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Erfolgreiche Strategie - Kim Jong Un als Gipfelgewinner

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Noch bevor das historische Treffen in Singapur losgeht, steht der Gewinner fest. Kim Jong Un hätte vermutlich selbst kaum geglaubt, wie leicht er auf diesem Gipfel punkten kann.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Archivbild
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat sein Hauptziel schon vor dem Gipfel erreicht. (Archivbild) Quelle: -/KRT via AP Video/dpa

Ein Treffen auf Augenhöhe mit dem amerikanischen Präsidenten war seit Jahrzehnten das große Ziel der Kims. Kim Jong Uns Vater Kim Jong Il, sein Großvater Kim Il Sung, alle haben sie versucht, dem mächtigsten Mann der Welt von gleich zu gleich zu begegnen. Das Ziel war damals wie heute das gleiche: die Anerkennung Nordkoreas als ernstzunehmende Atommacht, Verhandlungen über die Nachkriegsordnung auf der koreanischen Halbinsel und wirtschaftliche Zugeständnisse.

Um Genau darum wird es Kim bei diesem Treffen gehen. Und er hat gute Chancen, dass er zumindest einen Teilerfolg erringen wird. Trump war bereit zu diesem Treffen, ohne dass Kim dafür viel hätte liefern müssen. Nordkorea hat sein Atomwaffentestgelände gesprengt, von dem viele glauben, dass es sowieso schon unbrauchbar war, es hat amerikanische Gefangene freigelassen. In der entscheidenden Frage der Denuklearisierung aber hat Kim nichts Konkretes versprochen. Er kann bei den Gesprächen in Singapur seine Atomwaffen dafür nutzen, wofür sie unter anderem immer gedacht waren: als Drohpotential für Verhandlungen, um möglichst viel herauszuholen. 

Trump in der Pflicht

Bei diesem Gipfel muss Trump liefern, allein schon weil er sich als amerikanischer Präsident auf dieses Treffen überhaupt eingelassen hat. Kim muss nicht liefern, er hat den ersten Preis schon gewonnen, eben das Treffen selbst. Nordkoreas staatliche Propaganda vermittelt genau das schon jetzt der eigenen Bevölkerung. Die "veränderte Ära", von der da die Rede ist, bedeutet in der Lesart des Regimes dies: Nordkorea hat es in den letzten zwei, drei Jahren geschafft, sein Atom- und Raketenprogramm so weit fortzuentwickeln, dass es machtvoll genug ist für dieses Treffen, machtvoll genug um nicht mehr nur zu drohen und zu provozieren, sondern um zu verhandeln. 

Kim Jong Un lässt wieder Panzer durch Pjöngjang rollen.
Waffen stützen Kims Verhandlungsstrategie Quelle: Uncredited/Paektu Cultural Exchange/dpa

So hat es Kim Jong Un schon vor Jahren seinen Topdiplomaten als geheime Verhandlungsstrategie aufgegeben: Wir setzen uns erst an einen Tisch, wenn wir stark genug sind. Und: Verhandelt wird nur über atomare Abrüstung, nicht über die vollständige Aufgabe des Atomarsenals. Wer genau hinhört bei nordkoreanischen Äußerungen merkt, dass immer noch genau das gilt. Dass sich da ein Szenario entfaltet, auf das Kim Jong Un möglicherweise immer schon hingearbeitet hat. 

Jedes Zugeständnis in der Atomfrage wird Kim sich teuer abtrotzen lassen. Als Herrscher einer Atommacht geht es ihm jetzt um die wirtschaftliche Entwicklung, die er der eigenen Bevölkerung seit langem versprochen hat. Die kann es nur mit den USA geben, mit einer Erleichterung bei den Sanktionen, mit Wirtschaftshilfen. 

Feindbild Amerika

Wenn man sich vorstellt, wie Kim und Trump noch vor wenigen Monaten übereinander herzogen und sich bedrohten, ist der Gipfel in Singapur eine Sensation. Überall in Pjöngjang sieht man martialische Propagandabilder, in denen Nordkoreaner ein imperialistisches Amerika zurückschlagen. Es gibt Museen, in denen die Schlachten gegen Amerika gefeiert werden. In Nordkoreas Hauptstadt, in den Reden der Kims, waren die USA allgegenwärtig als der große Feind. Sie dienten auch als Rechtfertigung für all die Härten, die Verfolgung und Repression, die Militarisierung eines ganzen Landes. 

Daran wird sich so schnell vermutlich nichts ändern, denn darauf beruht unter anderem auch Kims Herrschaft. Immerhin aber bietet der Gipfel eine Chance, dass die Feindbilder zurücktreten. Dass Nordkorea abrüstet, sich öffnet. Das wäre dann in der Tat auch ein Gipfelgewinn für Donald Trump.

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