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Von Straßburg nach Speyer - Zwei Flaggen für den Sarg des Altkanzlers

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Kanzler der Einheit, Ehrenbürger Europas: So bleibt Helmut Kohl bei vielen in Erinnerung. Beim Trauerakt soll das auch farblich zu erkennen sein. Zwei Flaggen werden seinen Sarg bedecken: in Straßburg die Europaflagge, ab Ludwigshafen dann eine Bundesdienstflagge. Die Totenmesse ist nur für geladene Gäste.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat vor dem Bundestag die historischen Verdienste des gerstorbenen früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl gewürdigt. Kohl sei "ein Glücksfall für Deutschland und für Europa" gewesen, sagte Lammert

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An der Totenmesse für Altkanzler Helmut Kohl im Speyerer Dom am 1. Juli können nur geladene Gäste teilnehmen. Ausschlaggebend seien Sicherheitsgründe, teilte das Bistum Speyer am Samstag mit. Insgesamt erstrecken sich die von Transporten unterbrochenen Trauerfeierlichkeiten für Kohl am 1. Juli über knapp zehn Stunden. Das geht aus einem Programmauszug des Trauerzeremoniells hervor, den das Bundesinnenministerium veröffentlichte.

Per Schiff nach Speyer

Demnach ist - wie bereits bekannt - von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr ein Europäischer Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg geplant, bei dem Kohls Sarg mit einer Europaflagge bedeckt sein wird. Um 14.00 Uhr wird der Sarg mit einem Hubschrauber der Bundespolizei nach Deutschland gebracht. Vom Landeplatz Ludwigshafen aus kommt der nun mit einer Bundesdienstflagge bedeckte Sarg an den Rhein und dort laut FAZ-Informationen per Schiff nach Speyer, wo um 18.00 Uhr im Dom die Totenmesse beginnen soll.

Das Requiem für Kohl wird auch im Fernsehen und auf einem Großbildschirm im südlichen Domgarten übertragen. Dort gibt es nach Angaben des Bistums rund 3.000 Stehplätze für Interessierte. Anmelden muss man sich nicht - aber rechtzeitig da sein. "Sobald die maximale Teilnehmerzahl erreicht ist, werden die Zugänge zum Domgarten nicht mehr passierbar sein", teilte das Bistum mit. Klappstühle und andere Sitzgelegenheiten sind aus Sicherheitsgründen verboten.

Die Totenmesse wird nach Angaben des Bistums eineinhalb Stunden dauern. Gegen 19.45 Uhr folgt auf dem Domvorplatz ein militärisches Abschiedszeremoniell. Etwa um 20.45 Uhr beginnt die Beisetzung im Familien- und Freundeskreis auf dem Friedhof des Domkapitels in Speyer.

Auch Trauerfeier von Hannelore Kohl in Speyer

Die Trauerfeier für Kohls erste Frau Hannelore vor 16 Jahren im Speyerer Dom hatten etwa 1.500 Menschen verfolgt - Trauergäste, Schaulustige und Journalisten. Die einstige Kanzlergattin hatte sich am 5. Juli 2001 nach langer Krankheit das Leben genommen. Sie war im Familiengrab der Kohls in Ludwigshafen-Friesenheim beigesetzt worden.
Kohl selbst hatte laut Bistum Speyer darum gebeten, auf dem Friedhof des Domkapitels beerdigt zu werden.

Helmut Kohls letzte Ruhestätte liegt in einem grünen Idyll mitten im Herzen der Domstadt Speyer. Es ist ein Platz an der Schnittstelle zwischen Kirche und säkularer Welt, umgeben von großen alten Bäumen, bunten Blumen und einem kleinen Spielplatz in der Nähe. "Nah bei die Leut'", wie die Menschen hier sagen. Aber auch nicht allzu nah. Die Grabstelle des Altkanzlers liegt auf dem sogenannten Kapitelsfriedhof, am Rande des Adenauer-Parks.

