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Trump trifft Putin - Duell oder Duett?

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Syrien, Krim und US-Wahlen - nur einige Themen, die Trump und Putin in Helsinki zu besprechen haben. Eins ist klar: Für den US-Präsidenten steht dabei deutlich mehr auf dem Spiel.

Donald Trump und Vladimir Putin schütteln Hände beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg
Donald Trump und Vladimir Putin schütteln Hände beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg
Quelle: dpa

Es gibt eine kleine Geschichte von Donald Trump, die viel über die Strategie des US-Präsidenten aussagt. Damals als er noch eine eigene TV-Show hatte, erzählte er jedem, dass seine Sendung die Nummer eins auf dem Fernsehmarkt sei. Das stimmte zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr, aber "The Donald" wie sie ihn alle in New York nannten, behauptete es immer weiter. Einmal fragte ihn sein Produzent, warum er die Unwahrheit sage. Trump soll gelächelt und erklärt haben, wenn er, Trump, es nur oft genug behauptete, dann glaubten ihm die Menschen das.

Man könnte diese Strategie auch den Nordkorea-Trick nennen. Eigentlich hat sich die Lage seit dem Treffen des US-Präsidenten mit Kim Jong Un nicht wirklich entspannt. Im Gegenteil: Die US-Geheimdienste haben Hinweise, dass Nordkorea weiter an seinem Atomprogramm feilt. Aber Trump hat nach dem wichtigsten Treffen aller Zeiten Entwarnung geben. Aus "Rocketman-Kim", der die Welt an den Abgrund schiebt, ist ein prima Kerl geworden. Die Trump-Kim-Show verkauft der US-Präsident weiter als Quotenhit, auch wenn die Sendung erkennbar schwächelt.

Die Körpersprache ist entscheidend

Die Weltbühne hat ja Platz für viele große Egos und Selbstdarsteller. Aber wenn sich Trump und Putin heute gegenüber sitzen, dann dürfte es ego-mäßig eng im Raum werden. Die beiden denken von sich groß und wissen dies auch zu inszenieren. Die Welt wird genau hinsehen, wer wem wie die Hand schüttelt, wer wem wie dominant dem Arm umlegt, wer zuerst redet, wer lacht und wer cool bleibt. Diese Dinge sind bedeutsam. Die Szene werden dann Tausende von Journalisten analysieren. Deshalb sollen beide Machtzentralen, der Kreml und das Weiße Haus, eine Expertenabteilung besitzen, die die Körpersprache minutiös untersuchen. Zumindest beim russischen Präsidenten kann man davon ausgehen, dass er bestens vorbereitet ist und den US-Präsidenten studiert hat wie ein Profi-Boxer vor einem entscheidenden Kampf. 

Trump dagegen glaubt ja, in nur wenigen Sekunden zu wissen, wie sein Gegenüber einzuschätzen ist. Er verlässt sich auf seinen Instinkt und hält wohl nicht so viel von intensiver Vorbereitung. Am Ende geht es nicht so sehr um das, was rauskommt, sondern um das, was die Menschen glauben. Davon ist Trump zutiefst überzeugt.

Die Strategien bleiben unklar

Womit wir wieder beim Nordkorea-Trick angekommen sind. Den hat Trump auch schon einmal mit Putin vorgeführt. Es ging um den Krieg in Syrien. In diesem Land liefern sich die USA und Russland einen gnadenlosen Stellvertreter-Krieg. Beim Treffen in Hamburg beschlossen Trump und Putin, befriedete Zonen in Südwest-Syrien einzurichten und Kampfhandlungen zu unterbieten. Das klang nach Hoffnung. Der US-Präsident verkaufte diese Abmachung groß. Seinem Vorgänger Obama sei so etwas nicht gelungen. Diese befriedeten Zonen haben aber nie funktioniert. Der Krieg geht weiter. Aber Trump und Putin inszenierten einen Erfolg für die Show-Welt der Politik.

Kurz vor dem Gipfel zeichnet sich nicht ab, wie genau die Strategie der beiden aussieht. Nur wenig ist bisher bekannt geworden. Der US-Präsident dämpft eher die Erwartungen. Zumindest lässt sich die Liste der Themen, die beide besprechen wollen, sehen. Und sie birgt viele Gefahren. Mehr für Trump als für Putin.

Syrien, Krim und US-Wahlen

Der US-Präsident will aus Syrien die amerikanischen Einsatzkräfte zurückziehen. Seine Militärs sind strikt dagegen. Sie fürchten, dass der russische Einfluss auf die Region noch größer wird. Das wollen sie unbedingt verhindern und warnen Trump davor, sich von Putin wieder einen "Friedensplan" andrehen zu lassen.

Auch beim Thema Krim fürchten Trumps Leute, dass er von Putin ausgetrickst wird. Der US-Präsident könnte den Konflikt für beendet erklären, um die Beziehungen mit Russland zu normalisieren. Auf dem G7 Gipfel in Kanada hatte Trump heftig für die Wiederaufnahme Russlands geworden. Das wäre ein unglaublicher Triumph für Putin.

Und dann gibt da noch die Heimatfront, die sorgenvoll auf den Präsidenten schaut. Die US-Geheimdienste sind sicher: Russland hat die US-Präsidentschaftswahlen zugunsten Trumps manipuliert. Gerade hat der Sonderermittler Robert Mueller zwölf russische Spione angeklagt, die die Computer der Demokraten während der Wahl gehackt haben sollen. Immer deutlicher wird, wie generalstabmäßig die Machthaber im Kreml die US-Demokratie angegriffen haben.

Trump: Putin ist ein Konkurrent

Und was macht Trump? Auf der Pressekonferenz mit Theresa May in London wird er gefragt, ob Putin ein Feind oder ein Freund sei. Zu diesem Zeitpunkt soll Trump schon von den Anklagen gegen die Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes gewusst haben. Aber die Antwort des US-Präsidenten wirkt fast unbeteiligt. Keine Kritik an dem russischen Präsidenten, sondern eher eine freundliche Beschreibung des Kreml-Chefs.

Putin, so Trump, sei weder Feind noch Freund, sondern Konkurrent. Wenn er gut mit ihm auskomme, sei das eine gute Sache. In den USA hat die Aussage Reaktionen ausgelöst. Viele, auch Republikaner, fordern von dem US-Präsidenten mehr Härte gegen Putin. Gerade auch weil der Vorwurf im Raum steht, Trump oder seine Mitarbeiter hätten mit den Russen bei der Manipulation der Wahl gemeinsame Sache gemacht.

Für Trump steht einiges auf dem Spiel

Der US-Präsident hat versprochen, dass Thema anzusprechen. Aber wirklich erregt er sich nur über den Vorwurf der Zusammenarbeit. Da spricht er von Hexenjagd, beschimpft die US-Geheimdienste und droht immer wieder Sonderermittler Mueller zu feuern. Für Putin dagegen gibt es meistens freundliche Worte. Bei dem Treffen der beiden Alphatiere steht für Trump deutlich mehr auf dem Spiel als für  Putin.

Es ist Showtime in Helsinki. Die beiden müssen sich entscheiden. Wird der Gipfel ein Duell oder ein Duett? Härte oder Freundlichkeit? Ergebnisse oder Scheinkompromisse? Aber wahrscheinlich ist das für Trump gar nicht die Frage. Er glaubt, dass am Ende nicht entscheidend ist, was rauskommt, sondern, was die Menschen glauben. Und dafür hat Trump ja immer noch den Nordkorea-Trick. The Show must go on.

Worüber Trump und Putin in Helsinki wohl reden werden

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