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Wahlkampf in Dallas - Texaner im Trump-Rausch

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Zehntausende sind gekommen, um ihn zu sehen: US-Präsident Trump beim Wahlkampfauftritt in Dallas. Mit heftigen Worten lässt der sich an einem bemerkenswerten Tag feiern.

Donald Trump am 18.10.2019 in Dallas (USA)
Donald Trump in Dallas (USA)
Quelle: AP

"Er hat nichts gemacht, als nur zu gewinnen, gewinnen", ruft Dan Patrick, der stellvertretende Gouverneur von Texas, und alle fallen ein "gewinnen, gewinnen, gewinnen, gewinnen". Die Halle ist voll. Fast 30.000 Menschen, viele in den Landesfarben rot-weiß-blau gekleidet, ein Meer von Pappschildern mit "Trump 2020". Gleich kommt ihr Held, ihre Lichtgestalt, die einfach nichts falsch macht.

Als sie Schlange standen draußen, stundenlang, da haben wir mit zwei Dutzend von ihnen geredet. Es sind weiße, schwarze und auch hispanische Amerikaner. Sie alle glauben nur ihm. Was die Medien berichten: alles Lügen. Die Steuersenkung, der Mauerbau, die Besetzung von Richterämtern, tatsächliche "Gewinne" von Donald Trump reichen ihnen aus. Sie sind in einer Stimmung, die sie anfällig macht für Demagogie, und genau die gibt es an diesem Abend in Dallas, Texas.

Verbalgewalt an einem bemerkenswerten Tag

"Es geht um das Überleben der amerikanischen Demokratie", ruft der Präsident vom Podium, "sie zerstören unser Land." Sie, das sind die Demokraten, die linken Eliten, die liberalen Medien, die angeblich die "größte Wahl in der Geschichte unseres Landes" rückgängig machen wollen. "Ich glaube nicht mehr, dass sie unser Land lieben", tönt Donald Trump, "die Demokraten haben unser Land betrogen, sie wollen unsere Verfassung zerreißen." Das ist nicht nur starker Tobak. Den politischen Gegnern zu unterstellen, sie liebten ihr Land nicht und wollten es zerstören, damit schafft der Präsident den fruchtbaren Boden für Gewalt, die sich zunächst verbal Bahn bricht. Das Wort Feind fällt immer wieder an diesem Tag, der in vielerlei Hinsicht bemerkenswert ist.

Der amerikanische Vizepräsident erreicht eine Waffenruhe beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die aber nur den Kurden ermöglichen soll, möglichst schnell aus der Kriegszone zu verschwinden. Trump lässt sich dafür als Friedensstifter feiern. Der Stabschef des Weißen Hauses lieferte in einer Pressekonferenz sehr klare Hinweise, dass die Trump-Administration die Waffenhilfe für die Ukraine an die Lieferung von Schmutzmaterial über den Wahlgegner des Präsidenten, Joe Biden, geknüpft hat. Am Abend ruderte Mick Mulvaney mühsam zurück.

Nebenbei kündigte er auch an, dass der nächste G7-Gipfel in Donald Trumps Golfclub in Florida stattfinden soll. Der US-Präsident schanzt sich selbst einen großen Auftrag zu. Selbst wenn er für die Nutzung nichts in Rechnung stellen sollte, ist die Werbung für sein Resort unbezahlbar. Das ist es: Trump gibt sich gar nicht mehr die Mühe, möglichen Amtsmissbrauch zu verschleiern, durch den er sogar persönlich "Gewinne" macht. Es gibt nichts und niemanden mehr, um ihn zu bremsen.

Glühende Anklageschrift gegen den Präsidenten

Beim Poker nennt sich so etwas "all-in". Er setzt alles darauf, dass das Amtsenthebungsverfahren scheitert und er bei der Wahl im November 2020 vier weitere Jahre im Weißen Haus gewinnt. Genau das gilt es zu verhindern, so glaubt einer der angesehensten und höchstdekorierten US-Soldaten der letzten Jahre: "Unsere Republik wird angegriffen, vom Präsidenten", so überschreibt Admiral William McRaven seinen Kommentar in der "New York Times". "Das Amerika, an das wir geglaubt haben, ist unter Attacke, nicht von außen, sondern von innen", schreibt der einstige Kommandeur der Special Forces.

Er erzählt davon, wie einer seiner Freunde, ein Ex-General, ihm bei einer militärischen Feier zuraunte: "Ich mag die Demokraten nicht, aber Trump zerstört die Republik." Sein Nachdenken darüber mündete in eine glühende Anklageschrift gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Dieser verrate die Werte, die das Land groß gemacht hätten, Pflicht und Ehre, Hilfe für die Schwachen und das Aufstehen gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, die Verlässlichkeit gegenüber Verbündeten.

"Diese Tugenden haben diese Nation über 243 Jahre erhalten", schreibt McRaven und fährt fort: "Wenn dieser Präsident ihre Bedeutung nicht versteht, wenn dieser Präsident nicht die Führungsfähigkeit zeigt, die dieses Land braucht, daheim und in Übersee, dann ist es Zeit für eine neue Person im Oval Office - Republikaner, Demokrat oder Parteiloser - je schneller, desto besser. Das Schicksal unserer Republik hängt davon ab."

Zehntausende im Trump-Rausch

Die Worte werden nachhallen, in Washington, in der Politik, in den Medien und bei denen in den amerikanischen Streitkräften, die ihre Leben eingesetzt haben, um Amerika und seine Werte zu verteidigen.

Aber hier in Dallas hallen sie nicht nach. Hier dröhnen nur die markigen Sprüche von Donald Trump: "Amerika gewinnt endlich wieder und wird endlich wieder respektiert." Die Masse grölt und kreischt. "Wir werden weiter gewinnen, gewinnen, gewinnen." Zehntausende von Menschen im Trump-Rausch geraten fast in Ekstase angesichts des Mannes, den sie verehren. Die Halle ist erfüllt von kriegerischer Rhetorik, Verbalgewalt. Und man fragt sich, ob Trumps Anhänger es akzeptieren werden, falls er seines Amtes enthoben wird oder die Wahl nächstes Jahr nur knapp verliert.

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