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Trump und Kim in Hanoi - Zwischen Patrouillen und Schnappschüssen

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Auf den Straßen von Hanoi herrscht normalerweise reges Treiben, doch für die Ankunft von Trump und Kim muss der Verkehr stillstehen. Die Vietnamesen nehmen es gelassen.

Gipfel Hanoi
Kim Jong Uns Ankunft: Zurückhaltende Reaktionen bei den Vietnamesen.
Quelle: ZDF

Es gibt ein Davor. Und es gibt ein Danach. Beim Davor ist es mucksmäuschenstill auf der Straße, was eigentlich nie vorkommt in Hanoi. Man hört plötzlich den Wind, das Musikgedudel aus den anliegenden Shops und schmeckt den Staub auf der Zunge, vielleicht, weil man selbst innehält, weil nichts mehr geht. Die Straßen sind abgesperrt, Hunderte Polizisten und Soldaten säumen sie jeweils im Abstand von wenigen Metern, mit Schlagstöcken und Waffen in ihren Händen. Sie stellen Metallgitter auf und hindern mit einer Kordel Passanten am Betreten der Straße.

Sicherheitskräfte in Hanoi, Vietnam, aufgenommen am 27.02.2019
Sicherheitskräfte in Hanoi sitzen am Straßenrand.
Quelle: AP

Vor den Absperrungen stehen unzählige Neugierige, Moped- und Autofahrer - und warten gespannt. Wann kommt er? Und wer kommt? Wird es US-Präsident Donald Trump sein in seinem "Beast"? Oder der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un in der gepanzerten Mercedes-Limousine? Eine Mitarbeiterin der Sicherheitsbehörden mit Walkie-Talkie in der Hand läuft die Strecke ab, guckt hoch zu den Wohnhäusern, die an der Strecke liegen. Erspäht sie Fenster, die nicht von Vorhängen zugezogen sind, spricht sie in ihr Funkgerät hinein. Sofort geht auf der anderen Straßenseite ein Polizist in das Haus - und keine fünf Sekunden später zieht ein Bewohner die Gardinen zu. Die resolute Dame auf der Straße nickt zufrieden.

Vietnamesen nehmen den Trubel gelassen

Ist dann aber erst einmal die Autokolonne von Trump oder von Kim vorbeigefahren, dann öffnen sich in Sekundenschnelle wie bei einem Wolkenbruch die Schleusen. Jeder knattert mit dem Moped los, fährt mit dem Auto an oder wagt sich als Fußgänger durchs Chaos. Doch alles steht, alles hupt nach nur wenigen Metern. Staus kennt man in Hanoi und hupen gehört zum guten Ton. Genervt sind nur die wenigsten.

Die Straße vor dem Melia Hotel in Hanoi, Vietnam, aufgenommen am 27.02.2019
Eine Frau schiebt ihr Fahrrad vor einer Straßensperre am Melia-Hotel, in dem Kim wohnt.
Quelle: AP

Die Vietnamesen nehmen die Unannehmlichkeiten, die das Gipfeltreffen mit sich bringt, gelassen hin. Ein derartiges Brimborium sehen sie ja auch nicht alle Tage in ihrer Stadt. Und für die Touristen, die momentan in der Hauptstadt weilen, steht für ein paar Tage eine weitere Attraktion auf dem Programm: Konvoi gucken. "Geweldig", großartig sei das, sagt ein niederländisches Ehepaar am Straßenrand. Als es den Wagen von Kim Kong Un erspäht, der auf dem Weg zur nordkoreanischen Botschaft ist, fragt die Ehefrau ihren Mann, ob sie lieber ein Foto oder ein Video machen soll. Die Antwort kriegt sie kaum mit, denn schon fährt der Konvoi vorbei.