Die etwa zehn mal acht Meter große Sandfläche ist erst vor wenigen Tagen gerodet worden und liegt noch brach. Vögel zwitschern, der Lärm der Straßen dringt nur gedämpft hierher. "Da ist Ruhe und Frieden", sagt eine 68-jährige Frau, die in der Nähe wohnt und oft im Park ist. "Da ist er erlöst."

"Symbol für Friede und Aussöhnung"

Die Wahl des Ortes hat Symbolkraft. Zwar liegt Kohls Grab nicht in der Nähe des Domes, dem er sich besonders verbunden fühlte. Aber eine Verbindung zu der fast 1.000 Jahre alten Kathedrale gibt es trotzdem.

Kohl wird auf dem Friedhof des Domkapitels beigesetzt. Hier liegen Männer, die mit der Verwaltung der Kathedrale oder dem Gottesdienst zu tun hatten. Die Grabsteine der zuletzt gestorbenen Geistlichen sind nur wenige Meter von Kohls letzter Ruhestätte entfernt, die direkt an den Park grenzt.

Ebenfalls nur wenige Meter entfernt ist die Friedenskirche St. Bernhard, die Friedhofskirche des Domkapitels. Das Anfang der 50er Jahre in hellem und rotem Sandstein errichtete Gotteshaus entstand aus einem Geist heraus, der auch Kohls Politik geprägt hat. Sie wurde von Franzosen und Deutschen als "Symbol für Friede und Aussöhnung" gebaut, wie es heißt. Bei der Grundsteinlegung 1953 waren Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und der frühere französische Ministerpräsident und Außenminister Robert Schumann dabei.

"Er ist ja kein Papst oder sonst was"

Damit Kohls Grab auf dem Gelände Platz findet, wurden einige Büsche und Teile eines Zauns entfernt, der den Friedhof vom Adenauer-Park abgrenzt. Auch drei Gedenksteine seien versetzt worden, berichtet der Sprecher des Bistums Speyer, Markus Herr. Nach seinen Worten hat die Kirche die Fläche für das Grab zur Verfügung gestellt. Um die übrigen Dinge - etwa vorbereitende Arbeiten und Grabpflege - kümmerten sich Stadt und Familie.

Stadtsprecher Nowack sagt, die städtische Friedhofsverwaltung erledige die Arbeiten im Auftrag des Domkapitels. Kohls Grab soll vom Park aus zugänglich sein, während es vom Kapitelsfriedhof wohl abgegrenzt wird. "Es bleibt aber Fläche des Domkapitels", sagt Nowack. Wer die Kosten für die Pflege übernimmt, ist noch nicht entschieden. Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) hat lokalen Medien gesagt, die Stadt werde sich an der Pflege beteiligen. "Man muss es als Ehrengrab betrachten", sagt Nowack. Die Stadt werde ihren Beitrag leisten. Eine Ratssitzung zu dieser Frage gab es noch nicht.

Dass Kohl nicht im Familiengrab in Ludwigshafen beerdigt werden soll, wo seine erste Frau Hannelore begraben ist, hat so manchen überrascht. In Speyer stößt die Entscheidung für den Kapitelsfriedhof auf unterschiedliche Resonanz. "Ich finde es schön", sagt eine 68-jährige Parkbesucherin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Aber dass Kohl unter lauter Geistlichen liege werde, wolle ihr nicht in den Kopf. "Er ist ja kein Papst oder sonst was."

"Ich hoffe, der Park bleibt ruhig"

Der zwischen befahrenen Straßen in Bahnhofsnähe gelegene Park ist ein beliebtes Ziel für Menschen, die Ruhe und Entspannung suchen oder nur für sich sein wollen. Eine junge Mutter sitzt mit ihrer sieben Monate alten Tochter auf einer Decke. Sie wohnt nach eigenen Angaben in der Nähe. "Ich kann verstehen, dass man hier seine letzte Ruhe haben will", sagt die 31-Jährige. Und: "Ich hoffe, dass der Park so schön ruhig bleibt wie bisher."

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