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Schiffsattacken vor Oman - "Trump fühlt sich in Iran-Frage bestätigt"

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Die Schiffsattacken vor Oman galten der ganzen Weltwirtschaft, sagt der Politikwissenschaftler Sebastian Sons. US-Präsident Trump sehe sich in seiner Iran-Politik bestätigt.

Der Öltanker "Front Altair" wird am 13.06.2019 gelöscht
Löscharbeiten auf dem Öltanker "Front Altair"
Quelle: reuters

heute.de: Wie bewerten Sie die Angriffe?

Sebastian Sons: Das sind schwerwiegende Vorfälle, die Öl ins Feuer gießen. Die Region ist ja jetzt schon aufgeheizt und instabil – sie wird durch die Angriffe weiter destabilisiert. Wir wissen noch nicht, wer dahintersteckt, aber es muss jemand sein, der ein Interesse an einem Chaos in der Region hat. Denn eigentlich ist ja Deeskalation angesagt.

heute.de: Schon in den letzten Wochen kam es zu Angriffen auf Schiffe.

Sons: Das scheint nun gehäuft aufzutreten. Vor ein paar Wochen haben die USA dem Iran vorgeworfen, hinter den Angriffen zu stecken. Das passt in das geopolitisch schwierige Klima zwischen Washington und Teheran und zu der Frage, wie es mit den US-Sanktionen weitergeht. Dieses Grundrauschen wird begleitet von den Feindseligkeiten zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

heute.de: Wer könnte hinter den Angriffen stecken?

Sons: Die Vorfälle vom Donnerstag sind noch zu frisch, um sie zu beurteilen. Aber auch die Angriffe vor ein paar Wochen sind noch nicht aufgeklärt. Der Außenpolitiker John Bolton hat den Iran beschuldigt. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die mit den Saudis und den USA verbündet sind, behaupten, ein ausländischer Geheimdienst sei am Werk gewesen – denn für Milizen oder Kriminelle seien die Angriffe zu professionell gewesen. Belege fehlen, deswegen hantiert jede Seite mit Halbwahrheiten. Dabei bräuchten wir nun unbedingt eine beruhigende, mäßigende Stimme.

heute.de: Schlafwandeln wir gerade in einen Krieg hinein?

Sons: Niemand hat Interesse an einem Krieg mit dem Iran – weder die Saudis noch die USA. Ich glaube auch nicht, dass ein konventioneller Krieg ausbrechen wird. Allerdings sehen wir eine asymmetrische Kriegsführung: Die Angriffe auf die Schiffe gleichen punktuellen Nadelstichen. Es wird provoziert und man schreckt nicht vor militärischer Gewalt zurück. Öltanker sind ein strategisch beliebtes Ziel, weil man nicht nur die Regionalakteure trifft, sondern die ganze Weltwirtschaft. Mit wenig Aufwand lässt sich viel kaputt machen. Das gab es bereits in den 1980er-Jahren, als während des Irak-Iran-Krieges viele Schiffe angegriffen wurden.

heute.de: Jede Krise hat Verlierer und Gewinner. Wer sind gerade die Gewinner?

Sons: Die Ölindustrie, denn der Ölpreis ist gestiegen. Die Waffenindustrie, denn Krisen steigern die Nachfrage nach Waffen. Und die Hardliner in Washington, Riad und Teheran, die spalten und nicht versöhnen wollen.

heute.de: Was würde helfen, um die Krise in den Griff zu bekommen?

Sebastian Sons
Sebastian Sons ist Islam- und Politikwissenschaftler und arbeitet im Programm "Naher Osten und Nordafrika" der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin sowie beim Bonner Forschungsinstitut CARPO.
Quelle: privat

Sons: Zum einen brauchen wir eine rasche Aufklärung. Ansonsten gewinnen Verschwörungstheorien noch mehr die Oberhand. Und wir brauchen einen Vermittler, der seinen mäßigenden Einfluss ausübt. Allerdings sehe ich weit und breit niemanden, der diese Rolle ausfüllen könnte: Die EU ist zu schwach, auch einzelne Staaten wie Frankreich, Großbritannien oder Deutschland haben zu wenig Einfluss. Sie können höchstens appellieren. Zurzeit ist der japanische Premier im Iran, um dort über wirtschaftliche Kooperationen zu sprechen. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker, die sagen: Das kann doch kein Zufall sein.

heute.de: Wie gefährlich ist der Golf von Oman im Vergleich zu anderen unsicheren Seestraßen, zum Beispiel dem Horn von Afrika?

Sons: Unterschiedlich. Auf der einen Seite gibt es eine starke Präsenz durch die US-Flotte. Auf der anderen Seite ist es ein geopolitisch sensibler Punkt: Der Golf von Oman ist eine kleine Meerenge, durch die viel Öl in die Welt transportiert wird. In der Region verdichtet sich der Konflikt zwischen Iran und Katar auf der einen Seite sowie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel und den Amerikanern auf der anderen.

heute.de: Was ist mit Russland?

Sons: Russland mischt natürlich auch mit und ist an einem starken Iran interessiert, hat in der Region aber weniger Militärpräsenz als die USA.

heute.de: Wie geht der Konflikt nun weiter?

Sons: Ich rechne mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Donald Trump und seine Hardliner sehen sich ein weiteres Mal in der Iran-Frage bestätigt und wollen das Land weiter schwächen. Auf keinen Fall werden sie Zugeständnisse machen. Trumps Politik hat nur wenig Konstanten, aber bei Israel und Iran zeigt er eine klare Haltung. Der Iran wiederum wird sich weiterhin als Opfer der US-Sanktionen inszenieren und immer kompromissloser auftreten. Das verheißt nichts Gutes.

Das Interview führte Raphael Rauch. Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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