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Asienreise von Donald Trump - "Präsident Wut" im Reich des Lächelns

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US-Präsident Trump besucht Asien - Japan, Südkorea und China. Seine Drohungen gegen Nordkorea stehen im Raum, Tokio und Seoul versuchen zu beruhigen, Peking wird Trump hofieren.

Archiv: US-Präsident Donald Trump spricht am 01.06.2017 im Rosengarten des Weißen Haus in Washington, USA
Quelle: dpa

Wer kennt das nicht? Eigentlich hat man eine bedeutsame Reise vor sich. Man will sich darauf vorbereiten, sich mit der Kultur der Region beschäftigen, noch etwas Schlaues lesen oder mit jemanden reden, der schon mal da war. Und dann, verdammt nochmal, dann kommt man nicht dazu. Der ganze Stress im Alltag frisst einen auf, nichts läuft so richtig zusammen.

So etwa dürfte sich Donald Trump fühlen, der seine bislang wichtigste Auslandsreise antritt. In Japan, Südkorea und China stehen die ganz großen Fragen auf dem Spiel: Krieg oder Frieden, Freihandel oder Abschottung, Vorherrschaft in der Region und die Frage, wer die Nummer eins in der Welt ist. Wenn die zwei Elefanten der Weltpolitik, die Präsidenten der USA und Chinas, sich zusammensetzen, dann sind wir alle davon betroffen. Ob wir wollen oder nicht. Das macht Trumps zwölftägige Reise so wichtig und flößt uns so viel Angst ein.

Ausgerechnet jetzt bräuchte man ein Amerika in Höchstform, mit einem Präsidenten, der die Feinheiten der Region kennt und der voll konzentriert ist. Aber Trump gelingt das nicht.

Twitter-Präsident mag es kurz und knackig

Im Weißen Haus haben sich die letzten Tage gespenstische Szenen abgespielt. Der Präsident verschanzte sich morgens in seinen Privaträumen vor dem Fernseher - gefesselt und angewidert von der Berichterstattung über die Russland-Affäre. Gleich drei seiner Mitarbeiter sind angeklagt: Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Verschwörung gegen Amerika, Belügen des FBI - die Vorwürfe sind nicht ungefährlich für Donald Trump.

Auch wenn noch nicht nachgewiesen wurde, ob es geheime Absprachen im Wahlkampf mit den Russen und Trump-Leuten gegeben hat, kommen die Einschläge für den Präsidenten näher. Er kocht, heißt es, und es fehle ihm die Zeit und Kraft, sich auf seine Asien-Reise zu konzentrieren. Termine, bei denen ihn seine Mitarbeiter auf diplomatische Tellerminen vorbereiten wollten, wurden zeitlich zusammengestrichen oder fielen ganz aus. Nicht viel länger als eine Seite zu jedem Thema, mit Grafiken und Fotos - so sollen sie im Weißen Haus die Informationen für Trump leicht verdaulich aufarbeiten.

Der Twitter-Präsident mag es kurz und knackig. Darin ist er selbst ein Meister. Komplexe Probleme schrumpfen da auf 140 Zeichen. Kim Jong Un, der nordkoreanische Regierungschef, mutiert in Trumps Welt zum "Raketen-Mann auf Selbstmord-Mission". Der wiederum hält Trump "für geistig zurückgeblieben". Beide benehmen sich wie schlecht erzogene Kleinkinder, die sich im Sandkasten um ihre Förmchen streiten. Die Drumherum-Stehenden bleiben fassungslos zurück.

Trump wirkt wie ein Kulturschock

Vor allem die Verbündeten Japan und Südkorea, die Trump zuerst besucht und die am härtesten von einer militärischen Auseinandersetzung in der Region betroffen wären, versuchen beruhigend auf den US-Präsidenten einzuwirken. Trump hatte in seinem Wahlkampf versprochen, unberechenbar zu sein. Nicht viel ist ihm bisher gelungen, aber in diesem Punkt hat er geliefert. In Tokio und Seoul verzweifeln sie wegen Trumps emotionaler Ausbrüche. Er wirkt wie ein Kulturschock in diesen Ländern, in den Konflikte höflich weggelächelt werden, Beleidigungen verpönt sind und körperliches Dominanzgehabe verwundert. Unvergessen der Moment, als der US-Präsident ganze 19 Sekunden lang die Hand von Japans Regierungschef Abe quetschte. Der verdrehte die Augen und litt für sein Land. Welten prallten aufeinander.

Nur langsam lernten sie in Asien, dass Trump oft mehr Krach als Politik macht. Japan, Südkorea und China wollte er wegen ihrer Handelsüberschüsse abstrafen. Doch die Strafzölle verhängte er nicht. Und so hoffen sie, dass das permanente Drohen mit einem Militärschlag gegen Nordkorea auch mehr Getöse als Realpolitik ist.

Chinesen kennen Trumps Eitelkeit

Was uns zum chinesischen Regierungschef Xi Jinping bringt. Nach dem Parteitag ist der Mann noch mächtiger. Das gefällt Trump, er steht gerne mit Gewinnern auf einem Bild. Und seitdem sie zusammen in Trumps Ferienhotel Schokoladentorte gegessen haben, scheint sich eine echte Männerfreundschaft anzubahnen. Vor der Reise ließ der US-Präsident seinen Nationalen Sicherheitsberater McMaster die Chinesen für ihre härtere Gangart gegen Nordkorea loben.

Beide, Trump und Xi Jinping, eint ein strategisches Interesse, die Nordkorea-Krise zu lösen. Für Chinas Machtinteressen in der Region wird der kleine Diktator Kim Jong Un immer mehr zum Problem. Sein starres Festhalten am Atomwaffenprogramm könnte in der Region zu einem Wettrüsten führen. Das will China nicht, deshalb erhöhen sie den Druck auf den Nachbarn, was wiederum den USA gefällt.

Trump kann also mit vielen schönen roten Teppichen in Asien rechnen. In China werden sie den US-Präsidenten hofieren. Trump wird als starker Mann empfangen, das wird er genießen. Er hört gerne, wie bedeutsam er ist. Die Chinesen wissen das, sie kennen seine Eitelkeit. Der "Wut-Präsident" unterwegs im Reich des Lächelns - wie viele seiner Vorgänger hofft Trump auf außenpolitischen Glanz, um daheim wieder ein wenig zu strahlen.

Was Trump für Asien im Gepäck hat

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