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Trotz "Katrina" und "Irma" - Wohnen am Meer bleibt in den USA im Trend

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Die Bilder der Zerstörung sind noch frisch: Mit "Harvey" und "Irma" haben gleich zwei Hurrikane zuletzt die US-Küste getroffen. Doch die zerstörerischen Stürme schrecken die Amerikaner nicht ab, an die Küsten zu ziehen. Die Bevölkerung dort ist deutlich stärker gewachsen als im Binnenland.

"Wir können nicht sagen, ob es immer mehr Hurrikans geben wird. Aber es wird immer stärkere geben", so Prof. Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

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Meer und Strände, attraktive Städte, gute Jobs: Vielerlei lockt die Amerikaner an die Küste. Zwischen 1960 und 2008 ist die Bevölkerung in den Küstenregionen um 84 Prozent gewachsen, im Binnenland waren es nur 64 Prozent. Und auch Stürme und künftig drohende Unwetterkatastrophen schrecken die Zugezogenen nicht ab.

Vor allem die wärmeren Regionen im Süden ziehen neue Bewohner an, wie eine Analyse der Nachrichtenagentur AP aufzeigt. Von 2010 bis zum vergangenen Jahr nahm die Bevölkerung in vier Verwaltungsbezirken um die texanische Stadt Houston um 12 Prozent oder 5,3 Millionen Einwohner zu. Nicht zuletzt die Ölindustrie feuerte den Zuwachs an. Doch genau die Region war es auch, die zuletzt von Sturm "Harvey" unter Wasser gesetzt wurde.

Bevölkerung an Küste wächst trotz Naturkatastrophen

In Florida, wo kürzlich "Irma" wütete, wuchsen die Bezirke Lee und Manatee südlich von Tampa in sechs Jahren seit 2010 um 16 Prozent. Insgesamt hieß die Küste Floridas 9 Prozent mehr Bewohner willkommen, in Texas waren es 10. An der Spitze lag South Carolina mit 13 Prozent. Landesweit nahm die Bevölkerung an der Küste nach Zahlen der US-Datenbehörde in diesem Zeitraum durchschnittlich um 5,6 Prozent zu, die im Hinterland um vier Prozent.

Gleichzeitig bekamen die beliebten Küstenstreifen immer wieder Wetterkapriolen zu spüren oder wurden gar von Naturkatastrophen getroffen. 2005 beklagten Ortschaften an der Küste mehr als 1.800 Tote und 108 Milliarden Dollar (90 Milliarden Euro) Schaden, nachdem Hurrikan "Katrina" über den Südosten der USA hinweggefegt war. Bilder vom überfluteten New Orleans ließen feierliche Beteuerungen über die Lippen kommen, dass so etwas nie wieder passieren solle.

Natürliche Barrieren verschwinden

Dann setzte Supersturm "Sandy" 2012 Teile Manhattans unter Wasser, im vergangenen Jahr hinterließ "Matthew" tödliche und zerstörerische Spuren in Florida, Georgia und den Carolinas. Insgesamt werden Hurrikane und Tropenstürme laut Daten des Nationalen Zentrums für Umweltinformationen für mehr als 280 Todesfälle und 100 Milliarden Dollar (84 Milliarden Euro) Schaden zwischen 2010 und 2016 verantwortlich gemacht.

Der ungebremste Bau an den Küsten schwächt die Widerstandskraft der Regionen weiter. Natürliche Barrieren wie Sümpfe verschwinden, die Bodenerosion nimmt zu. Immer mehr Gebäude stehen schließlich in der Gefahrenzone. "Die Geschichte lehrt uns eine Lektion, aber wir lernen nicht unbedingt daraus", resümiert Katastrophenforscher Graham Tobin von der University of South Florida in Tampa.

Kein Plan gegen den Bauboom

Gemeindevertreter zucken die Schultern. Er wüsste nicht, wie er die baulichen Entwicklungen abbremsen könnte, meint Johnny Vaught vom Bezirksrat in Horry County, das mit 19 Prozent Wachstum innerhalb von sechs Jahren in South Carolina ganz vorne steht. "Was man aber machen kann, ist, sie anzupassen, so dass die Entwicklungen gut gestaltet werden."

Ausgerechnet die Hurrikane, die weiter südlich auf Land treffen, haben die Region noch attraktiver werden lassen: Leute aus dem Norden, die sich in Florida niedergelassen hatten, kehrten dem sturmanfälligen Staat den Rücken und zogen ein Stück weiter nördlich nach South Carolina.

Probleme bei der Stadtentwicklung

Strenge Bauvorschriften, gute Katastrophenvorsorge und ein Straßennetz, das Evakuierungen leicht macht, sind nach Ansicht des Bezirksratsvorsitzenden Mark Lazarus Möglichkeiten, die Region gegen Unwetter zu wappnen. Solche Maßnahmen vermittelten "ein beruhigendes Gefühl", sagt Laura Crowther vom Maklerverband C.C.A.R.

Risikoforscher aber betonen, dass mehr nötig sei. "Wir werden besser, was die Reaktion auf Notfälle angeht", sagt Experte Tobin von der University of South Florida. "Wir sind nicht so gut bei der vorausschauenden Steuerung der Stadtentwicklung in gefährdeten Gebieten."

Klimaexperten weisen unterdessen darauf hin, dass sich die Küstenstreifen künftig mehr denn je auf starke Stürme und Überflutungen einstellen müssen. So betont Risikoforscherin Jamie Kruse von der East Carolina University in Greenville: "Es wird einige wirkliche Herausforderungen für Küstenstädte geben."

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