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Geplatzter Gipfel - Nach Absage: "Kim steht mächtig unter Druck"

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Die USA sagen den Gipfel mit Nordkorea ab. Diktator Kim steht "von nun an mächtig unter Druck", sagt ZDF-Korrespondent Reichart.

Ines Trams berichtet aus Washington zur Absage des Trump-Kim-Treffens, das "Team Trump" wolle das "Heft des Handelns" in der Hand behalten. Peking-Korrespondent Reichart erklärt, Nordkoreas Präsident erleide einen Gesichtsverlust.

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"Nordkorea", so der Leiter des ZDF-Studios in Peking, Thomas Reichart, weiter, habe ja "kurz zuvor das Testgelände für Atomwaffen gesprengt. Nun muss Kim nach Trumps Affront den Hardlinern zeigen, dass er weiter der starke Mann ist". Es sei sicher, dass "wir weiter Provokationen  aus Nordkorea sehen werden". Und das mache die internationale Atom-Gemengelage "noch gefährlicher als wir sie vor den Gipfelplänen hatten".

"Dahinter steckt ein viel größerer Konflikt"

"Wer aber hat das alles gesteuert? In Peking sei offenbar das Misstrauen gewachsen, was die USA mit der Annäherungspolitik hätten bezwecken wollen. "Chinas größte Sorge war", so Reichart, dass es "alleinige Deals zwischen den USA und Nordkorea geben könnte". Chinas Ministerpräsident sei zuletzt binnen kurzer Zeit gleich zweimal mit Trump zusammengetroffen. Hier sei es weniger um mögliche Handels-Sanktionen gegangen, sondern um "eine Front gegen Nordkorea". "Hinter dem Nordkorea-Konflikt aber steckt ja noch ein viel größerer - nämlich der zwischen den USA und China."

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump das geplante Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un abgesagt und eine Fortsetzung seiner Politik des "maximalen Drucks" und der Sanktionen gegen Pjöngjang angekündigt. Trump begründete seine Absage am Donnerstag mit der "offenen Feindseligkeit" Pjöngjangs und warnte Nordkorea vor "dummen und unbesonnenen" Handlungen. Kurz zuvor hatte Pjöngjang sein Atomtestgelände Punggye Ri als Beitrag zur Deeskalation zerstört.

"Zögern Sie nicht, mich anzurufen"

Angesichts der "offenen Feindseligkeit", die in der "jüngsten Erklärung" aus Pjöngjang zum Ausdruck gebracht worden sei, halte er den Gipfel gegenwärtig für "unangemessen", legte Trump in seinem Brief an Kim dar. Wenn Kim seine Meinung ändere, solle er jedoch "nicht zögern, mich anzurufen oder zu schreiben". Er freue sich auch, Kim eines Tages zu treffen. Nordkoreas Vize-Außenministerin Choe Son Hui hatte zuvor Äußerungen von US-Vizepräsident Mike Pence als "ignorant und dumm" bezeichnet.

Vor Journalisten sagte Trump, die USA und ihre Verbündeten Japan und Südkorea seien bereit, auf "dumme oder unbesonnene" Handlungen Nordkoreas zu reagieren. "Hoffentlich werden sich positive Dinge hinsichtlich der Zukunft Nordkoreas ereignen", sagte der US-Präsident. "Aber wenn nicht, sind wir mehr bereit, als wir es jemals waren." Auch ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums, Kenneth McKenzie, sagte, das Pentagon sei "zur Reaktion bereit", wenn es "provokante Aktionen" Nordkoreas gebe.

Moon Jae warnt Kim: "Trump nicht herausfordern"

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In beriet sich in Seoul mit seinen Sicherheitsberatern. Pence hatte Kim in einem Interview gewarnt, er solle Trump nicht herausfordern. Dies wäre ein "großer Fehler". Pence warnte außerdem, die Situation in Nordkorea werde "wie das Libyen-Modell enden", wenn Kim keinen "Deal" mache. Der ehemalige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi war Jahre nach der Aufgabe seiner Atomwaffen im Zuge von Luftangriffen einer internationalen Militärallianz entmachtet und getötet worden.

US-Außenminister Mike Pompeo begründete die Absage des Gipfeltreffens damit, dass Washington nicht mit einem "erfolgreichen Ergebnis" habe rechnen können. In den vergangenen Tagen sei "keine Antwort auf unsere Nachfragen" aus Pjöngjang gekommen, sagte er vor US-Parlamentariern. Pompeo war zur Vorbereitung des Gipfels zweimal nach Nordkorea gereist. Er brachte von dort drei in dem Land festgehaltene US-Amerikaner mit. Auch deren Freilassung war von den USA als ein Zeichen guten Willens Nordkoreas interpretiert worden.

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In seinem Brief an Kim dankte Trump dafür nochmals: "Das war eine wunderbare Geste, die wir sehr zu schätzen wussten." Bei den weiteren Vorbereitungen wurde jedoch die Kluft zwischen den Erwartungen beider Länder offenbar. Der für den 12. Juni in Singapur geplante Gipfel hatte zur Beendigung des Atomstreits mit Pjöngjang beitragen sollen. Stattdessen erklärte Trump nun in dem Schreiben an Kim: "Sie sprechen von ihren nuklearen Fähigkeiten, aber unsere sind so massiv und gewaltig, dass ich zu Gott bete, dass sie nie eingesetzt werden müssen."

Nordkorea zerstört Atomtestgelände

Nach Monaten der Entspannung zwischen beiden Staaten waren zuletzt Zweifel aufgekommen, ob der Gipfel tatsächlich stattfinden werde. Nordkorea drohte wiederholt mit einer Absage, nachdem die US-Seite eine "vollständige, überprüfbare und unumkehrbare" atomare Abrüstung verlangt hatte. Pjöngjang sieht sein Atomprogramm als Schutz vor einem Angriff der USA. Kurz vor Trumps Absage des Gipfeltreffens zerstörte Nordkorea wie angekündigt sein Atomtestgelände Punggye Ri. Die Sprengungen wurden in Anwesenheit ausländischer Journalisten vorgenommen, die von Explosionen berichteten.

In einem persönlichen Brief sagt US-Präsident Trump das für den 12. Juni anberaumte Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ab. Das politische Klima zwischen beiden Staaten wird zunehmend wieder von militärischen Drohungen geprägt.

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Nordkoreas Atomwaffeninstitut zufolge wurde die vollständige Zerstörung der Anlage erreicht, indem "sämtliche Tunnel per Explosion zum Einsturz gebracht und die Tunneleingänge komplett geschlossen" worden seien. Auf dem Gelände waren alle von Nordkorea gemeldeten sechs Atomtests vorgenommen worden, auch der stärkste vom vergangenen September. Experten sind geteilter Ansicht in der Frage, ob die Zerstörung der Anlage tatsächlich ein Zeichen des guten Willens von Seiten Nordkoreas war. Skeptikern zufolge hatte das Gelände mit den dort vorgenommenen Atomtests ohnehin bereits das Ende seiner Lebensdauer erreicht.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres reagierte auf die Absage des Treffens "zutiefst besorgt". Er forderte die Beteiligten auf, "ihren Dialog fortzusetzen, um einen Weg zu einer friedlichen und überprüfbaren Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu finden". Die "völlige Beseitigung" der Atomwaffen habe "Priorität", sagte Guterres vor Studenten in Genf.

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