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Hochwasser nach "Harvey" - Trump in Texas: Untiefen im Flutgebiet

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Hurrikan "Harvey" hat den US-Staat Texas schwer getroffen. Für US-Präsident Trump, der heute in das Hochwassergebiet reist, könnte die Katastrophe jedoch positiv sein und ein wenig von den Skandalen seiner Präsidentschaft ablenken. Allerdings gibt es auch viele Fallstricke.

Texas kämpft weiter mit den Überschwemmungen durch Wirbelsturm "Harvey". Auch im Nachbarstaat Louisiana spitzt sich die Lage zu. US-Präsident Trump wird heute in der Region erwartet.

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George W. Bush hat sich nie wieder von "Katrina" erholt, Barack Obama hingegen sicherte sich durch seinen Umgang mit dem Supersturm "Sandy" im Wahlkampf für seine Wiederwahl sogar unter den Republikanern einige Unterstützer. Eine Naturkatastrophe, ein Hochwasser wie jenes jetzt durch Hurrikan "Harvey" kann einer Präsidentschaft neuen Schwung verleihen - oder auch nicht.

Neuer Schwung dringend nötig

Amtsinhaber Donald Trump hat diesen Schwung dringend nötig. Die Russland-Affäre, das Personalchaos im Weißen Haus, Charlottesville: In den etwas mehr als sieben Monaten seiner Präsidentschaft jagte ein Skandal den nächsten und die versprochenen großen neuen Gesetzesvorhaben verliefen im Sande. Trump weiß um die Kraft der Botschaft, die ein hemdsärmeliger Präsident im Hochwassergebiet den Wählern vermitteln und damit all diese Probleme zumindest eine Zeitlang vergessen machen kann.

Aus dem Weißen Haus verlautete, dass Trump persönlich den Vorschlag gemacht habe, möglichst schnell eine Reise ins Katastrophengebiet zu organisieren. Der Besuch wurde noch angekündigt, bevor der Hurrikan überhaupt auf Land getroffen war. Und von Washington aus versprach Trump den Texanern, sie würden alles bekommen, was sie brauchten, die Notfallhilfen des Bundes würden schnell fließen.

Trump reist noch nicht nach Houston

Nicht nur er dürfte noch im Kopf haben, wie schlecht die US-Katastrophenschutzbehörde Fema unter Bush auf "Katrina" reagiert hatte. Den Präsidenten verfolgte noch jahrelang seine Aussage, der damalige Fema-Direktor Michael Brown hab verdammt gute Arbeit geleistet ("heckuva job"). Als klar wurde, welche Verwüstungen "Katrina" angerichtet hatte, war Brown nicht mehr zu halten und musste zurücktreten. Die Fotos von Bush in einem Flugzeug über dem Hochwassergebiet trugen zusätzlich dazu bei, ihn aussehen zu lassen, als sei er bloß ein Zuschauer der Katastrophe mit mehr als 1.500 Toten. "Er versteht, dass dieses Bild zu einer Metapher wurde", sagt Dana Perino, die damals stellvertretende Sprecherin im Weißen Haus war.

Ein solches Bild will Trump tunlichst vermeiden, wenn er am Dienstag in Texas eintrifft. Er wird nicht nach Houston, die viertgrößte Stadt des Landes, reisen, wo "Harvey" besonders schlimm gewütet hat und immer noch wütet. "Die Bedingungen in Houston haben sich noch nicht so weit aufgelöst, als dass es angemessen für ihn wäre, dorthin zu fahren", sagt der republikanische Abgeordnete Blake Farenthold aus Texas. Stattdessen wird Trump in Corpus Christi örtliche Politiker und Vertreter von Hilfsorganisationen treffen und dann weiter in die Hauptstadt Austin reisen, wo ein Krisenzentrum eingerichtet wurde.

Reise ist ein Drahtseilakt

Eine solche Reise ist immer ein Drahtseilakt, auch weil der Präsident mit riesiger Entourage anreist. Möglicherweise müssen dafür auch Polizisten vor Ort von der Katastrophenhilfe abgezogen werden. Außerdem ist es noch zu früh, das gesamte Ausmaß der Zerstörungen abzuschätzen. Deshalb erwägt Trump auch bereits einen weiteren Besuch in Texas am Samstag.

Für Trump ist es nicht der erste Versuch, aus einem Unwetter politisches Kapital zu schlagen. Gerade im Wahlkampf funktioniert das sehr gut, wie auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder weiß. Trump reiste im vergangenen Jahr als Präsidentschaftskandidat in ein Hochwassergebiet in Louisiana. Er schaffte es, noch vor seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton dort anzukommen. Und günstigerweise für ihn, war Präsident Obama zu der Zeit auch noch im Urlaub.

"Wir sind froh, dass Sie nicht auf Martha's Vineyard Golf spielen", sagte eine Frau damals zu Trump mit einem Seitenhieb auf Obama. "Jemand tut das, jemand, der das nicht sollte", antwortete Trump.

Wasserpegel steigen

Diesmal ist er selbst zuständig für die Katastrophenhilfe der Regierung. Über das Wochenende lobte er die großartige Koordination der Behörden und erklärte: "Wir haben umfassende Anstrengungen am Laufen, und sie laufen gut".

Auch der Gouverneur von Texas, der Republikaner Greg Abbott, hat bisher die Reaktion der Bundesbehörden auf "Harvey" gelobt. Doch noch ist das Hochwasser längst nicht ausgestanden, in Houston und Umgebung steigen die Wasserpegel weiter. Für Trump kann deshalb noch einiges schiefgehen. Ein ungünstiges Foto, ein falscher Spruch - es gibt viele Untiefen im Hochwasser von Texas.

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