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Der gefährliche Partner - Trump streut Zweifel an der NATO

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In Brüssel schaut man besorgt auf den NATO-Gipfel. Es geht wieder ums Geld - und da droht Ärger mit Donald Trump. Ein Hauptziel der Attacken des US-Präsidenten ist Deutschland.

Der US-Präsident ist ein Meister im Schüren von Emotionen. Virtuos spielt er mit den Gefühlen seiner Anhänger. Seine Wahlveranstaltungen ähneln Konzerten, in denen die Fans mit den immer gleichen Erfolgshits beglückt werden. "Make America great again", "lock her up", "built that wall", die Masse brüllt auf Knopfdruck die Parolen nach. Sie sind die Gassenhauer für eine Präsidentschaft geworden, die eine neue Weltordnung einzuläuten scheint.

Kurz vor dem Beginn des NATO-Gipfels in Brüssel hat US-Präsident Trump erneut die Verteidigungsausgaben von Ländern wie Deutschland kritisiert. Sie würden zu wenig investieren.

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Denn seit einiger Zeit hat Trump für seine "Greatest Hits der Wutbürger" einen neuen Song geschrieben. Diese Melodie sollte uns Sorgen machen, denn sie ist zutiefst deutschlandfeindlich. Es vergeht kaum noch eine Rede, in der Trump nicht die Merkel-Regierung unter Beschuss nimmt. Deutschland lebe seit Jahren auf Kosten der Amerikaner, so der Tenor. Die Handelsüberschüsse bewiesen das. Auf diesem Politikfeld hat der Präsident seinen Worten bereits Taten folgen lassen und verhängte Strafzölle. Es droht ein Handelskrieg.

Deutschland als reicher Trittbrettfahrer

Nun erfolgt sein Angriff auf die NATO, auf die Sicherheitsstruktur Europas. Auch da wieder Trumps Lieblingsziel: die Deutschen. Zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts soll jeder für sein Militär ausgeben. Die Amerikaner sind mit mehr als 3,5 Prozent deutlich drüber, die Deutschen mit 1,2 Prozent deutlich drunter. Nur gerade mal vier der 29 NATO-Mitglieder erreichen das Ziel. Aber gerade das Verhalten der Deutschen treibt dem US-Präsidenten die Zornesröte ins Gesicht. Noch hat Trump keinen Anti-Deutschen-Schlachtruf erfunden, den seine Anhänger skandieren können. Aber mit dem hässlichen Bild des Deutschen als reicher Trittbrettfahrer, der lieber US-Soldaten als seine eigenen Bürger in den möglichen Krieg schickt, spielt der US-Präsident nur allzu gerne.

Die Bundeskanzlerin muss sich also auf dem NATO-Gipfel auf einiges gefasst machen. Trump könnte sie stellvertretend für alle, die nicht so wollen wie er, angreifen. Wobei diese Kritik nicht neu ist. Der US-Präsident folgt da seinem Vorgänger Barack Obama, der sich auch immer wieder über die zu geringen Militärausgaben der NATO-Bündnispartner beschwert hatte. Bisher allerdings haben sie in Berlin die Warnrufe aus Washington nicht so ernst genommen. Doch bei Trump ist dies eine gefährliche Strategie. Der Mann im Weißen Haus will nicht nur spielen, er beißt auch zu. Gezielt streut er Zweifel an der Bündnistreue der Amerikaner, denkt laut über Truppenabzug nach und bezeichnet das Militärbündnis schon mal als obsolet. Der russische Präsident Putin reibt genüsslich seine Hände. Er kann sein Glück wohl kaum fassen, dass sich die NATO, dieses einstige Bollwerk gegen den Warschauer Pakt, gerade selbst zerlegt.

Trump will die zwei Prozent sehen

Trumps Generäle beruhigen zwar immer und versichern den Partnern, dass der US-Präsident nicht vorhat, die Nachkriegsordnung in die Luft zu sprengen. Und Europa weist immer darauf hin, dass gerade in den letzten Jahren die Militärausgaben gestiegen sind und dass Amerikas Macht auf der Stärke der NATO passiert. Aber das klingt wie das sprichwörtliche Pfeifen im Walde.

Wer darauf setzt, dass Trump diese klassische Sichtweise beherzigt, dass er anerkennt, dass sich die NATO seit der Annektion der Krim aufgerüstet hat, geht ein hohes Risiko ein. Zwei Prozent - dies ist die Zahl, die der Präsident sehen will. Das hat er seinen Wählern versprochen. Die "America first"-Agenda lebt von diesen symbolischen Schritten. Die Zwei-Prozent-Marke ist deshalb zum Test für die Stabilität und Zukunftsfähigkeit des Militärbündnisses geworden.

US-Präsident setzt NATO die Pistole auf die Brust

Präsident Trump hat der NATO im wahrsten Sinne des Wortes die Pistole auf die Brust gesetzt. Es sind unsichere Zeiten. Die Bundeskanzlerin muss sich entscheiden. Kommt sie dem Präsidenten weiter entgegen oder kommt es zum Konflikt? Trump jedenfalls hat die anti-deutsche Melodie seit Wochen schon angestimmt. Er scheint bereit zu sein, sie noch lauter im Chor mit seinen Anhängern zu singen.

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