Sie sind hier:

Kritik zu Militärausgaben - Trump ist schlecht fürs Geschäft

Datum:

Trump giftet beim NATO-Gipfel gegen Deutschland. Er poltert gegen die Pipeline-Pläne mit Russland und wegen des Zwei-Prozent-Ziels. Alles Wahlkampf kommentiert Reinhard Schlieker.

Ein verlassenes Auto und Steppenläufer in Arizona, USA
Ein verlassenes Auto und Steppenläufer Quelle: imago

Deutschland ist völlig unter der Knute Russlands, macht schlechte Deals und überhaupt, was für ein Sch...land. Nun ja, man "gewöhnt sich an Trump", so Ursula von der Leyen. Und was versteht der schon von Gas-Pipelines? Wenn man es sich so einfach machte wie Herr Trump, könnte man es ignorieren und auf den nächsten Clou des Mannes warten, der sich benimmt wie die sprichwörtliche "Loose Cannon" auf dem Schiffsdeck.

Wir sollten es uns aber bewusst nicht so einfach machen, denn der amerikanische Präsident spricht auch im Ausland immer zu seinem Publikum zu Hause – deutsche oder französische oder auch britische Wähler interessieren ihn nicht. Und was schlechte Deals betrifft: Die allerschlechtesten macht Trump gerade selbst und merkt es nicht einmal.

Die deutschen Gasgeschäfte mit Russland sind ein guter Deal für Deutschland (und Nordeuropa), denn der europäischen Energieversorgung wird ein wichtiger Baustein hinzugefügt; keiner, der unabdingbar wäre, aber ein wichtiger. Russland braucht das Geld, denn ohne Gaskunden kein Export. Daher wird es seine Abnehmer, zumindest wenn sie ansonsten stark genug sind, tunlichst nicht verprellen.

Deutschland ist der zweitgrößte NATO-Truppensteller

Mancher vermutet, dass Trump mit seinen Rundumschlägen die möglichen Verhandlungspartner weichkochen will, um am Ende einen guten Abschluss zu erzielen. Das entbehrt jedoch jeder Logik. Kein Autokäufer käme auf die Idee, zum Händler zu gehen und diesen einen Gauner und Betrüger zu schimpfen, um zum Schluss ein paar Prozente mehr vom Preis seines Golf oder Astra abgezogen zu bekommen. Viel eher wird er einfach hinausgeworfen.

Worüber Trump sich (angeblich) am meisten aufregt, ist, dass nur vier europäische NATO-Staaten das Zwei-Prozent-Ziel schaffen, d. h. zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) fürs Militär ausgeben. Das Ziel ist im Übrigen nur eine Absichtserklärung bis 2024, so dass eine heutige Beurteilung keine Bedeutung hat. Seine Kritik aber zeigt, dass der amerikanische Immobilien-Geschäftsmann keinen Schimmer hat, was Prozentpunkte von absoluten Zahlen unterscheidet.

Denn die zwei Prozent Ausgaben kann man jederzeit erreichen, wenn des BIP schrumpft – deshalb ist Griechenland unter den vieren. Deutschland hingegen erhöht den Wehretat, zudem gerade heftig in der Diskussion für den kommenden Haushalt, regelmäßig. Die Wachstumskurve ist deutlich sichtbar. Da das BIP ebenfalls wächst, steigern sich die Ausgaben, jedoch nicht der prozentuale Anteil. Außerdem, das weiß der Immobilienkaufmann um die Ecke sofort, kommt es entscheidend darauf an, was man für sein Geld am Ende erhält. Wenn man all sein Immobilienbudget für sumpfigen Grund ausgibt, hat man natürlich tolle Zahlen – prozentual. Aber noch längst kein standfestes Haus.

Trump muss sich profilieren

Amerika unterhält im wohlverstandenen Interesse eine militärische Präsenz rund um die Welt, was die NATO nicht muss und nicht will. Das kostet eben. Allein die Pensionen für das US-Militärpersonal im Ruhestand ergeben eine beeindruckende Ziffer – die in die Berechnung natürlich einfließt.

Viel eher als Grund für das Deutschland-Bashing ist anzunehmen, dass Trump, der sich im Übrigen mit Russlands Wladimir Putin treffen wird, im Vorfeld jenes Treffens zu Hause in den USA profilieren will: Dass er – im Gegensatz zu Deutschland – kein Vasall der Russen ist. Da sind ja schon vor längerem in Washington einige Zweifel aufgekommen, denen er nun entgegenreiten will.

Trump erweist eigener Wirtschaft einen Bärendienst

Hinzu kommt, dass er die Eskalationsspirale mit China weiterdreht, ohne dass er damit dem Ziel, Amerika wieder ganz groß zu machen, auch nur einen Zentimeter näherkommt. Denn die Zollstreitigkeiten beginnen, die natürlichen Trump-Anhänger in den USA massiv zu schädigen. Da sind die Produzenten, die bei bestimmten Spezialstählen auf Importe aus Europa, vor allem Deutschland, angewiesen sind und nun 25-prozentigen Kostensteigerungen entgegensehen. Da sind die Motorradtüftler bei Harley-Davidson, die ihre Erlöse im zweitwichtigsten Markt Europa schwinden sehen, und da sind nun auch die Farmer, die Soja-Anbauer im mittleren Westen der USA, die plötzlich die gewohnten Exporterlöse nicht mehr in Aussicht haben.

Die alle gilt es vor den Kongresswahlen im Herbst wieder zu beruhigen, und da hat Trump eben nur wenige Mittel zu seiner Verfügung – große Worte sind schon das bedeutendste. Am Ende könnte man, mit Blick auf die US-Importe von Elektronikbauteilen aus China, zu dem Schluss kommen, dass die USA total von China kontrolliert werden. Und es wäre, wenn nicht wahr, sicherlich wahrer als die Abhängigkeit Deutschlands von Russland zu konstatieren. Der NATO-Gipfel geht weiter, die bilateralen Treffen Trumps auch, und für bittere Unterhaltung ist gesorgt.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.