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Fall Warmbier: Trumps Äußerungen "abscheulich"

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US-Präsident verteidigt Kim - Fall Warmbier: Trumps Äußerungen "abscheulich"

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US-Präsident Trump hat sich im Fall des nach nordkoreanischer Haft verstorbenen US-Studenten Warmbier hinter Machthaber Kim gestellt - und damit empörte Reaktionen ausgelöst.

Trump bei Pressekonferenz nach Gipfel in Hanoi, 28.02.2019
Trump bei Pressekonferenz nach Gipfel in Hanoi
Quelle: dpa

US-Präsident Donald Trumps Äußerungen über Nordkoreas Staatschef und den mutmaßlich dort gefolterten amerikanischen Studenten Otto Warmbier stoßen bei Freund und Feind auf Ablehnung. "Irgendwas ist falsch mit Putin, Kim Jong Un - aus meiner Sicht sind das Schurken - denen der Präsident Glauben schenkt", kritisierte die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.

Diese Aussage erinnerte an andere Male, in denen Trump entschied, anderen Staatschefs mehr zu glauben als seinen eigenen Geheimdiensten - etwa der saudischen Königsfamilie im Zusammenhang mit der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi oder dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei dessen Beteuerung, sich nicht in die US-Wahl 2016 eingemischt zu haben.

Trump: "Er sagt mir, dass er nichts davon wusste"

Großes Land, viele Leute. Und in diesen Gefängnissen und diesen Lagern hat man viele Leute.
Donald Trump, US-Präsident

Trump hatte am Donnerstag gesagt, er nehme den nordkoreanischen Staatschef beim Wort, wenn dieser sage, von der Misshandlung Warmbiers im nordkoreanischen Gefängnis nichts gewusst zu haben. "Er sagt mir, dass er nichts davon wusste, und ich werde ihn beim Wort nehmen", sagte Trump über Kim. "Was geschehen ist, ist furcthbar. Ich glaube wirklich, dass ihm (Warmbier) etwas Furchtbares geschehen ist, und ich glaube wirklich nicht, dass die oberste Führung davon etwas wusste." Trump deutete an, dass Kim nicht über alle Gefangenen in seinem Land Bescheid wissen könne. "Großes Land, viele Leute. Und in diesen Gefängnissen und diesen Lagern hat man viele Leute."

Trump löst im Fall Warmbier Empörung aus. Archivbild
Trump löst im Fall Warmbier Empörung aus. Archivbild
Quelle: Jon Chol Jin/AP/dpa

Der Student Warmbier war während einer Nordkorea-Reise Anfang 2016 wegen des angeblichen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Er fiel unter ungeklärten Umständen ins Koma und wurde schließlich freigelassen. Im Juni 2017 starb er wenige Tage nach seinem Rücktransport in die USA.

Haley: "Die Amerikaner wissen von der Grausamkeit"

Die Amerikaner wissen von der Grausamkeit, die Otto Warmbier durch das nordkoreanische Regime erfahren hat.
Nikki Haley, Trumps Ex-Botschafterin bei den Vereinten Nationen

Auch Trumps frühere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, schlug sich auf die Seite von Warmbiers Hinterbliebenen, die davon ausgehen, dass ihr Sohn in Nordkorea gefoltert wurde. "Die Amerikaner wissen von der Grausamkeit, die Otto Warmbier durch das nordkoreanische Regime erfahren hat. Unsere Herzen sind bei der Familie Warmbier, ihrer Stärke und ihrem Mut. Wir werden Otto niemals vergessen." Der republikanische Senator Rob Portman - der seit dem Geschehen rund um Warmbier mit der Familie in Kontakt steht - mahnte Gerechtigkeit an. "Wir sollten Nordkorea niemals damit davonkommen lassen, was sie ihm angetan haben." Auch der Minderheitsführer von Trumps Republikanern im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, kritisierte den US-Präsidenten. "Ich sehe Nordkoreas Führer nicht als jemanden an, der ein Freund ist. Wir alle wissen, was mit Otto passiert ist, wir wissen, was dieses Land getan hat."

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, der Demokrat Adam Schiff, nannte die Äußerungen des republikanischen Präsidenten am Donnerstagabend (Ortszeit) "abscheulich". Schiff kritisierte auf Twitter, dass Trump das Dementi Kims akzeptiert habe - wie es der US-Präsident in der Vergangenheit auch bei anderen Diktatoren gemacht habe.

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Der demokratische US-Senator Mark Warner schrieb auf Twitter: "Die Diktatoren der Welt haben die Botschaft bekommen: Du kannst mit allem davonkommen, solange du danach Donald Trump belügst." Warners Partei- und Senatskollege Tim Kaine äußerte sich ähnlich.

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Pjöngjang bestreitet jegliche Misshandlung Warmbiers

Im Januar vergangenen Jahres hatte Trump noch "die Diktatur" in Nordkorea für die Inhaftierung verantwortlich gemacht. Ein US-Bundesgericht hatte im vergangenen Dezember entschieden, dass Nordkorea für die Folter und den Tod Warmbiers verantwortlich gewesen sei. Das Gericht verurteilte die Regierung in Pjöngjang zur Zahlung von mehr als 500 Millionen Dollar an Warmbiers Familie. Vollstreckt werden kann das Urteil allerdings nicht. Pjöngjang hat jegliche Misshandlung Warmbiers bestritten und erklärt, der Student habe sich eine schwere Nahrungsmittelvergiftung zugezogen.

Der zweitägige Gipfel Trumps mit Kim in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi war am Donnerstag vorzeitig und ohne Ergebnis beendet worden. Offenbar gab es keine Einigung bei der Frage der Sanktionen gegen Nordkorea und der atomaren Abrüstung, auch wenn beide Seiten widersprüchliche Angaben machten. Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA schrieb am Freitag, Trump und Kim hätten vereinbart, "weiter produktive Gespräche zu führen, um über die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und die Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea zu diskutieren".

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