Denn das Dazwischen dauert nur ein paar Sekunden, anders als beim Davor, das sich minutenlang ankündigt, oder beim Danach, wenn sich die Staus erst nach einer Stunde auflösen. Aber das kurze Dazwischen ist zweifelsohne ein Spektakel mit Sirenen, Lichthupen, Motorradeskorte und viel Blaulicht. Und auch wenn man hinter den getönten Scheiben weder Trump noch Kim erkennt: Es ist wie im Film. Doch anders als in Singapur im vergangenen Jahr, beim historischen ersten Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim, als die Zuschauer am Straßenrand dem nordkoreanischen Diktator wie einem Popstar zujubelten, stehen die Augenzeugen in Hanoi eher ehrfürchtig am Straßenrand und mit asiatischer Reserviertheit.

Vietnam als Vorbild für Nordkorea?

Hanoi ist im Gipfel-Wahnsinn. Da begegnen sich mit den USA und Nordkorea zwei (ehemalige) Erzfeinde in Vietnam, einem Land, das noch vor weniger als 50 Jahren im Krieg mit den Amerikanern stand. Und nun soll Nordkorea von den Vietnamesen lernen, wie man Diktatur und Kommunismus als Staatsform mit kapitalistischen Zügen in der Wirtschaft verknüpfen kann. Vietnam taugt da gut als Anschauungsobjekt. Ein Land, das auf der einen Seite Oppositionelle verfolgt und inhaftiert, auf der anderen Seite mit der Welt Handel betreibt.

Der Fortschritt ist in den Straßen von Hanoi zu besichtigen: Shopbesitzer, die pünktlich zum Gipfel T-Shirts mit den Konterfeis der beiden Staatschefs im Sortiment bereithalten, Frisöre, die einen Haarschnitt à la Kim und Trump anbieten (die Ergebnisse sahen bislang eher schräg aus) und Massage-Salons, die Sonderrabatte offerieren. Ganz zu schweigen von all den geschäftstüchtigen Taxifahrern, Straßenverkäufern und Touristenführern, die ein Extra-Geschäft wittern.

Neuer Treffpunkt: das Hotel "Metropole"

Und - endlich - möchte man schreiben, steht auch das Gipfelprogramm fest - nach Tagen der Ungewissheit, wo und wann sich die beiden Staatschefs denn nun sehen werden. Keine 24 Stunden vor Gipfelbeginn gab das Weiße Haus einen genauen Ablaufplan bekannt. Trump kam bereits mit vietnamesischen Präsidenten Nguyen Phu Trong in dessen Amtssitz, dem sogenannten "Gelben Haus", zusammen. Es folgt ein Gespräch mit Nguyen Xuan Phuc, dem vietnamesischen Premierminister.

Und dann am frühen Abend Ortszeit ist es soweit: Trump und Kim schütteln sich die Hände. Aber nicht im Gästehaus der Regierung, wie tagelang spekuliert worden war, sondern gegenüber im legendären Hotel "Metropole". Seit Stunden ist das Luxushotel hermetisch abgeriegelt, Soldaten und Polizisten patrouillieren entlang der Eingänge und leiten den Verkehr weiträumig um. Aber am Seiteneingang schießen ein paar Köche und Servicekräfte noch schnell mit ihren Handys Erinnerungsfotos, argwöhnisch beobachtet von den Sicherheitskräften.

Die vietnamesische Regierung unter Premier Nguyen Xuan Phuc sieht sich als Friedensvermittler. Überall in Hanoi hat sie Schilder aufstellen lassen mit der Aufschrift: "The city for peace" - eine Stadt für den Frieden. Vietnam gefällt sich in dieser Rolle. Und auch auf einer kleineren Ebene sitzen Menschen einträchtig zusammen. Es sind die Journalisten von Fox News, dem Lieblingssender Trumps, und von CNN, die laut US-Präsident nur Fake News - also Lügen - verbreiten. Rücken an Rücken sitzen sie im Internationalen Medienzentrum, scherzen freundlich miteinander und verfolgen gemeinsam auf der großen Fernsehleinwand im Medienzentrum die Ankunft von Donald Trump auf dem Flughafen von Hanoi.

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