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Trumps Favorit als Weltbank-Chef - Malpass "eine mittlere Katastrophe"

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Donald Trump hat einen Kritiker der Weltbank für den Chefposten der Organisation vorgeschlagen. Trotzdem hat der umstrittene Kandidat gute Chancen, gewählt zu werden.

US-Präsident Donald Trump hat den Weltbank-Kritiker David Malpass als Präsidentschafts-Kandidaten für die Bank vorgeschlagen. Ob Malpass eine Mehrheit bekommt, ist jedoch unklar.

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Wenige in aller Welt werden jubeln - so hat die New York Times die jüngste Personalie aus dem Weißen Haus zusammengefasst. David Malpass soll als Chef der Weltbank auf Jim Yong Kim folgen, der im Januar überraschend seinen Rücktritt angekündigt hatte. Es könne "keinen besseren Kandidaten" als Malpass geben, sagte Donald Trump bei der Vorstellung seines Wunschkandidaten. Das bezweifeln viele.

Fehlprognosen und Weltbank-Kritik

Denn in seiner Funktion als Volkswirt der amerikanischen Bank Bear Stearns etwa hat Malpass mit seinen Vorhersagen fatal danebengelegen. "Keine Panik. Die Wirtschaft ist robust und wird über die kommenden Monate, wenn nicht sogar Jahre, solide wachsen". Das schrieb Malpass 2007, als erste Erschütterungen am US-Hypothekenmarkt auftraten. Wenige Monate später stand Bear Stearns vor der Pleite und brachte mit Lehman Brothers das weltweite Finanzsystem zum Kollaps.

In Weltbankkreisen indes ist der 62-Jährige David Malpass alles andere als ein Unbekannter. Denn seit 2017 war er als US-Finanzstaatssekretär für sie zuständig. So hat er unlängst an der Bewilligung einer Finanzspritze mitgewirkt: Um 13 Milliarden Dollar ist das Kapital erhöht worden. Damit sollen unter anderem Reformen bei der Weltbank eingeleitet und umgesetzt werden.

"Personalie ist eine mittlere Katastrophe"

Dass Malpass die Weltbank für sehr stark reformierungsbedürftig hält, hat er in jüngster Vergangenheit sehr deutlich gemacht: Ineffizient sei die Bank bei ihrem Ziel der Armutsbekämpfung, zu groß aufgeblasen der Behördenapparat und von außen wenig transparent und verschlossen. Zudem kritisierte er, dass die Mitarbeiter der Weltbank zu hohe Gehälter bezögen und in der ersten Klasse um die Welt flögen, kurz: Die Institution mit Sitz in New York sei korrupt und schade dem globalen Wachstum. Sein Rezeptvorschlag für eine Reform: Die Bank solle ihre Rolle in Entwicklungsländern zugunsten des privaten Sektors drosseln.

"Die Personalie ist eine mittlere Katastrophe", sagt Knud Vöcking, Experte für multilaterale Institutionen bei der Nicht-Regierungsorganisation Urgewald. Denn Malpass ist nicht nur ein großer Kritiker der Weltbank, er hat sich auch offen dafür ausgesprochen, fossile Ressourcen weiter zu nutzen, so lange sie vorhanden sind. Damit befindet er sich auf einer Linie mit dem US-Präsidenten, der den Klimawandel für reine Erfindung hält. Als Wahlkampf-Berater Donald Trumps hatte Malpass sich auch für die Losung "America First" ausgesprochen. "Der Multilateralismus darf nicht den Bach runter gehen. Das aber ist zu befürchten, denn mit Malpass wird die Weltbank stärker im Sinne der USA handeln". In diesem Sinne betonte Trump am Dienstag, Malpass werde sicherstellen, dass US-Steuergelder für die Weltbank, "amerikanischen Interessen dienen" werden.

Widerstand aus China?

Allerdings ist die Weltbank an sich eine multilaterale Organisation. Hinter ihr stehen als Anteilseigner 189 Nationen. Die müssen sich letztlich auch zusammen finden, um im April den neuen Chef ihrer Bank zu wählen. Bislang sorgte ein ungeschriebenes Gesetz dafür, dass die USA den Chef der Weltbank bestimmen. Dafür lag die Besetzung des Chefpostens beim Internationalen Währungsfonds bei den Europäern. Die meisten Beobachter rechnen deswegen mit guten Chancen, dass David Malpass tatsächlich im April gewählt werden wird. "Ich wüsste nicht, woran es scheitern sollte", meint der Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski. "An Europa nicht, denn die wollen den IWF-Chef weiter bestimmen. Und einige große Schwellenländer wie Brasilien haben sich ohnehin Trump angenähert".

Bleibt noch China, hier vermuten Beobachter wie Brzeski potenziell den größten Widerstand gegen Malpass. Und das aus gutem Grund. Denn seine Vorstellungen einer Reform der Weltbank sehen auch vor, dass die Weltbank ihre Schwerpunkte ändert: So soll sich die Kreditvergabe stärker an ärmeren Ländern orientieren und weniger an mittlerweile entwickelten Schwellenländern wie China. China ist der größte Schuldner der Weltbank, hat mittlerweile aber Alternativen zu den Krediten der Weltbank. "China hat jede Menge Ressourcen", lautet denn auch die Einschätzung von Malpass. Nur reicht der Widerstand einiger weniger Länder nicht aus, um einen Kandidaten zu verhindern. Und China hat möglicherweise auch andere Interessen - Stichwort Handelsstreit mit den USA. "Ich kann mir gut vorstellen, dass China die Frage des Weltbank-Präsidenten in die Verhandlungen im Handelskonflikt reinbringt", meint Brzeski. So gesehen könnte China auf der Seite der Weltbank nachgeben, um auf der Seite des Handelskonfliktes etwas rauszuholen.

USA haben die meisten Stimmen in der Weltbank

Für die Gegner von Malpass wird es also vermutlich schwierig werden, eine Mehrheit für einen anderen Kandidaten - oder eine andere Kandidatin - zu finden. Umso mehr, da die Stimmrechte bei der Weltbank sich nach den finanziellen Anteilen richten. Den mit Abstand größten Stimmenanteil haben die USA (knapp 16 Prozent), gefolgt von Japan (knapp 7 Prozent) und China mit gut vier Prozent.

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