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Ausnahmezustand als Normalität - Der gehasste, geliebte Präsident

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Er wütet, beleidigt, brüllt und hetzt. Er twittert, schaut fern, lobt sich selbst - und zieht hinter den Kulissen seine Trump-Revolution durch: das erste Präsidentenjahr.

Jenseits von irritierenden Pressekonferenzen, falschen Behauptungen und wirren Tweets hat der US-Präsident sein Land mehr geprägt, als auf den ersten Blick deutlich wird. Donald Trump verändert die USA - und er ist noch für drei weitere Jahre gewählt.

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Jeder Held hat den Biografen, den er verdient. Donald Trump hat Michael Wolff und dessen Enthüllungsbuch "Fire and Fury". Keiner weiß so genau, ob die Geschichten stimmen, die der Journalist im Weißen Haus aufgeschnappt haben will. Gerüchte, Klatsch, Intrigen und Wahres sind ineinander verwoben. Das Buch liest sich wie ein Sittengemälde dieser Regierung, es ist der passende "Roman" für das erste Jahr im Weißen Haus. Deshalb platzt Mister Fake-News-Präsident auch vor Wut.

Vor allem eine Geschichte ist einfach zu gut, um nicht wahr zu sein - Trump hat ihr nie widersprochen. Sie beschreibt den Präsidenten und das Geheimnis seines Erfolges. Und sie geht so: Trump, ein Milliardärs-Freund und dessen Partnerin, ein ausländisches Model, sitzen im Privatflieger. Trump gefällt die Freundin seines Freundes, und er überlegt, wie er sie beeindrucken kann. Er schlägt vor, kurz in Atlantic City zu landen, um eines seiner Spielkasinos zu besuchen. Anfang der 90er florieren seine  Hotels noch, später sind sie Pleite gegangen. Trumps Freund reagiert genervt auf die  Anmache und sagt:  "In Atlantic City  kassiert du, Donald, doch nur den 'white trash', das weiße Gesindel, ab." Daraufhin fragt die Freundin, die nicht so gut Englisch versteht: "Was ist 'white trash'?" Antwort Donald Trump: "'White trash' sind Menschen wie ich. Nur arm."

Die Angst vor dem Abstieg

Rückblende: "Trump ist einer von uns", sagt mir der Mann mit der "Make America Great"-Mütze auf dem Kopf. Er sitzt auf einem Klappstuhl ganz vorne an der Tribüne vor dem Kapitol. Genau ein Jahr ist das her. Gleich wird sein Held, Donald Trump, vor die Augen der Nation treten und zum 45. Präsidenten vereidigt werden.

Wahrscheinlich hätte der Trump-Fan nie mit einem Journalisten gesprochen. Denen glaubt er nicht mehr, speziell denen in Washington. Aber als ich mich vorstelle, hört er sofort meinen deutschen Akzent raus, in den 80zigern war er für ein paar Jahre als Soldat in Deutschland stationiert. "Eine tolle Zeit. Ganz prima", strahlt er. Damals regierte noch Ronald Reagan, die Ikone der Rechten, und Amerika fühlte sich als Weltmacht. Seitdem ging es, seiner Meinung nach, nur noch bergab. Sinnlose Kriege, Irak und Afghanistan, immer mehr illegale Einwanderer, kaputte Straßen, keine gutbezahlten Jobs für Arbeiter. Weiße wie er empfinden die letzten Jahrzehnte als Abstieg.

Trump hat das Amt mehr verändert als umgekehrt

Wenn ich an das erste Präsidentenjahr denke, dann fallen mir diese beiden Geschichten ein. Trump ist sich und seinen Anhängern treu geblieben. Wenn es um Stil und Etikette geht, hat er das Präsidentenamt mehr verändert als umgekehrt. Er wütet unvermindert auf Twitter, beleidigt Gegner, bekämpft die Presse, hetzt gegen Ausländer, droht mit Kriegen, lügt und lobt sich selbst, wie schlau und seelisch stabil er sei. Regieren als Reality-Show.

Seine Gegner versetzt das in Panik und das wiederum freut seine Anhänger. Inzwischen schrumpft zwar auch seine Basis, aber die, die ihn lieben, lieben ihn weiter. Heiß und innig. Diesen Cheeseburger verschlingenden, Coca Cola trinkenden, weißen, älteren Mann, der lieber vor dem Fernseher sitzt, als ein Buch liest. Wir erinnern uns an den Satz. "Trump ist einer von uns."

