ZDFheute

Cohen bezeichnet Trump als Betrüger

Sie sind hier:

Anhörung von Ex-Anwalt - Cohen bezeichnet Trump als Betrüger

Datum:

Im US-Kongress hat die mit Spannung erwartete Anhörung des Ex-Anwalts von Donald Trump, Michael Cohen, begonnen. Zunächst gab es eine hitzige Diskussion über eine Verschiebung.

Cohen erschien am Mittwoch in einem dunklen Anzug mit blauer Krawatte vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, wo er über seinen früheren Chef aussagen wollte. Der 52-Jährige, der mehr als ein Jahrzehnt für Trump gearbeitet hat, ist eine zentrale Figur in mehreren Affären um den Präsidenten. Er hat sich von ihm abgewendet und ihn mit Aussagen vor Gericht in Bedrängnis gebracht. Trump wirft ihm vor, zu lügen.

Diskussion über Verschiebung der Anhörung

Der Beginn der Anhörung wurde überschattet von einer hitzigen Diskussion zwischen Demokraten und Republikanern. Die Konservativen wollten Cohens Aussage verschieben. Der Republikaner Mark Meadows - ein Vertrauter von Trump - argumentierte, den Ausschussmitgliedern seien Cohens Eingangsstatement und andere Dokumente nicht rechtzeitig übergeben worden. Der demokratische Ausschussvorsitzende Elijah Cummings ließ über den Antrag der Republikaner abstimmen, das Komitee lehnte es mit der Mehrheit der Demokraten ab.

Der Demokrat Cummings erklärte, es gehe bei der Anhörung um die Suche nach der Wahrheit. Cohen riskiere viel, wenn er nicht die Wahrheit sage. "Die Aussage von Herrn Cohen ist der Beginn eines Prozesses, nicht das Ende", fügte er hinzu.

Trump habe ihn nicht direkt zur Lüge angewiesen

Er ist ein Rassist. Er ist ein Betrüger. Er ist ein Schwindler.
Michael Cohen über Donald Trump

Cohen warf Trump Rechtsverstöße und Lügen vor. "Er ist ein Rassist. Er ist ein Betrüger. Er ist ein Schwindler", sagte Cohen zu Beginn der Anhörung am Mittwoch über den Präsidenten. "Ich schäme mich, dass ich dazu beigetragen habe, Herrn Trumps unerlaubte Handlungen zu verschleiern, statt auf mein eigenes Gewissen zu hören."

Cohen legte dem Ausschuss Dokumente vor, mit denen er seine Anschuldigungen gegen den Präsidenten nach eigenen Angaben "unwiderlegbar" beweisen könne. Darunter war die Kopie eines Schecks, mit dem der Präsident ihn für die Zahlung von Schweigegeld an zwei Frauen entschädigt habe, sagte Cohen. Diese Frauen hatten vor der Wahl 2016 behauptet, eine sexuelle Affäre mit Trump gehabt zu haben. Da dieses Geld kurz vor der Wahl geflossen war, geht es womöglich um strafbare Versuche, die Umstände der Zahlung im Nachhinein zu verschleiern.

Trump habe ihn nicht direkt zur Lüge angewiesen, so arbeite er nicht, sagte Cohen. Er erklärte aber, dass Trumps persönliche Anwälte seine Erklärung vor dem Kongress über den Zeitrahmen des Bauprojekts überprüft und geändert hätten, bevor er sie abgegeben habe. Hintergrund ist ein geplantes Bauprojekt Trumps in Moskau, über das Cohen in der Vergangenheit falsche Angaben vor dem Kongress gemacht hatte.

Trump habe das amerikanische Volk belogen

Er hat mir auf seine Art gesagt, dass ich lügen soll.
Michael Cohen

Cohen sagte zudem, während des Wahlkampfes habe Trump ihm in die Augen geschaut und gesagt, es gebe kein Russland-Geschäft, obwohl die Verhandlungen noch liefen. Dann sei er rausgegangen und habe das amerikanische Volk belogen, indem er dasselbe gesagt habe. "Er hat mir auf seine Art gesagt, dass ich lügen soll." Cohen erklärte, Trump habe die Unwahrheit gesagt, weil er niemals davon ausgegangen sei, dass er die Wahl gewinnen werde. In dem Fall geht es um den geplanten Bau eines Trump-Towers in Moskau, der letztlich nicht zustande kam.

Cohen hatte zunächst erklärt, die Pläne seien im Januar 2016 aufgegeben worden. Später räumte er unter anderem ein, noch bis ungefähr Juni 2016 versucht zu haben, eine Genehmigung der russischen Behörden für das Projekt zu erhalten. Er sagte, er habe gelogen, um Trump zu schützen. Das Nachrichtenportal "Buzzfeed" hatte im Januar berichtet, Trump habe ihn dazu angewiesen. Das Büro von Sonderermittler Robert Mueller erklärte aber wenig später, die Darstellung von "Buzzfeed" enthalte Fehler.

Trump habe von gehackten Emails gewusst

Der Ex-Anwalt des Präsidenten beschuldigte Trump vorab von der Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks im Wahlkampf 2016 gewusst zu haben. Trump habe gewusst, dass sein langjähriger Vertrauter Roger Stone mit Wikileaks-Gründer Julian Assange über die Veröffentlichung der E-Mails gesprochen habe, sagte Cohen. Er fügte hinzu, er sei bei einem Telefonat zwischen Trump und Stone anwesend gewesen, in dem Stone Trump darüber informiert habe, dass Wikileaks innerhalb weniger Tage E-Mails publik machen werde, die Hillary Clinton schaden werden. Die veröffentlichten E-Mails rückten Clinton in ein schlechtes Licht und schadeten ihr tatsächlich. Trump selbst lobte Wikileaks im Wahlkampf, obwohl die Enthüllungsplattform für US-Sicherheitskreise als Rotes Tuch gilt.

Zudem habe Trump mit Drohungen sichergestellt, dass seine Schulnoten nicht veröffentlicht werden, so Cohen. Er habe im Auftrag Trumps dessen High School und Universitäten Klagen angekündigt, sollten sie Noten oder Testergebnisse weitergeben. Trump sei ein "Betrüger", der mit solchen Aktionen seinen Ruf als brillanter Geschäftsmann unbedingt wahren wollte. Als Beweis legte Cohen einen Brief an die Fordham University aus dem Mai 2015 vor. Dort war Trump in den 1960ern zwei Jahre lang Student, bevor er an die University of Pennsylvania wechselte.

Cohens Aussagen im Wortlaut

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.