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Gipfel-Abschluss in Singapur - Kim und Trump wollen atomwaffenfreies Korea

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Nordkoreas Machthaber Kim und US-Präsident Trump sind sich einig: Korea soll "vollständig" denuklearisiert werden, beschlossen sie in Singapur. Einen Fahrplan gibt es noch nicht.

41 Minuten haben US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un unter vier Augen beraten. Darauf garantierte Nordkorea in einem Dokument vollständige Denuklearisierung.

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Das Ziel steht fest: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un streben eine "vollständige nukleare Abrüstung" der koreanischen Halbinsel an. Darauf arbeite man hin, heißt es in der Abschlusserklärung, die beide Seiten auf ihrem Gipfel in Singapur unterzeichneten. Ein Zeitplan oder spezifische Schritte wurden in dem eher vagen Dokument aber nicht erwähnt. Darin hieß es nur, Außenminister Mike Pompeo werde "baldmöglichst" Gespräche mit der nordkoreanischen Seite aufnehmen, um die Ergebnisse des Gipfels "zügig" umzusetzen.

Trump sagte, er erwarte sehr bald den Beginn dieses Prozesses. Er sei sehr stolz darauf, was am Dienstag geschehen sei. Der US-Präsident lud Kim ins Weiße Haus ein. Es werde noch viele weitere Treffen geben. "Wir haben eine sehr besondere Verbindung aufgebaut", erklärte Trump. Kim äußerte sich mit den Ergebnissen bei der Unterzeichnung ebenfalls zufrieden. "Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen", sagte er. "Die Welt wird einen großen Wandel erleben." Das Treffen in Singapur war der erste Gipfel in der Geschichte beider Staaten: Nie zuvor war ein amtierender amerikanischer Präsident mit einem Führer des isolierten Landes zusammengetroffen.

Trump verspricht Ende von Militärmanövern mit Südkorea

Auf einer Pressekonferenz nach dem Treffen sagte Trump das Ende der gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea zu. Die "Kriegsspiele" sollten aufhören, und letztlich wolle er die in Südkorea stationierten US-Soldaten nach Hause bringen, verkündete er in Singapur.

Nordkorea betrachtet die gemeinsamen Manöver von Washington und Seoul als Übung für eine angeblich geplante Invasion des Nordens und daher als Bedrohung. Der US-Präsident argumentierte auch mit den immensen Kosten für die Manöver und sagte, er strebe langfristig eine Einstellung an. Die Sanktionen gegen Nordkorea möchte Trump hingegen vorerst beibehalten.

Von Drohungen zu Komplimenten

Bis vor wenigen Monaten tauschten Kim und Trump noch heftige Beschimpfungen aus - bis hin zur Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen. Nach der Unterzeichnung in Singapur sagte Trump über Kim: "Ich habe gelernt, dass er ein sehr talentierter Mann ist, und ich habe außerdem gelernt, dass er sein Land sehr liebt."

Im Laufe des Treffens berichtete Trump mehrfach von Fortschritten. "Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse", sagte er nach einem Mittagessen. Mit ihrer persönlichen Begegnung im Luxushotel "Capella" auf der Insel Sentosa wollen beide Politiker nach ihrem anfangs angespannten und teils offen feindlichen Verhältnis einen Neuanfang wagen. Dabei ging es auch eine Friedenslösung für die koreanische Halbinsel sowie Wirtschaftshilfe für Nordkorea.

13 Sekunden historischer Handschlag

Nordkoreas Machthaber machte gleich zu Beginn deutlich, ein neues Kapitel in den angespannten Beziehungen zu den USA aufschlagen zu wollen. Nach einem ersten Handschlag mit Trump sagte er: "Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier." Auf Fragen, wie atomare Abrüstung aussehen könnte, reagierte er nicht.

Trump und Kim hatten sich zum Auftakt vor jeweils sechs Flaggen der USA und Nordkoreas in dem Kolonialbau den Kameras gestellt. Bei dem 13 Sekunden dauernden, historischen Handschlag wirkten beide Politiker ernst und angespannt, doch fasste Trump seinem Gegenüber freundschaftlich kurz an die Schulter. Das Treffen hat für Nordkorea immensen symbolischen Wert. Es signalisierte, mit der Supermacht USA auf gleicher Augenhöhe zu stehen.

Einer der gefährlichsten Konflikte der Welt

Auf nordkoreanischer Seite nahmen der berüchtigte frühere Geheimdienstchef und einflussreiche Berater General Kim Yong Chol sowie Außenminister Ri Yong Ho an den Beratungen teil. Anschließend kamen beide Delegationen zu einem Arbeitsessen zusammen. Für den Nachmittag waren ursprünglich keine weiteren Gespräche mehr geplant.

Der Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte der Welt. Kim gibt vor, dass seine Raketen mit Atomsprengköpfen das US-Festland treffen können.

Trump nach G7-Debakel unter Druck

In einem wütenden Tweet wies Trump am frühen Morgen seine Kritiker zurecht. "Wir haben unsere Geiseln (zurück), die Tests, die Forschung und alle Raketenabschüsse sind gestoppt", schrieb Trump. "Und diese Experten, die mir von Anfang an Fehler vorwarfen, haben nichts anderes zu sagen", fuhr er fort. "Wir werden okay sein." Mit dem Hinweis auf die Geiseln bezog sich Trump auf drei US-Bürger, die im Mai aus der Haft in Nordkorea freigelassen worden waren.

In US-Medien waren zuvor Zweifel aufgekommen, ob die USA bei dem Gipfel mit Kim entscheidende Fortschritte erzielen können. So wurde spekuliert, die USA könnten bei den Nordkoreanern gegen eine Wand laufen. Trump hatte erklärt, er werde bereits am Dienstagabend wieder nach Hause fliegen. In früheren Planungen war von Mittwoch die Rede gewesen. Nach dem Eklat am Wochenende auf dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) in Kanada stand Trump zusätzlich unter Druck, einen Erfolg vorzuweisen.

Frieden statt nur Waffenstillstand

Das Treffen in Singapur war schon deswegen heftig umstritten, weil Kim sein Land diktatorisch regiert, massiv gegen Menschenrechte verstößt. Nach Schätzungen der US-Regierung hält das Regime 80.000 bis 120.000 Menschen in teils schlimmen Verhältnissen in Arbeitslagern gefangen.

65 Jahre nach Ende des Koreakrieges und 70 Jahre nach Gründung Nordkoreas streben beide Seiten als Grundlage für die atomare Abrüstung auch eine Friedenslösung an. Damals wurde nur ein Waffenstillstandsabkommen besiegelt. Insbesondere Nordkorea wünscht sich vertragliche Vereinbarungen, dass die Führung in Pjöngjang nicht durch einen Angriff gestürzt wird.

Nordkoreas Machthaber sucht außer starken Sicherheitsgarantien eine Aufhebung der scharfen Sanktionen, die die Vereinten Nationen und auch die USA auch einseitig als Reaktion auf seine Atom- und Raketentests verhängt haben. In einem Entgegenkommen hatte Kim im April einen Atom- und Raketenteststopp erklärt und verkündet, sich künftig auf die Wirtschaftsentwicklung konzentrieren zu wollen. Formell gibt es zwischen Nordkorea und den USA bis heute keine diplomatischen Beziehungen.

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