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Kommentar zu Trumps Absage an G7 - Das ist der Gipfel: Trump sucht den Eklat

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Trumps Absage an die G7-Erklärung ist auch eine Absage an die Idee des Gipfels. Ganz bewusst sagt der US-Präsident damit: Die USA geben ihren moralischen Führungsanspruch auf.

Zunächst nennt US-Präsident Trump den G7-Gipfel in Kanada „ausgesprochen erfolgreich“. Nur wenige Stunden später verkündet er, die Abschlusserklärung doch nicht mitzutragen.

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Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Kurz bevor der US-Präsident in die Air Force 1 einstieg, streckte er die geballte Faust Richtung Himmel. Es war eine typische Trump-Geste, die wir oft auf Wahlkampfveranstaltungen gesehen haben. Bedrohlich und entschlossen soll sie wirken. Ich kämpfe für die vergessene Mittelschicht gegen den Rest der Welt, so die Botschaft, die Donald Trump aussenden will.

Eine Reihe von Affronts

Der US-Präsident hat das Gipfelformat nie richtig gewollt. Missmutig kam er in Kanada an. Demonstrativ verspätete er sich zu Sitzungen. Er reiste vorzeitig ab, er gab eine Pressekonferenz, die eine Kampfansage gegen die anderen war. Er bedrohte die Bündnispartner, sie weiter mit Strafzöllen zu belegen, falls sie nicht die US-Position übernehmen. Und dann plädierte er auch noch dafür, Russland wieder als Gipfelteilnehmer aufzunehmen. Ohne Absprache kam der Vorschlag, als hätte es die gemeinsame Position der letzen Jahre nicht gegeben, als wäre der Ukraine-Konflikt gelöst.

Trump hat in Kanada den Eklat gesucht. Er will allen zeigen, dass er glaubt, die Welt, vor allem die westlichen Partner, leben auf Kosten der Amerikaner. Die Amerika-first-Agenda Trumps basiert auf einer einfachen Sichtweise. Europa hat einen Handelsüberschuss mit Amerika. Es profitiert mehr von der Wirtschaftsbeziehung als die USA. Für den Präsidenten ist das wie eine offene Rechnung, die die Partner nicht bezahlen. Das hat er versprochen zu ändern. Mit aller Macht. Trump glaubt an das Recht des Stärkeren. Und so wollte er den Gipfelteilnehmern seinen Willen aufzwingen. 

G7 auf der Intensivstation

Die blieben zwar freundlich, aber in der Sache hart. Der kanadische Premierminister verkündete in seiner Pressekonferenz eine einfache Wahrheit. Jeder Angriff mit Strafzöllen seitens der Amerikaner werde mit Gegenmaßnahmen beantwortet. Trudeau sprach da im Grunde für alle Gipfelteilnehmer. Er widersetzte sich der Linie von Trump. Widerstand mag der Präsident nicht. Er sah eine Chance, sich endgültig vom Gipfel zu verabschieden. Sind wir ehrlich. Trump wollte sich die ganze Zeit mit den anderen Gipfelteilnehmern prügeln. Insofern ist nur konsequent, dass er die Schlusserklärung nicht mehr unterschreiben will.

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Ist damit die Gipfel-Idee tot? Zumindest ist sie auf der Intensivstation und das sollte jeden ängstigen. Der Gipfel war immer mehr als nur der Zusammenschluss wirtschaftlich starker Länder. Es ging immer auch um ein Wertebündnis. Es ging immer auch um Demokratie und Freiheit. Die Idee, so schlicht wie bestechend: Freier Handel setzt freie Gesellschaften voraus. Wo Waren fließen, fließen auch Gedanken. Natürlich klingt das auch naiv und die Wirklichkeit ist komplizierter, aber die Gipfeltreffen sollten immer eine Absage an totalitäre Systeme sein und eine Leistungsshow für die Demokratie.

USA geben moralischen Führungsanspruch auf

Donald Trump ist das alles egal. Er sieht Amerika nicht mehr in dieser Rolle. Die Weltmacht gibt ihren moralischen Führungsanspruch auf. Trump ist ein Nationalist, der mit allen Traditionen amerikanischer Außenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg bricht. Und er hat eine gefährliche Zuneigung für Despoten. Er lobt den russischen Präsidenten Putin, er bewundert den chinesischen Präsidenten Xi. Starke Männer faszinieren ihn. Er will auch einer sein.

Es ist eine bittere Wahrheit. Europa kann sich auf Amerika nicht mehr so verlassen wie früher. Zumindest so lange Trump an der Macht ist. Eine gemeinsame Abschlusserklärung hätte daran auch nichts geändert.

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