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Klimawandel - CO2-Ausstoß steigt - Forscher warnen

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Aktuelle Studien zeigen: Der CO2-Ausstoß ist im Jahr 2017 wieder gestiegen. Forscher warnen: Es gebe ein "nie da gewesenes Risiko für die Menschheit durch die globale Erwärmung".

Archiv: Smog in Shanghai (China)
Archiv: Smog in Shanghai (China) Quelle: reuters

Zum Auftakt der zweiten Verhandlungswoche bei der UN-Klimakonferenz in Bonn haben international renommierte Wissenschaftler eindringlich schnelle und umfangreiche Maßnahmen gegen die Erderwärmung angemahnt. Es gebe erwiesenermaßen ein "nie da gewesenes Risiko für die Menschheit durch die globale Erwärmung", erklärte der Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, am Montag. Die Menschen müssten ihr kurzsichtiges Konsumverhalten überdenken, um ihren Fortbestand nicht weiter zu gefährden.

Forscher: Klimawandel wird noch schlimmer werden

"Es gibt keinen Platz für Selbstzufriedenheit", erklärte der Vorsitzende des internationalen Wissenschaftler-Zusammenschlusses Earth League, Johan Rockström. Der Klimawandel habe bereits gefährliche Auswirkungen und werde voraussichtlich "noch viel schlimmer werden". Schellnhuber und Rockström sowie die Chefin der Forscherinitiative Future Earth, Amy Luers, überreichten der UN-Klimasekretärin Patricia Espinosa und den Verhandlungsdelegationen in Bonn eine Zusammenstellung der zehn entscheidenden wissenschaftlichen Befunde zum Klimawandel. "Einige entscheidende Fakten zum Klimawandel gehen im Lärm der täglichen Verhandlungen leicht verloren - selbst bei einem Ereignis wie dem UN-Klimagipfel", erklärte Schellnhuber die Initiative.

In ihrer Auflistung legen die Wissenschaftler dar, dass vieles dafür spreche, vom Anthropozän zu sprechen - einem neuen Erdzeitalter, in dem die Menschen die biologischen, chemischen und physikalischen Gegebenheiten auf der Erde sehr stark beeinflussen und dadurch die Lebensbedingungen rasant verändern. Dies werde etwa an dem Anstieg der Meeresspiegel und der Versauerung der Meere deutlich.

Weiter heißt es, die Erde nähere sich sogenannten Kipp-Punkten ("Tipping points"), bei deren Überschreiten abrupte und potenziell unumkehrbare Veränderungen in Ökosytemen wie der Arktis oder dem Amazonas-Gebiet drohten. Dass die Treibhausgasemissionen nach dreijähriger Pause nun wieder gestiegen seien, sei daher "für die Menschheit ein riesiger Satz zurück", erklärte Luers.

Studien: CO2-Ausstoß legt um etwa zwei Prozent zu

Forscher der Wissenschaftler-Gruppe "Global Carbon Project" hatten am Montag während der Klimakonferenz in Bonn erklärt, dass "das Plateau der vergangenen Jahre nicht der Höhepunkt der Emissionen war". Ihnen zufolge werde der globale CO2-Ausstoß im Jahr 2017 um etwa zwei Prozent zulegen. Hauptverursacher sei China, das allein etwa 3,5 Prozent mehr ausstoßen werde. Das Land ist mit fast 30 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes der größte Treibhausgas-Produzent der Erde. Zum Vergleich: Die USA tragen knapp 17 Prozent bei, Deutschland etwas über zwei Prozent.

In Indien sei der Anstieg mit zwei Prozent geringer, was vermutlich auf eine gegenwärtige wirtschaftliche Schwäche in dem Land zurückzuführen sei. Wenn sich die Wirtschaft schnell erhole, dürften die CO2-Emissionen im Jahr 2018 auch dort rasch wieder ansteigen. In Europa und den USA sind die Emissionen hingegen zurückgegangen, mit einer Abnahme von geschätzt 0,2 und 0,4 Prozent allerdings viel zu langsam, um dem Anstieg in anderen Regionen der Welt etwas entgegenzusetzen, schreiben die Forscher im Journal "Environmental Research Letters".

Überraschende Fakten zum Klimawandel

Forscher: Klimawandel verschärft Fluchtbewegungen

In der Auflistung der wissenschaftlichen Befunde zum Klimawandel wird hervorgehoben, dass die folgenschwere Hurrikan-Saison in diesem Jahr einen Vorgeschmack gegeben habe auf die "erhöhten Risiken durch Wetterextreme". Der Klimawandel mache sich wirtschaftlich bereits bemerkbar und die Hauptlast dabei trügen die ärmsten Länder. Schellnhuber und seine Kollegen warnten die Verhandler in Bonn, dass der Klimawandel Fluchtbewegungen, Unruhen und Konflikte verschärfe. Bereits 2015 seien weltweit 19 Millionen Menschen wegen Naturkatastrophen und extremen Wetterlagen auf der Flucht gewesen. Diese Zahl werde wahrscheinlich weiter steigen.

Die internationale Gemeinschaft müsse nun schnell handeln, forderten die Forscher. Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht zurückgehe, sei das CO2-Budget für eine Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels bereits in etwa 20 Jahren verbraucht. Der Höhepunkt der Emissionen müsse bereits 2020 erreicht werden, um sie bis etwa 2050 auf null zurückzufahren. "Als einfache Faustregel bedeutet das jedes Jahrzehnt eine Halbierung der weltweiten Emissionen", erklärten die Forscher. Eine Dekarbonisierung sei auch wirtschaftlich attraktiv, ein Festhalten an fossilen Energieträgern ziehe hingegen hohe Kosten nach sich, hoben die Wissenschaftler hervor. Doch auch wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht würden, dürfe die internationale Gemeinschaft Vorsorge- und Anpassungsmaßnahmen nicht vergessen, um sich vor den Folgen der Klimaveränderungen zu schützen, die bereits im Gange seien.

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