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Trend zur Vernetzung - Herausforderung Megacities

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Weltweit findet die größte Landflucht der Geschichte statt. Es entstehen immer mehr Megacities. Viele stehen vor dem Kollaps. Lösungen sind dringend gefragt.

Fußgänger im nächtlichen Schanghai
Fußgänger im nächtlichen Schanghai Quelle: reuters

Schon jetzt gibt es weltweit über 25 Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern - im Fachjargon als "Megacities" bezeichnet. Und die Anzahl solcher Megastädte wird weiter wachsen, denn der Zustrom der Menschen hält an. Das geht aus den neuesten Report "World Urbanization Prospects 2018" der Vereinten Nationen hervor. Im Jahr 2050 werden, so der Report, zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Tokio ist weltweit die größte Stadt mit 37 Millionen Einwohnern, gefolgt von Delhi (29 Millionen), Schanghai (26 Millionen) und Mexico City sowie São Paulo (jeweils rund 22 Millionen).

Die Vereinten Nationen erwarten, dass die Ballungsräume in Afrika und Asien in den kommenden Jahren eine ungeahnte Zahl an Menschen anziehen werden. Auf Europa bezogen erwarten die Experten, dass London 2030 als vierte Metropole neben Istanbul, Moskau und Paris mit einer Bevölkerung von mehr als 10 Millionen Menschen zur Megastadt wird.

Wohnhäuser in der Favela Santa Marta
Viele Megacities stehen vor dem Kollaps. Beispielhaft hierfür ist Rio de Janeiro.

Es sind vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer, die vom rasanten  Verstädterungsprozess betroffen sind. In China und Indien boomt die Wirtschaft, so dass die Landbevölkerung dem Arbeitsplatzangebot in der Stadt folgt. Die Infrastruktur der Städte kann den Ansturm schon jetzt nicht mehr verkraften, viele Megacities stehen vor dem Kollaps. Beispielhaft hierfür ist Rio de Janeiro. In den Armenvierteln der Millionenstadt, den Favelas, sind Personenverkehrssysteme, sanitäre Einrichtungen sowie die Wasserversorgung in einem katastrophalen Zustand. Tragfähige Konzepte sind also dringend gefordert.  

Intelligente Strategien 

In China geht die Regierung einen neuen Weg, um die Flucht Hunderter Millionen Menschen vom Land zu kanalisieren. Sogenannte Entlastungsstädte um die Megacities sollen die Nachfrage an Wohnraum stillen. Derzeit entstehen rund um Peking mehrere Großstädte, die zu einer Großregion verschmelzen. Dort werden dann mehr als 100 Millionen Menschen leben. Elektromobilität und der Bau riesiger Solaranlagen sind dabei Pflicht. Und Chinas Regierung stellt eine weitere Anforderung an Stadtplaner: die Ausweisung von ausreichend Grünflächen. Die deutsche Professorin Dita Leyh plant als Stadtplanerin eine Reihe neuer chinesischer Großstädte. "Der Grünanteil einer neuen Stadt liegt bei mindestens 30 Prozent. Man sollte aber Ökologie und Nachhaltigkeit nicht auf den Grünanteil reduzieren. Der reine prozentuale Anteil sagt nichts über die Qualität aus, auch in ökologischer Hinsicht. Wichtiger ist die Verknüpfung der Grünflächen, ihre Nutzbarkeit, ihre Anordnung und die Art der Bepflanzung", erklärt die Architektin.      

Solarautobahn in China
Solarautobahn in der chinesischen Provinz Shandong (Archivbild vom 28. Dezember 2017) Quelle: Imago

Die chinesische Provinz Shandong wartet mit einer besonderen stadtplanerischen Strategie auf: der ersten Solarautobahn. Die Fahrbahn besteht aus einer teerähnlichen Schicht, welche transparent ist und das Sonnenlicht auf aneinandergereihte Silikonsolarmodule durchfallen lässt. Ein Solarkraftwerk verknüpft mit einem Verkehrskonzept - der urbane Raum setzt mehr und mehr auf High-Tech.

Smart Cities       

Mit Hilfe digitaler Technik sollen Großstädte ressourcenschonender, grüner und lebenswerter werden. Für Steffen Braun vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation sind Smart Cities intelligente Städte: "Sie bringen ganz neue Werkzeuge für eine nachhaltige Stadtentwicklung mit sich, indem Verkehre für Mobilität und Logistik effizienter gesteuert oder auch teilweise vermieden werden."

Bestes Beispiel dafür ist etwa die südkoreanische Planstadt Songdo. In der vollvernetzten Stadt erfassen Tausende Sensoren und Kameras das Leben der Bewohner. So wird etwa der Füllstand der Müllcontainer an die Stadtwerke gemeldet, damit die Müllfahrzeuge ihre Routen effizienter planen können.

Stadtansicht Kopenhagen
Kopenhagen hat eine Führungsrolle eingenommen - vieles funktioniert hier mit Hilfe digitaler Vernetzung. Quelle: dpa

Eine Smart-City-Bewegung gibt es auch in Europa. Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen hat hierbei eine Führungsrolle eingenommen. Abfallwirtschaft, Heizung Wassermanagement und Energie - alles funktioniert hier mit Hilfe digitaler Vernetzung. Und auch in Deutschland wird das Smart-City-Konzept schon umgesetzt: "Die Stadt Hamburg hat bereits früh die Vision der 'Digitalen Hauptstadt' ‚ mit zahlreichen Pilotprojekten in und um den Hafen entwickelt", meint Steffen Braun vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Auch München und Reutlingen setzen die Smart-City-Idee um. Allerdings können sich bei einer digitalen Stadt auch unerwünschte Nebenwirkungen einstellen: "Eine Gefahr ist die Verletzlichkeit eines nur auf Digitalisierung basierenden Systems, beispielsweise der Zusammenbruch des Netzes, Hackerangriffe etc. und die damit verbundene Kontrolle über Datensammlungen und Auswertungen", meint die Stadtplanerin Dita Leyh.      

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