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Trumps Rede an die Nation - Der Präsident mauert

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Kein Publikum. Kein Jubel. Keine Emotionen. Trump hat eine Rede an die Nation gehalten und versucht, für seine Mauer zu werben. Der US-Präsident sieht sein Amerika bedroht.

In seiner Rede an die Nation zeichnet Donald Trump ein dramatisches Bild von Verbrechern und Elend durch Einwanderer – und hält an dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko fest.

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Das Oval Office ist ein magischer Ort der Macht. Normalerweise erklären Präsidenten hier Kriege oder beenden sie. Wenn sich der oberste Befehlshaber an die Bürger wendet, dann geht es um Schicksalsfragen der Nation. Und meistens steht auch das Schicksal der Präsidentschaft auf dem Spiel.

Auf allen Kanälen Trump

Das ist die historische Fallhöhe als Trump um 21 Uhr (Ortszeit) auftritt. Der Mann, der gerne die Medien als Feinde des Volkes bezeichnet, hat darum gebeten, seine Ansprache auf allen Kanälen zu übertragen. Für 9,5 Minuten spricht nur einer in Amerika. Donald Trump.

Der liebt eigentlich die vollen, dampfenden Säle, die freie Rede, bei der nicht jedes Wort zählt, sondern die Stimmung die Botschaft ist. Das Oval Office ist dagegen eine staatstragende Bühne. Trump im dunklen Anzug, weißes Hemd, gestreifte Krawatte. Hinter ihm die US-Flagge, vor ihm die Kamera mit Teleprompter auf dem der Text steht, den er sorgfältig abzuarbeiten scheint. Der Präsident weiß, dass jede Behauptung in Echtzeit auf ihre Richtigkeit überprüft wird. Denn Trump hat ein flüchtiges Verhältnis zur Wahrheit.

Faktenchecker widerlegen in Echtzeit

Er hofft noch einmal, mit dem alten Trick seine Wähler melken zu können. Mit düsteren Worten warnt er vor den Flüchtlingen. Sie würden Kriminalität und Gewalt ins Land bringen. Er spricht von einer Sicherheitskrise. Das stimmt so nicht, stellen so gleich die Faktenchecker in den Medien fest. Die Kriminalität unter Flüchtlingen ist statistisch gesehen niedriger als unter legal in Amerika lebenden Menschen.

Es ist die erste TV-Ansprache Trumps im Oval Office. Bisher hat er einen solchen Auftritt gemieden. Man spürt, er fühlt sich nicht wohl, ihm fehlt sein Publikum. Die ruhige Ansprache zwängt ihn ein. Der Präsident lebt von Emotionen, nicht Fakten. Dabei braucht er gerade jetzt gute Argumente. Denn die Amerikaner sind mehrheitlich gegen Trumps Mauer zu Mexiko. Der Streit darum legt seit vielen Tagen die Bundesverwaltung lahm. Mit schlimmen Folgen für viele Hunderttausende, die keine Gehälter bekommen und ihre Rechnung nicht bezahlen können. Der Präsident muss also überzeugen. Aber dem begnadeten Einpeitscher liegt die Rolle des Erklärers nicht.  

Trump in der Zwickmühle

Während er redet, scheint die Nation zu rufen: "Build the wall, build the wall." Dann erinnert man sich wieder an Trumps Frage im Präsidentenwahlkampf. "Wer zahlt für die Mauer?" Und die Trump-Anhänger brüllten aus vollem Hals: "Mexiko!" Doch jetzt ist er nicht mehr Wutkandidat, jetzt sitzt er im Weißen Haus und muss liefern. Der Bau der Mauer ist zu einer Überlebensfrage seiner Präsidentschaft geworden. Und bisher liefert er nicht.

Pflichtschuldig kritisiert der Präsident die Demokraten. Sie seien Schuld an dem Stillstand im Land. Doch das beeindruckt die wenig. In ihrer Antwort auf Trump weichen sie keinen Millimeter von ihrer Strategie – kein Geld für den Bau der Mauer. Die Demokraten glauben fest daran, dass der Shutdown Trump politisch mehr schadet als ihnen. Sie werden nicht die ersten sein, die im Politikpoker zucken. Und wie lange Trump seine eigenen Leute bei der Stange halten kann, weiß niemand. Auch viele republikanische Senatoren halten das Festhalten am Bau der Mauer für falsch.

Die Nervosität steigt in Washington. Aber am Ende des Abends hat sich nichts bewegt. Die Nation wartet weiter auf eine Lösung. Der Präsident steckt weiter in einer Zwickmühle. Will er den Shutdown beenden, muss er sein Wahlversprechen, eine Mauer zu bauen, brechen. Hält er daran fest, werden viele US-Bürger immer härter finanziell abgestraft. "Gott segne Amerika", sagt Trump noch zum Schluss. Dann blickt er noch einmal in die Kamera. Kein Applaus. Er sitzt allein im Oval Office. 

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