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Trend "Crowdfarming" - Orangenbaum adoptieren - und kiloweise ernten

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Bio-Orangen direkt vom Bauern - per "Crowdfarming": Auf einer spanischen Plantage kann man einen Orangenbaum "adoptieren" und sich die Ernte direkt nach Deutschland liefern lassen.

Rund 300 Euro im Monat geben wir Deutschen allein für Lebensmittel aus. Doch was im Korb landet, bestimmt der Handel. Muss das so sein? "plan b" schaut über den Rand des Einkaufskorbs.

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Woher kommen eigentlich die Lebensmittel, die wir jeden Tag konsumieren? Wer produziert unter welchen Bedingungen die Orangen, den Honig oder den Käse in unserem Kühlschrank? Mehr Kontrolle und Einflussmöglichkeiten darüber wünschen sich immer mehr Kunden. Denn: Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten bieten maximale Transparenz, aber eben auch maximale Arbeit. Und auch der Bauernladen mit regionalem Angebot liegt längst nicht bei jedem um die Ecke. Mal abgesehen davon, dass Lebensmittel wie Oliven, Orangen oder Kaffee in Deutschland eben einfach nicht wachsen.

Ein unkonventioneller Weg zu mehr Transparenz zwischen Erzeuger und Konsument ist das sogenannte Crowdfarming. "Crowdfarming", das lässt sich frei übersetzen mit "gemeinsamer Landwirtschaft". Gemeint ist: Produzent und Kunde gehen eine Gemeinschaft ein. Der Erzeuger produziert seine Ware direkt für den Konsumenten, erntet zum Beispiel nur bei Bestellung. Keine Zwischenhändler. Eine transparente Lieferkette.

Baumpatenschaften retten Orangenplantage

Gabriel (l). und Gonzalo (r.) Urculo
Gabriel und Gonzalo Úrculo.
Quelle: ZDF/Jens Lindemann

Der Erfinder des "Crowdfarming" ist Gonzalo Úrculo. Er übernahm vor einigen Jahren gemeinsam mit seinem Bruder die Orangenplantage seines Großvaters im spanischen Bétera bei Valencia, völlig heruntergewirtschaftet. Schnell wurde klar: Um im herkömmlichen Handel zu bestehen, müssten ihre Orangen vor allem eins sein: billig. Faire Löhne oder gar Bio-Anbau waren so kaum möglich. Er beschloss, das Pferd von hinten aufzuzäumen, vom Verbraucher her. Seitdem kann jeder bei ihm die Patenschaft für einen Orangenbaum übernehmen, sogar mit Wunschnamen für den persönlichen Setzling.

Im ersten Jahr zahlt der Kunde 80 Euro, ab dem zweiten Jahr 60 Euro. Im Umkehrschluss erhält man 80 Kilo Orangen von einem ausgewachsenen Baum nach Hause geliefert, in mehreren Chargen. Frisch gepflückt, ohne Wachse oder Pestizide. Zehntausend Kilo Orangen verschicken die Spanier an Spitzentagen, rund 80 Prozent der Kunden sind Deutsche. Um den CO2-Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, errechnen sie mit ausgeklügelter Logistik die effizienteste Route zu den Verteilerzentren.

Mehr Planbarkeit für Landwirte, weniger Lebensmittelabfall

Orangen an einem Orangenbaum
Orangen an einem Orangenbaum.
Quelle: mev

Man muss Orangen schon sehr lieben, um 80 Kilo im Jahr zu verbrauchen. Oder viele Freunde haben, mit denen man die Ernte teilt. Doch die Grundidee ist interessant: Dank des garantierten jährlichen Einkommens können die Farmer besser planen, Arbeitskräften feste Verträge anbieten. Weil nur auf Bestellung geerntet wird, vermeidet das Lebensmittelabfall. Die energieintensive Zwischenlagerung der Lebensmittel in Kühlhäusern entfällt. Die Lieferkette schrumpft auf ein Minimum, weil Zwischenhändler entfallen. Das schafft Transparenz. 

Gonzalo Úrculo hat seine Idee vom Crowdfarming inzwischen auf größere Füße gestellt, ein ganzes Netz an Crowdfarmern aufgebaut: Erst überzeugte er Landwirte aus der Region, sich mit ihren Produkten wie Oliven, Granatäpfeln oder Wein zu beteiligen. Inzwischen bieten auf einer Plattform verschiedene Farmer aus unterschiedlichen Ländern ihre Produkte von Kaffee bis Merinowolle an. Hier kann man Bienenstöcke, Bäume oder gar Schafe zur Adoption auswählen und sich über den Anbieter und dessen landwirtschaftliche Methoden genauer informieren.

Eins allerdings muss klar sein: Wer sich auf mehr Nähe zur Landwirtschaft einlässt, der lässt sich auch auf die Kreisläufe der Natur ein. Ist die Saison zu Ende, gibt es keine Lieferung. Zerstört Regen oder Dürre die Ernte, dauert es bis zur nächsten Lieferung entsprechend länger. Den Weg in den Supermarkt ersetzt Crowdfarming also nicht. Für den, der direkten Kontakt zum Erzeuger schätzt, kann das Prinzip trotzdem spannend sein.

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