kreis

Kohl soll nach dem Pontifikalrequiem auf einem Friedhof in Speyer im engsten Kreis beigesetzt werden. Am Vormittag hatte es im Europaparlament in Straßburg erstmals in der EU-Geschichte einen europäischen Trauerakt gegeben, bei dem unter anderem Merkel, Juncker und Clinton sprachen. "Helmut Kohl war ein deutscher Patriot, aber auch ein europäischer Patriot", sagte Juncker im Europarlament. "Mit Helmut Kohl verlässt uns ein Nachkriegsgigant."

EU-Ratspräsident Donald Tusk verband seine Würdigung des Altkanzlers vor dem in eine blaue Europaflagge gehüllten Sarg mit einem Appell an die heutigen Politiker des Kontinents, klare Botschaften zu senden: "Ein Ja für die Union, ein Ja für die Freiheit, ein Ja für die Menschenrechte." Kohl war am 16. Juni mit 87 Jahren in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben.

Kanzlerin dankt ihrem Förderer

Bundeskanzlerin Merkel nannte Kohl einen großen Brückenbauer. "Er war ein den Menschen zugewandter Weltpolitiker", sagte die CDU-Chefin. Jetzt müssten die nächsten Generationen sein Vermächtnis bewahren - den engagierten, unermüdlichen Einsatz für Frieden, Freiheit und Einheit. Merkel dankte dem Altkanzler auch persönlich: "Lieber Bundeskanzler Helmut Kohl, dass ich hier stehe, daran haben Sie entscheidenden Anteil. Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben." Sie schilderte ihren Amtsvorgänger als Mann der absoluten Verlässlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und unerschütterlichen Überzeugung - und auch als Politiker, an dem sich viele Menschen gerieben hätten und der Gegenargumente scharf abwehren konnte.

Auch Juncker erinnerte an Kohls Rolle als Kanzler der deutschen Wiedervereinigung und beim Zusammenwachsen Europas. Zwischen beiden Zielen habe es für ihn keinen Widerspruch gegeben. In "geduldigen Einzelgesprächen" habe er die Skepsis in manchen europäischen Ländern gegen die deutsche Einigung abgebaut. "Er hat die Gunst der Stunde richtig eingeschätzt und genutzt." Ohne Kohl hätte es zudem den Euro nicht gegeben, sagte Juncker. "Für ihn war der Euro stets europäische Friedenspolitik mit anderen Mitteln."

Tajani lobt "Kämpfer für Freiheit und Demokratie"

Tusk nannte Kohl einen Wegbereiter der europäischen Einigung sowohl im Westen als auch im Osten des lange geteilten Kontinents. "Seine Vision ging weit über die deutschen Grenzen und die deutschen Interessen hinaus." Der Deutsche habe "verstanden, dass die ersten, die der Berliner Mauer Risse beigebracht haben, die Werftarbeiter von Danzig waren", betonte der selbst aus Danzig stammende Pole Tusk mit Blick auf die Verdienste der Gewerkschaft Solidarnosc für die demokratische Entwicklung Ost- und Mitteleuropas.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hob Mut und Tatkraft Kohls hervor. "Er war ein Kämpfer für die Freiheit und die Demokratie und einer der Protagonisten der Wiedervereinigung unseres Kontinents. Stets und überall verteidigte er die Würde des Menschen gegen Mauern, gegen eiserne Vorhänge und gegen totalitäre Regime." Kohl habe maßgeblich den Lauf der Geschichte beeinflusst, so Tajani. "Wir finden kein Kapitel der europäischen Integration, dem er nicht mutig seinen Stempel aufgedrückt hätte."

Macron: "Helmut Kohl reichte uns die Hand"

Der französische Präsident Emmanuel Macron würdigte den Altkanzler als großen Freund seines Landes. "Helmut Kohl reichte uns die Hand." Macron erinnerte an die Annäherung beider Länder in den 80er Jahren und die Nähe Kohls zum damaligen französischen Präsidenten François Mitterrand. Der 39-Jährige bekräftigte seinen Willen zur engen Zusammenarbeit mit Deutschland und Bundeskanzlerin Merkel. Auf Deutsch sagte er: "Wir haben heute überhaupt keinen Anlass zur Resignation. Wir haben vielmehr Grund zu realistischem Optimismus."

Der frühere US-Präsident Bill Clinton sagte, Kohl habe eine Welt gewollt, in der Zusammenarbeit als besser gilt als der Konflikt. "Er wollte eine Welt schaffen, in der niemand niemanden dominiert." Zum Schluss sagte Clinton: "Du hast das gut gemacht in deinem Leben. Und wir, die wir dabei sein durften, lieben dich dafür." Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew erinnerte an die engen Beziehungen Kohls zu seinem Land. Für den Altkanzler sei Russland Bestandteil eines vereinten Europas gewesen, sagte Medwedew, der in Straßburg als Privatperson sprach. "Für ihn war das ein Teil eines gemeinsamen Hauses, ohne Stacheldraht."

1.500 geladene Gäste

Erstmals wurde für einen Politiker ein solcher europäischer Trauerakt ausgerichtet. Einen deutschen Staatsakt für Kohl wird es dagegen nicht geben. Der mit einer Europaflagge bedeckte Sarg des Altkanzlers war am Morgen aus Kohls Haus in Ludwigshafen-Oggersheim getragen worden. Anschließend machte sich ein Fahrzeugkonvoi auf den Weg nach Straßburg. Kohl war 16 Jahre lang Bundeskanzler, 25 Jahre lang CDU-Vorsitzender und "Ehrenbürger Europas".

Im Dom zu Speyer hält der katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Totenmesse . Rund 1.500 geladene Gäste werden dazu erwartet. Nach einem militärischen Ehrenzeremoniell der Bundeswehr soll Kohl dann (20.30 Uhr) auf einem nahen Friedhof in Speyer im Freundes- und Familienkreis beigesetzt werden. Er wird damit nicht im Familiengrab in Ludwigshafen bestattet.

Ein Großaufgebot der Polizei mit mehr als 1.000 Beamten sichert die Trauerfeierlichkeiten. Die Beisetzung dürfte zu den größten Beerdigungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte zählen, Tausende Menschen werden dazu allein in Speyer erwartet.

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