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Wie gefährlich ist die Hyalomma-Zecke?

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Tropische Zecke in Deutschland - Wie gefährlich ist die Hyalomma-Zecke?

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Mehrfach wurde in diesem Jahr die tropische Hyalomma-Zecke gefunden. Sie kann Tropenkrankheiten übertragen. Doch wie gefährlich ist die "Riesenzecke" wirklich?

Holzbock und Hyalomma.
Die Hyalomma-Zecke ist doppelt bis dreimal so groß wie die Holzbock-Zecke und kann für Menschen gefährliche Krankheiten übertragen.
Quelle: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa

Wer jetzt in der Ferienzeit viel draußen ist, könnte einem neuen Krabbeltier begegnen: Denn die gute alte Holzbock-Zecke, die vor allem im Süden Deutschlands lebt, hat Besuch von einer Verwandten bekommen: der tropischen Hyalomma-Zecke mit gelb-braun geringelten Beinen. Diese Zeckenart ist doppelt bis dreimal so groß wie der Holzbock und kann für Menschen gefährliche Krankheiten übertragen.

Während in den Jahren 2015 und 2017 in Deutschland jeweils ein Exemplar der tropischen Zecke mit den gelb-braun geringelten Beinen gefunden worden ist, waren es 2018 sieben Tiere. Dieses Jahr wurden nach den ersten heißen Tagen bereits sechs dieser großen Zecken gesichtet. Wissenschaftler der Universität Hohenheim wollen herausfinden, ob die Hyalomma-Zecke tatsächlich bei uns Fuß gefasst hat und welche Krankheitserreger sie in sich trägt. Dafür bitten sie die Bevölkerung um Hilfe.

Wie gefährlich ist die Hyalomma-Zecke?

In ihrer Heimat Afrika, Asien, Südamerika und Südeuropa kann die Hyalomma-Zecke Erreger des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und des Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers von einem Wirt zum nächsten übertragen. Beide Krankheiten sind lebensbedrohlich und hoch ansteckend, Impfstoffe gegen diese Viren gibt es nicht.

"Bei den in Deutschland gefundenen Exemplaren haben wir diese Erreger nicht gefunden", sagt Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Uni Hohenheim, "allerdings sind bei einigen der im vergangenen Jahr gefundenen Exemplare sogenannte Rickettsien nachgewiesen worden." Diese Bakterien können eine Form des Zecken-Fleckfiebers verursachen, das unbehandelt tödlich sein kann. Die Hohenheimer Wissenschaftler haben sie bei der Hälfte der bislang 18 untersuchten Exemplare nachweisen können.

Kann sie hier Krankheiten aus ihrer Heimat einschleppen?

Die Hyalomma-Zecke hat in Deutschland überwintert. Archivbild
Die Hyalomma-Zecke hat in Deutschland überwintert. Archivbild
Quelle: Andrea Schnartendorff/Robert Koch-Institut/dpa

Eingeschleppt werden die Hyalomma-Zecken von Zugvögeln, die im Frühjahr aus dem Süden zurückkehren. "Sie suchen sich einen Vogel als Wirt und bleiben dort 28 bis 30 Tage, dann lassen sie sich als vollgesogene Nymphen abfallen", erklärt Mackenstedt. Die Frage lautet: Was passiert dann? Normalerweise ist es bei uns zu kalt und feucht, so dass sich die Nymphen nicht zu adulten Zecken weiterentwickeln können. Sie sterben.

Der Sommer 2018 aber war heiß und trocken, so dass die Nymphen sich zu erwachsenen Tieren häuten konnten. Nur diese sind in der Lage, Larven zu legen und so den Bestand der eigenen Art zu sichern. Da Zecken in ihrem Leben mehrmals eine Blutmahlzeit brauchen, stechen sie auch mehrmals. Dabei können sie Krankheiten übertragen.

Hyalomma-Zecken, die bei uns schlüpfen, können theoretisch jemanden stechen, der an einer gefährlichen Krankheit leidet, die er beispielsweise aus dem Urlaub mitgebracht hat, und diese dann mit dem nächste Stich auf eine andere Person übertragen. Ein solcher Fall ist von der Asiatischen Tigermücke bekannt. Ute Mackenstedt warnt davor, jetzt in Panik zu verfallen: "Wir wollen da keinen Hype machen, aber finden es wichtig, uns das genau anzuschauen. Deshalb ist es wichtig, dass wir möglichst viele Hyalomma-Exemplare untersuchen können." 

Wie kann ich mich schützen?

Zecke sitzt auf einem Blatt.
Der Gemeine Holzbock wartet blind darauf, dass wir an ihm vorbeistreifen und ihn so mitnehmen.
Quelle: imago/Blickwinkel

Der wichtigste Unterschied zwischen dem Gemeinen Holzbock und der Hyalomma ist der, dass die Hyalomme-Zecke uns sehen kann. Auf eine Entfernung von bis zu zehn Metern macht sie ihr Opfer aus – und verfolgt es. Während der Gemeine Holzbock blind darauf wartet, dass wir an ihm vorbeistreifen und ihn so mitnehmen, geht die Hyalomma aktiv auf die Jagd.

Sie verfolgt das Objekt der Begierde über 50, 60, im Notfall auch mal 100 Meter – eine enorme Distanz für ein zwei Zentimeter großes Spinnentier. Dabei erreicht sie Geschwindigkeiten von fünf bis acht Kilometer pro Stunde. Schutz bietet lange Kleidung und Hosenbeine, die in die Socken gesteckt werden. Weil die Hyalomma viel größer ist als der Holzbock, spürt man sie auf der Haut krabbeln und kann sie eher abstreifen. Wird man doch einmal gestochen, entfernt man die Zecke am besten mit einer Pinzette und schickt das Tier an die Wissenschaftler der Uni Hohenheim, die es auf mögliche Krankheitserreger untersuchen.

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