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Stress um Trompetenspiel - Vom Tuten und Blasen: BGH schafft Klarheit

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Der eine macht seinen Job. Nachvollziehbar. Der andere will daheim Ruhe haben. Verständlich. Nur ist der eine Berufs-Trompeter, der andere sein Nachbar. Jetzt entscheidet der BGH.

Trompete
Wenn der Nachbar trompetet, sind nicht alle begeistert.
Quelle: imago

Zu den größten Stressfaktoren zählt landauf, landab der Lärm. Ob von Autos, Straßen oder Baustellen - es nervt, wenn man nicht mal abschalten, beispielsweise auch in Ruhe mal ein Buch lesen kann. Auch normale Geräuschbelästigungen können das Zusammenleben in der Mietwohnung und in der Nachbarschaft beeinträchtigen - dann zum Beispiel wenn Kinder spielen, Keyboard geübt oder der Subwoover einfach mal auf seine Stärke getestet wird. Da oft das besonnene und verständnisvolle Gespräch mit dem Nachbarn ausbleibt, werden Gerichte eingeschaltet. Die müssen dann klären, was noch erlaubt ist und was gar nicht mehr geht. In den letzten Jahren hat sich so eine ziemliche Kasuistik entwickelt - immer mehr Einzelfälle wurden entschieden. Nun wird am Bundesgerichtshof (BGH) ein weiterer dazukommen. Es geht um das Trompetenspiel in einem Reihenhaus - seit drei Jahren läuft der Zivilstreit.

Der Fall spielt in Süddeutschland in zwei Reihenhäusern. Seit Jahren sind der Beklagte, ein Berufsmusiker, der im Orchester eines Theaters Trompete spielt, und der Kläger, sein nebenan lebender Nachbar, sich wegen des oft stundenlang andauernden Spiels des Blechblasinstruments uneins.

Die Faktenlage

Der Musiker übt und musiziert im Erdgeschoss sowie in einem gesonderten Probenraum im Dachgeschoss seines Reihenhauses. Das macht er maximal drei Stunden an zwei Tagen in der Woche - er hält sich an die Mittags- und Nachtruhe. Hinzu kommen noch zwei Stunden privater Unterricht für Schüler. Für den Kläger zu viel: Er verlangt das Ergreifen geeigneter Maßnahmen, damit das Spielen von Musikinstrumenten auf seinem Anwesen nicht wahrgenommen werden kann.

Entscheidungen von Amtsgericht und Landgericht

Diesem Antrag folgt das Amtsgericht (AG), gibt dem klagenden Nachbarn Recht. Doch der Trompeter bläst zur Berufung. Auch unter Einbeziehung eines Ortstermins urteilt das Landgericht (LG): Er darf zwar mehr spielen, zehn Stunden pro Woche, aber nur noch im Dachgeschoss. Und er darf daheim auch keine Schüler mehr unterrichten. Ob man Unterlassung verlangen kann, richte sich nach dem Empfinden eines Durchschnittsmenschen, sagen die Richter am LG. Und beim Blasen im Erdgeschoss höre man nebenan mehr als im Dachboden - deswegen die Verbannung nach oben.

Nun der BGH

Zwei Instanzen haben geurteilt, konnten aber keine Klarheit schaffen. Musiker und Nachbar haben gegen das Urteil Revision eingelegt. Für den Musiker ist die Verbannung auf den Dachboden ein Verstoß gegen das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Und für den Nachbarn ist das instrumentenbedingt ziemlich geräuschvolle Trompetenspiel keine sozialadäquate Hausmusik, da das Üben besonders intensiv ausfalle.

Fälle aus der Praxis

Ein Blick in die bisherige Rechtsprechung der Republik bietet nur begrenzt Orientierungshilfe. Bei einem Akkordeonspieler gestatteten die Richter am LG Kleve ein tägliches Üben von eineinhalb Stunden - unter Beachtung der täglichen Ruhe- und Nachtzeiten versteht sich. Bei einem Schlagzeuger in einer Mietwohnung gewährte das LG München I ein tägliches Spielen nachmittags - bis auf sonntags - von 30 Minuten.

Durchaus möglich, dass der BGH in diesem Fall die Hellhörigkeit der Reihenhäuser ebenso wie den Schallschutz zur Erbauungszeit noch besonders in den Blick nimmt. Das hatten weder AG noch LG im Detail geprüft. So oder so - nach einer Entscheidung wird die umfangreiche Fallrechtsprechung um einen höchstrichterlichen Spruch reicher.

Christoph Schneider ist Redakteur der ZDF-Redaktion Recht & Justiz.

Ohr mit Trompete

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