Bei jedem seiner Auftritte hält die Welt den Atem an: Wen wird Donald Trump als nächstes beleidigen, bedrohen oder feuern? Er regiert im Alleingang. Wie tickt der mächtigste Mann der Welt?

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43 min
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Revolution hinter den Kulissen

Trump regiert, als wäre er noch immer im Wahlkampf. Fast täglich treibt er eine neue Medien-Sau durchs Dorf.  Wenn er davon schwärmt, dass sein Atomknopf größer ist als der von Kim Jong Un, fürchten wir uns vor dem Sandkasten-Verhalten dieser beiden infantilen Regierungschefs. Bei all diesem Krach übersehen wir aber oft die Trump-Revolution, die sich hinter den Kulissen abspielt. Im Eiltempo schafft der Präsident Regulierungen ab, entfesselt die Banken und schmälert den Umweltschutz. 13 Richter hat er ernannt, darunter ein Verfassungsrichter. Das ist Rekord und steht für einen konservativen Durchmarsch an den US-Gerichten. Das Umkrempeln des Justizapparates wird noch Jahre zu spüren sein.

Illegale Einwanderer werden schneller abgeschoben. Ihre Duldungen schneller entzogen. Trump schottet das Einwanderungsland Amerika ab und beerdigt damit die Gründungsidee der Nation, die die ganze Welt faszinierte. Auf der Freiheitsstatue steht: "Gebt mir Eure Müden, Eure Armen, Eure geknechteten Massen."  Das war einmal in Amerika.

Viel Lärm

Sein größter Erfolg ist die Steuerreform. Die meisten Amerikaner werden entlastet. Aber auch da greift die Regel, die schon länger in diesem Land gilt: Wer mehr hat, bekommt mehr. Der Präsident verspricht, dass Unternehmen und Oberschicht Gewinne nach unten sickern lassen. Und dass die Schulden nicht steigen. Da entspricht Trump dem Bild eines ganz klassischen, republikanischen Politikers. In der Vergangenheit entpuppten sich diese Versprechen als ein Märchen. Am Ende blieb nur die Umverteilung. Bisher scheint die Wirtschaft dem Präsidenten gnädig. Die Wachstumsraten sind gut, die Arbeitslosigkeit sehr niedrig und der Aktienmarkt flippt aus. In Trumps Welt läuft es. Er macht Geld für sich und andere.

"Amerika first" - diese Parole ließ die Welt aufhorchen. Die USA schienen eine neue internationale Ordnung anzustreben. Aber während Trump das Land innenpolitisch verändert, verhielt er sich außenpolitisch trotz viel Lärms eher moderat. Er blieb der NATO treu, auch wenn er sie lautstark beschimpfte. Er fing keinen Handelskrieg an, weder mit Europa noch mit China, obwohl er seinen Anhängern etwas anderes versprochen hatte. Er hielt sich an seine Verpflichtungen in Osteuropa und zettelte nicht den großen Krieg in Syrien an. Er stieg zwar aus dem Pariser Klimaabkommen aus - ein brutales Zeichen an die Welt. Aber viele US-Bundesstaaten folgen ihm nicht. Noch ist nicht sicher, ob das Aus wirklich viel mehr ist als vollmundige Symbolik.

Der Tanz auf der Rasierklinge

Natürlich tanzt Trump mit seiner aggressiven Rhetorik und seinem permanenten Kontrollverlust auf der Rasierklinge. Die Welt stöhnt bei diesem Präsidenten oft auf. Der Blick nach Nordkorea raubt einem den Schlaf, zwei Unberechenbare spielen dort Atomkrieg. Aber auch das gehört zur Wahrheit: Der Präsident hat das Nordkorea-Problem von seinen Vorgängern geerbt. Und Trumps unberechenbares Auftreten - sagen nicht nur seine Gegner - bringt Bewegung in die Nordkoreafrage.

Der Präsident hielt uns atem- und fassungslos. Er brüllte uns an. Er stellte die Pressefreiheit in Frage und erhob die Lüge zum politischen Kampfinstrument. Er hat das Land weiter gespalten. Die, die ihn verachten, fühlen sich bestätigt. Die, die ihn lieben, bleiben ihm treu. Ein Jahr Trump - er bleibt der gehasste, geliebte Präsident.

Trumps Personalkarussell

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