Sie sind hier:

Nach Gipfel von Trump und Kim - Skepsis überwiegt an Finanzmärkten

Datum:

Nach dem historischen Treffen zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un und Donald Trump haben Finanzakteure verhalten reagiert. Konjunkturdaten fielen enttäuschend aus.

Brooker an der Börse in New York
Brooker an der Börse in New York Quelle: epa

Das Ziel ist gesetzt, die ersten Pflöcke sind eingeschlagen – zumindest auf dem Papier: US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un streben die nukleare Abrüstung Nordkoreas an. Das hat in einer ersten Reaktion an den Finanzmärkten für etwas Erleichterung gesorgt: Der japanische Nikkei-Index legte moderat zu und der deutsche Leitindex Dax startete – zunächst – mit Gewinnen in den Tag.

Treffen "zur Kenntnis genommen"

Die allerdings verpufften allmählich wieder. Denn bis die Pläne sich konkretisieren, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Und die doch eher sprunghafte Art des US-Präsidenten bestärkt die Zweifel daran, was am Ende tatsächlich das Resultat dieses Gipfels sein wird. "Zumindest verlief das Zusammenkommen ohne größere 'Unfälle'", sagt Thomas Metzger aus dem Bankhaus Bauer. "Das wird von den Marktteilnehmern mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen, nach dem doch etwas aus dem Ruder gelaufenen G7-Gipfel."

Auch am Devisenmarkt gab es zunächst eine positive Reaktion – dort stieg der amerikanische Dollar etwas an, doch auch hier war der kleine Höhenflug nicht von allzu langer Dauer. Ein Händler auf dem Frankfurter Börsenparkett formuliert das ziemlich unprätentiös: Man habe das Treffen zur Kenntnis genommen – nun gehe es weiter mit der Tagesordnung.

Sorgen über Welthandel trüben Aussichten

Auf der stand heute unter anderem der ZEW-Index. Das Stimmungsbarometer gilt nach dem Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigster Konjunkturindikator. Er misst die Stimmung von Börsenprofis, also institutionellen Anlegern und Analysten. Und die ist nicht eben gut: Die Finanzakteure beurteilen die Aussichten für die deutsche Wirtschaft so schlecht wie zuletzt vor sechs Jahren.

Und wieder ist es Donald Trump, der das Epizentrum der Sorgen darstellt. In diesem Fall selbstredend nicht als angehender Friedensstifter, sondern als Unruhestifter im Welthandel. "Die jüngste Eskalation im Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten sowie Befürchtungen einer das Finanzsystem destabilisierenden Politik der neuen italienischen Regierung hinterlassen ihre Spuren im Konjunkturausblick für Deutschland", erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach den Rückgang des Indexes.

Zollstreit könnte eskalieren

Die neue Regierung in Italien – eine Koalition aus der populistischen 5-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega Nord – hat viele Wahlversprechen gemacht. Und die könnten teuer werden. Deswegen befürchten viele Beobachter, dass der italienische Schuldenberg weiter wachsen könnte – in noch ungesundere Höhen.

Vor allem aber der Eklat nach dem G7-Gipfel hinterlässt Sorgenfalten auf der Stirn von Finanzmarktteilnehmern. Dort war Trump früher abgereist; und hatte seine Berater noch aus dem Flugzeug angewiesen, ihre Unterschrift unter das Abschlussdokument zu verweigern. Im Kern geht es um die Strafzölle auf Stahl- und Aluminium, die die USA eingeführt haben. Die gelten nun auch für Einfuhren aus den Ländern der Europäischen Union. Die EU wird mit Gegenzöllen reagieren – auf US-Produkte wie Markenjeans, Orangensaft oder Whiskey.

Wirtschaftsdaten enttäuschend

Trump hat seine Behörden nun bereits angewiesen zu überprüfen, ob die USA auch Strafzölle auf Autos einführen können. Der Handelsstreit könnte angesichts des impulsiven US-Präsidenten also schnell eskalieren. Das würde die Deutsche Wirtschaft und die deutschen Autobauer ziemlich direkt treffen: Während das Ifo-Institut die wirtschaftlichen Folgen der Stahlzölle für überschaubar hält, schätzt Ifo-Außenhandelsexperte Gabriel Felbermayr die Kosten im Falle von Autozöllen auf rund fünf Milliarden Euro. Denn Trump will in diesem Fall offenbar nicht kleckern, sondern klotzen: 25 Prozent Strafzölle auf Autos und Autoteile schweben dem Mann im Weißen Haus vor.

Neben diesen Unsicherheiten sind zuletzt aber auch Wirtschaftsdaten aus Deutschland eher enttäuschend ausgefallen. Die Exporte, die Industrieaufträge aber auch Daten zur Produktion hierzulande haben im April den Rückwärtsgang eingelegt. "Der Ausblick für die nächsten sechs Monate hat sich in Folge deutlich verschlechtert", sagte ZEW-Chef Achim Wambach.

Diesem Befund stimmt mit Einschränkung schließlich auch die Industriestaaten-Gruppe OECD zu. Sie spricht mit Blick auf den Jahresbeginn von einer "etwas schwierigen und holprigen Phase" für die deutsche Wirtschaft. Immerhin aber ein Lichtblick: Die OECD hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum für dieses Jahr bei 2,1 Prozent belassen.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.